Schneeanästhesie 1812 – Schmerzen lindern

Der antike lateinische Satz „Divinum est opus sedare dolorem“ (Schmerzen zu lindern ist ein göttliches Werk) steht sinnbildlich für das Bestreben der Chirurgen, Schmerzen während einer Operation zu beherrschen.
Seit 2500 v. Chr. verwendeten die alten Ägypter gelegentlich Hypothermie, also niedrige Temperaturen, um Verletzungen zu behandeln und Entzündungen zu verringern. Der griechische Arzt Hippokrates (460-370 v. Chr.) empfahl: „Schwellungen, Schmerzen und Verstauchungen eines Gelenks lassen sich häufig durch reichliches Übergießen mit kaltem Wasser lindern, weil eine mäßige Betäubung den Schmerz verringert.“ Der berühmte islamische Arzt Ibn Sina (980-1037) verwendete Eiswasser, um Zähne und Zahnfleisch vor Operationen zu betäuben.
Einer der bekanntesten Anwender von Schnee und Eis zur Schmerzkontrolle war der französische Chirurg Dominique Larrey (1766-1842). Er entwickelte ein System pferdegezogener Krankenwagen und eine Reihenfolge, in der verwundete Soldaten nach der Schwere ihrer Verletzungen behandelt wurden. 1807 beobachtete Larrey bei der Schlacht von Eylau in Preußen, dass das Kühlen der Gliedmaßen die Schmerzen einer Amputation erheblich verringerte. Während der Schlacht bei Borodino gegen Russland im Jahr 1812 soll er innerhalb von 24 Stunden 200 Amputationen und später bei der Schlacht an der Beresina weitere 300 Eingriffe vorgenommen haben. Wann immer möglich, setzte er Schnee und Eis zur Schmerzlinderung ein.
Der englische Chirurg James Arnott (1797-1883), ein leidenschaftlicher Verfechter der Kälteanästhesie, war besorgt, weil frühe Versuche mit Äther und Chloroform, die den Beginn der modernen Anästhesie markierten, einige Todesfälle verursacht hatten. Sein Ansatz bestand aus einer Mischung von zerstoßenem Eis und Salz, die auf die Haut im Operationsbereich aufgetragen wurde. Dazu schrieb er: „Bei allen oberflächlichen Operationen ist Kälte zur Erzeugung einer Betäubung und zur Verhinderung von Entzündungen dem Chloroform eindeutig überlegen, wenn man Sicherheit, einfache Anwendung sowie Zeit- und Arbeitsersparnis berücksichtigt.“ Arnott maß der Wirkung von Kälte bei der Schmerzkontrolle und insbesondere ihren Sicherheitsvorteilen große Bedeutung bei.
Erläuterung der Artikelabbildung: Antoine-Jean Gros (1771–1835) malte die Schlacht bei Eylau in Preußen ( 7.–8. Februar 1807)
Im Artikel erwähnte historische Persönlichkeiten: Hippokrates von Kos (460 v. Chr.–377 v. Chr.), Abu ‘Ali al-Husayn ibn ‘Abd-Allah Ibn Sina (Avicenna) (980–1037), Dominique Jean Larrey (1766–1842), James Arnott (1797–1883)
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