Was ist Cabazitaxel (Jevtana)? FDA-Zulassung, Zulassung in der Türkei und Erstattung

In diesem Artikel
- FDA-Zulassung: Ja (Datum der ersten Zulassung: 17. Juni 2010)
- Handelsnamen: Jevtana (Originalpräparat), Cabatax (in der Türkei erhältliches Generikum), Neutaxan (Generikum)
- Wirkstoff: Cabazitaxel
- Art der Anwendung: Intravenöse (IV) Infusion
- Wirkstoffklasse: Taxoid, antimikrotubulärer Wirkstoff
- Kategorie: Chemotherapeutikum
- Hersteller: Sanofi-Aventis (Hersteller des Originalwirkstoffs)
- Vertrieb in der Türkei: Sanofi (Jevtana), Koçak Farma (Cabatax), Gensenta (Neutaxan)
- Krebsarten mit Zulassung: Metastasierter kastrationsresistenter Prostatakrebs, insbesondere bei Patienten mit Resistenz gegen eine docetaxelbasierte Behandlung
Was ist Jevtana?
Jevtana enthält Cabazitaxel, ein halbsynthetisches Taxanderivat, und wird bei metastasiertem kastrationsresistentem Prostatakrebs als antimikrotubuläres Chemotherapeutikum eingesetzt. Es wird besonders bei Patienten angewendet, die gegen Docetaxel resistent sind.
Wirkmechanismus:
- Jevtana ist ein halbsynthetisches Taxanderivat, das aus einer Vorläufersubstanz aus den Nadeln der Eibe hergestellt wird.
- Es bindet an das Protein Tubulin, fördert dadurch den Zusammenbau von Mikrotubuli und verhindert zugleich deren Abbau. Da Mikrotubuli für die Zellteilung erforderlich sind, unterbindet dieser Mechanismus die Teilung und Vermehrung von Krebszellen.
- Jevtana wirkt insbesondere in der mitotischen Phase (M-Phase) des Zellzyklus. Es hemmt die Zellfunktionen in dieser Phase und verhindert so das Tumorwachstum.
Zulassungsgeschichte bei der FDA (US-amerikanische Arzneimittel- und Lebensmittelbehörde)
- 17. Juni 2010: Jevtana (Cabazitaxel) wurde von der FDA zur Behandlung von Patienten mit metastasiertem kastrationsresistentem Prostatakrebs zugelassen, die bereits eine docetaxelbasierte Chemotherapie erhalten hatten. Die Zulassung erfolgte im Verfahren der vorrangigen Prüfung (Priority Review).
Zulassung in der Türkei
Die in der Türkei zugelassenen Anwendungsgebiete beziehungsweise therapeutischen Indikationen für Jevtana lauten:
Therapeutische Anwendungsgebiete:
- Jevtana ist in Kombination mit Prednison oder Prednisolon zur Behandlung von Patienten mit metastasiertem kastrationsresistentem Prostatakrebs angezeigt, die bereits mit einem docetaxelhaltigen Regime behandelt wurden.
Behandlungsdauer: Die Behandlung wird bis zum Fortschreiten der Erkrankung oder bis zum Auftreten nicht tolerierbarer Toxizität fortgesetzt. Eine feste maximale Dauer gibt es nicht; die Patienten müssen jedoch regelmäßig überwacht und Nebenwirkungen berücksichtigt werden.
Wird Jevtana erstattet?
Die türkische Sozialversicherungsanstalt SGK erstattet Jevtana in folgenden Fällen:
- Indikation: Die Anwendung zusammen mit Prednison oder Prednisolon wird bei erwachsenen Patienten mit metastasiertem kastrationsresistentem Prostatakrebs erstattet, die bereits eine docetaxelhaltige Chemotherapie erhalten haben, einen ECOG-Leistungsstatus von 0-1 aufweisen und bei denen ein Fortschreiten anhand von PSA und Bildgebung nachgewiesen wurde. Die türkische SGK übernimmt diese Behandlung bei Patienten, die auf Docetaxel nicht ansprechen oder deren Erkrankung fortschreitet.
