RNA-Test im Urin: nur noch wenige Schritte bis zur Prostatakrebsdiagnose

Ein neues Verfahren zum Nachweis sogenannter nichtcodierender RNA-Moleküle (non-coding) im Urin verspricht eine empfindlichere und genauere Prostatakrebserkennung als klassische PSA-basierte Tests.
Diese Idee wurde mit einer Studie auf dem Europäischen Urologiekongress vom 11-15 März 2016 in Deutschland vorgestellt.
RNA, ausgeschrieben Ribonukleinsäuren, gehören zu den Grundlagen des Lebens. Sie übernehmen viele wichtige biologische Aufgaben, am bekanntesten verschiedene Prozesse zur Übersetzung genetischer DNA-Information in Proteine. Es gibt viele RNA-Arten; die bekanntesten sind Boten-RNA, ribosomale RNA und Transfer-RNA sowie die erst in den letzten Jahren bekannter gewordene nichtcodierende RNA.
Derzeit verwendete Biomarker für Prostatakrebs sind die Tests PSA (prostataspezifisches Antigen) und PCA3 (Prostatakrebsgen 3). Bekanntermaßen reichen sie jedoch zum Nachweis vieler Prostatakrebserkrankungen nicht aus.
Nichtcodierende RNAs zeigten höhere Empfindlichkeit und Genauigkeit bei der Prostatakrebserkennung
Fortschritte der Genomik zeigen, dass unsere genetische Struktur viel komplexer ist als vermutet. Organe senden bei Gesundheit und Krankheit unterschiedliche genetische Signale und drücken sich durch verschiedene Moleküle aus.
Eine Gruppe davon sind nichtcodierende RNAs. Bis vor Kurzem hielt man diese nicht an der Proteinbildung beteiligten Moleküle für funktionslos. Heute ist ihre entscheidende Rolle in vielen biologischen Prozessen bekannt, besonders bei Entstehung und Ausbreitung von Krebs. Daraus entstand die Idee, ihre Messung für eine frühe Krebserkennung zu nutzen.
Für die Studie wurden aus jeder von 64 Prostatakrebs-Gewebeproben jeweils 200 Millionen genetische Sequenzen gelesen. In Tumorproben unterschieden sich etwa 2.000 Sequenzen deutlich von gesundem Gewebe. Einige waren nichtcodierende RNA und wurden als mögliche neue Prostatakrebsbiomarker angesehen.
Diese möglichen Biomarker wurden nicht nur im Tumorgewebe, sondern auch im Urin von Prostatakrebspatienten nachgewiesen. Erste experimentelle Tests legen nahe, dass ihr Urinnachweis eine deutlich genauere Früherkennung ermöglichen könnte.
Biomarkerkombinationen werden die Spezifität der Tests erhöhen
Die Forschenden haben bereits begonnen, für höhere Empfindlichkeit und Genauigkeit einen Kombinationstest zu entwickeln. Die Studie gehört zum Projekt RIBOLUTION (RIBOnucleic acid-based diagnostic soLUTIONs), das neue RNA-Biomarker für diagnostische Tests entwickeln soll.
Quellen
EUROPEAN ASSOCIATION OF UROLOGY. Public release: 12-MAR-2016
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