Semmelweis' Händewaschen 1847 – Eine lebensrettende Routine

K. Codell Carter und Barbara Carter schreiben:
„Medizinischer Fortschritt wird durch zwei Arten von Opfern erkauft: die Opfer der Forscher, die Krankheiten zu verstehen versuchen, und die Opfer der Patienten, die dabei sterben. Eines der eindrücklichsten Beispiele waren Hunderttausende junge Frauen, die Anfang des 19. Jahrhunderts in gemeinnützigen Entbindungskliniken an Kindbettfieber starben, einer schrecklichen fieberhaften Infektionskrankheit nach der Geburt.“
Viele Ärzte versuchten schon vor der Entdeckung krankheitsverursachender Mikroorganismen, die Bedeutung der Sauberkeit für die Infektionsvorbeugung bekannt zu machen. Als Erster durch systematische Untersuchungen zur Desinfektion berühmt wurde jedoch der ungarische Geburtshelfer Ignaz Semmelweis.
Semmelweis bemerkte, dass in dem Wiener Krankenhaus, in dem er arbeitete, verglichen mit einem ähnlichen Krankenhaus die mütterliche Sterblichkeit durch Kindbettfieber deutlich höher war. Außerdem stellte er fest, dass nur in seinem Krankenhaus Ärzte regelmäßig Leichen untersuchten, bevor sie Patientinnen untersuchten.
Kindbettfieber beziehungsweise Blutvergiftung ist eine überschießende Reaktion des Körpers auf schwere bakterielle Infektionen im eigenen Organismus. Semmelweis bemerkte, dass Kindbettfieber bei Frauen, die auf der Straße entbanden, selten war. Daraus schloss er, dass infektiöses Material von den Leichen auf die Frauen übertragen wurde. Nachdem er das Krankenhauspersonal angewiesen hatte, sich vor der Behandlung einer Frau die Hände mit einer chlorhaltigen Desinfektionslösung zu waschen, ging die Zahl der Todesfälle dramatisch zurück.
Trotz der erstaunlichen Ergebnisse lehnten viele Ärzte seiner Zeit seine Befunde leider ab. Möglicherweise wollten sie nicht eingestehen, dass sie „unwissentlich so viele Todesfälle verursacht hatten“. Zudem führten viele Ärzte solche Krankheiten auf eine Art giftige Atmosphäre zurück, die Miasma genannt wurde.
Schließlich verlor Semmelweis unglücklicherweise den Verstand, wurde gegen seinen Willen in eine psychiatrische Anstalt eingewiesen und dort vom Pflegepersonal zu Tode geprügelt. Erst nach seinem Tod bestätigten die Arbeiten des französischen Mikrobiologen Louis Pasteur zu Mikroben und die Fortschritte des englischen Chirurgen Joseph Lister in der antiseptischen Chirurgie, dass Semmelweis recht gehabt hatte.
Erläuterung der Artikelabbildung: Ärzte beim Händewaschen vor einer Operation
Im Artikel erwähnte historische Persönlichkeiten: Ignaz Philipp Semmelweis (1818–1865), Louis Pasteur (1822– 1895), Sir Joseph Lister (1827–1912)
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Quellen
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