Peptische Geschwüre und Bakterien 1984 – Helicobacter pylori

Der Arzt Marcellus Donatus aus dem italienischen Mantua dokumentierte 1586 bei einer Obduktion als einer der Ersten offene Wunden in der Magenschleimhaut.
Bis vor Kurzem glaubte man, peptische Geschwüre im Magen und benachbarten Zwölffingerdarm würden durch Stress und Ernährung verursacht. Heute wissen wir, dass die meisten dieser Geschwüre durch das spiralförmige, im sauren Magenmilieu gedeihende Bakterium Helicobacter pylori verursacht werden.
Dass die bakterielle Ursache medizinisch anerkannt wurde, ist den Pionierleistungen der australischen Forscher Robin Warren und Barry Marshall zu verdanken. Um skeptische Kollegen zu überzeugen, trank Marshall 1984 den Inhalt einer Petrischale mit H. pylori und entwickelte fünf Tage später eine Gastritis (Entzündung der Magenschleimhaut).
- Geschwüre können Bauchschmerzen und Bluterbrechen verursachen.
- Ein Durchbruch der Magen- oder Zwölffingerdarmwand kann lebensbedrohlich sein.
- Besiedelt H. pylori den Magen, kann das Bakterium die Ausschüttung von Gastrin, das die Magensäuremenge reguliert, erhöhen oder verringern und chronische Entzündungen hervorrufen.
H. pylori lässt sich durch Kulturen aus Magen- oder Zwölffingerdarmproben, Bluttests auf Antikörper, Stuhltests auf Antigene und den Harnstoff-Atemtest nachweisen. Bei diesem Atemtest nimmt der Patient radioaktiven Harnstoff ein. Wird radioaktives Kohlendioxid in der Atemluft gefunden, weist dies auf H. pylori hin.
Es wird angenommen, dass H. pylori über Lebensmittel, Wasser und menschlichen Speichel übertragen wird. Nur ein Teil der Menschen mit H. pylori entwickelt jedoch tatsächlich Geschwüre. Dies könnte mit genetischer Veranlagung und unterschiedlichen schädigenden Eigenschaften der Bakterien zusammenhängen.
Die Behandlung von H. pylori umfasst eine Kombination aus Antibiotika, Wismutverbindungen und säuresenkenden Protonenpumpenhemmern. Interessanterweise entwickelte der griechische Arzt John Lykoudis bereits 1958 eine eigene Antibiotikatherapie gegen Geschwüre; andere Ärzte lehnten seine Arbeit jedoch weitgehend ab.
Peptische Geschwüre können auch durch Aspirin, Ibuprofen und andere nichtsteroidale Antirheumatika (NSAR) verursacht werden. NSAR können die Bildung von Prostaglandinen verringern. Diese hormonähnlichen Moleküle regen normalerweise die Produktion schützenden Schleims im Magen an.
Erläuterung des Beitragsbildes: Künstlerische Darstellung von H. pylori mit vier bis sechs Flagellen, also peitschenartigen Fortsätzen, mit denen das Bakterium die Schleimschicht durchquert und das Magenepithel erreicht.
Historische Personen in diesem Beitrag: Marcellus Donatus von Mantua (1538–1602), John Lykoudis (1910– 1980), John Robin Warren (geb. 1937), Barry James Marshall (geb. 1951)
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