- Behandlungsdauer: Die türkische SGK erstattet die Behandlung bis zum Fortschreiten der Erkrankung oder bis zu nicht tolerierbarer Toxizität. Die Dauer kann je nach Ansprechen und allgemeinem Gesundheitszustand variieren.
Preis: Apothekenverkaufspreis in der Türkei für JEVTANA 60mg, Durchstechflasche, Stand August 2025: 73.277.8 TL.
Resistenzmechanismus:
- Veränderungen des Tubulins: Cabazitaxel bindet an Mikrotubuli und stoppt die Teilung von Krebszellen. Bei manchen Krebszellen verändert sich jedoch die Struktur des Proteins Tubulin, wodurch das Arzneimittel schlechter daran bindet. Dadurch entwickeln die Zellen eine Resistenz.
- Das P-Glykoprotein-Transportsystem: P-Glykoprotein ist ein Transportsystem, das Fremdstoffe wie Arzneimittel aus Zellen ausschleust. Andere Taxane werden von diesem System stark erfasst und aus den Zellen transportiert, was ihre Wirksamkeit verringert. Cabazitaxel wird dagegen weniger stark über dieses System ausgeschleust und kann deshalb auch in Tumorzellen wirksam bleiben, die gegen andere Taxane resistent sind.
Resorption
- Jevtana wird ausschließlich intravenös (IV) verabreicht und besitzt daher keine orale Bioverfügbarkeit.
Verteilung
- Jevtana verteilt sich weiträumig in sämtlichen Körpergeweben und überwindet die Blut-Hirn-Schranke. Die Plasmaproteinbindung beträgt 89-92%.
Stoffwechsel
- Jevtana wird größtenteils in der Leber verstoffwechselt, zu mehr als 95%. Dies geschieht überwiegend durch CYP3A4 und CYP3A5 und in geringerem Umfang durch CYP2C8. Im Körper entstehen etwa 20 verschiedene Metaboliten.
- Etwa 24% der verabreichten Dosis werden unverändert in der ursprünglichen Form ausgeschieden, während der größere Anteil (76%) als Metaboliten ausgeschieden wird. Die Ausscheidung über die Nieren ist gering und beträgt weniger als 4% der Dosis. Die terminale Halbwertszeit liegt bei etwa 77 Stunden. Nach einer Infusion über 1 Stunde werden 80% der Dosis innerhalb von 2 Wochen ausgeschieden.
Dosierungsbereich
- Empfohlene Dosis: Die empfohlene Dosis von Jevtana beträgt 20 mg/m² als intravenöse Infusion über 1 Stunde alle 3 Wochen. Die Behandlung erfolgt zusammen mit täglich 10 mg Prednison oral.
- Maximale Dosis: Eine höhere Dosis von 25 mg/m² darf nur bei Patienten mit geeignetem klinischem Zustand angewendet werden, die diese Dosis vertragen können.
Wechselwirkungen mit Arzneimitteln
- CYP3A4-Hemmer wie Ketoconazol, Itraconazol, Clarithromycin, Atazanavir, Indinavir, Nefazodon, Nelfinavir, Ritonavir, Saquinavir, Telithromycin und Voriconazol können den Stoffwechsel von Cabazitaxel verlangsamen und seinen Blutspiegel erhöhen. Dies kann die Wirkung verstärken, zugleich aber auch das Nebenwirkungsrisiko steigern.
- CYP3A4-Induktoren wie Phenytoin, Carbamazepin, Rifampicin, Phenobarbital und Johanniskraut können den Stoffwechsel von Cabazitaxel beschleunigen und seinen Blutspiegel senken. Dadurch kann die Wirksamkeit abnehmen und das erwartete Behandlungsergebnis ausbleiben.
Wichtige Vorsichtsmaßnahmen
- Überempfindlichkeitsreaktionen: Bei Patienten mit schweren Überempfindlichkeitsreaktionen gegen Cabazitaxel oder gegen Polysorbat 80 enthaltende Arzneimittel ist die Anwendung kontraindiziert.
- Kontrolle der Blutwerte: Während der Behandlung sind wöchentliche Blutbildkontrollen und eine engmaschige Überwachung von Patienten mit Neutropenierisiko erforderlich. Besonders bei Risikofaktoren wie einem Alter über 65 Jahren, schlechtem Leistungsstatus, schlechtem Ernährungszustand oder intensiver vorausgegangener Strahlentherapie sollte eine G-CSF-Prophylaxe erwogen werden.
- Vorbereitung (Prämedikation): Zur Vermeidung allergischer Reaktionen müssen Patienten vor der Behandlung eine Prämedikation mit Antihistaminikum, Kortikosteroid und H2-Antagonisten erhalten.
- Schwere Überempfindlichkeitsreaktionen: Während der Behandlung können schwere allergische Reaktionen auftreten. In diesem Fall muss die Behandlung sofort beendet werden. Patienten mit einer früheren schweren Überempfindlichkeitsreaktion dürfen Jevtana nicht erneut erhalten.
- Leberinsuffizienz: Bei leicht eingeschränkter Leberfunktion ist Vorsicht erforderlich. Bei mittelschwerer Leberinsuffizienz muss die Dosis auf 15 mg/m² reduziert werden. Bei schwerer Leberinsuffizienz ist die Anwendung kontraindiziert.
- Niereninsuffizienz: Bei leichter, mittelschwerer oder schwerer Niereninsuffizienz ist keine Dosisanpassung erforderlich. Bei terminaler Nierenerkrankung oder notwendiger Dialyse ist jedoch wegen fehlender Daten Vorsicht geboten.
- Schwangerschaft und Empfängnisverhütung: Jevtana gehört zur Schwangerschaftskategorie D. Männliche Patienten müssen während der Behandlung und für 4 Monate nach der letzten Dosis wirksame Empfängnisverhütung anwenden.
Nebenwirkungen
- Myelosuppression (Knochenmarksuppression): Dies ist die wichtigste dosisbegrenzende Nebenwirkung und kann eine schwere Neutropenie verursachen. Auch Thrombozytopenie (verminderte Blutplättchenzahl) und Anämie (verminderte Zahl roter Blutkörperchen) können auftreten.
- Überempfindlichkeitsreaktionen: Während der Behandlung sind großflächige Hautausschläge, Hautrötung, Erythem, niedriger Blutdruck, Atemnot und Bronchospasmus möglich. Solche Reaktionen treten meist in den ersten Minuten der Infusion auf, besonders während der ersten und zweiten Infusion.
- Magen-Darm-Nebenwirkungen: Durchfall, Übelkeit, Erbrechen, Verstopfung, Bauchschmerzen, Geschmacksveränderungen und Appetitverlust sind die häufigsten gastrointestinalen Nebenwirkungen.
- Müdigkeit und Asthenie (Schwäche): Müdigkeit und allgemeine Schwäche gehören zu den häufigen Nebenwirkungen.
- Neurotoxizität: Neurologische Beschwerden wie insbesondere periphere Neuropathie, Schwindel und Kopfschmerzen können auftreten.
- Muskel- und Gelenkschmerzen: Myalgie und Arthralgie, also Muskel- und Gelenkschmerzen, gehören zu den häufigen Nebenwirkungen.
- Kardiale Toxizität: Kardiale Nebenwirkungen wie Herzrhythmusstörungen, niedriger Blutdruck (Hypotonie) und periphere Ödeme (Schwellungen) können auftreten.
- Haarausfall (Alopezie): Bei etwa 10% der Patienten tritt Haarausfall (Alopezie) auf.
- Nebenwirkungen an den Harnwegen: Hämaturie (Blut im Urin) und Dysurie (schmerzhaftes Wasserlassen) gehören zu den häufigen Nebenwirkungen. Selten kann auch Niereninsuffizienz auftreten.
Quellen
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