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Prof. Dr. Mustafa Özdoğan · Facharzt für medizinische Onkologie

Was ist Gefitinib (Iressa)? FDA-Zulassung, Zulassung in der Türkei und Erstattung

Was ist Gefitinib (Iressa)? FDA-Zulassung, Zulassung in der Türkei und Erstattung
In diesem Artikel

  • FDA-Zulassung: Ja (erste Zulassung: 5. Mai 2003)
  • Handelsname: Iressa
  • Wirkstoff: Gefitinib
  • Verabreichung: Orale Tablette, meist 250 mg
  • Wirkstoffklasse: Tyrosinkinasehemmer (TKI)
  • Kategorie: Antineoplastische / zielgerichtete Therapie
  • Hersteller: AstraZeneca
  • Verfügbarkeit in der Türkei: In der Türkei zugelassen.
  • Zugelassene Krebsindikationen: Fortgeschrittenes oder metastasiertes nichtkleinzelliges Lungenkarzinom (NSCLC) mit EGFR-Mutation

Was ist Gefitinib und wie wirkt es?

Gefitinib ist ein orales zielgerichtetes Krebsmedikament, insbesondere für NSCLC mit bestimmten genetischen Veränderungen wie EGFR-Mutationen. Es gehört zu den Tyrosinkinasehemmern (TKI).

Wie wirkt es?

Gefitinib blockiert die Tyrosinkinasedomäne des epidermalen Wachstumsfaktorrezeptors EGFR auf Krebszellen. EGFR vermittelt Wachstum und Vermehrung; mutierte dauerhaft aktive Rezeptoren verursachen unkontrollierte Teilung. Gefitinib stoppt diese Signalübertragung, verlangsamt oder hemmt Tumorwachstum und löst teilweise Apoptose aus.

Geschichte der FDA-Zulassung (US-Arzneimittelbehörde)

Zulassung am 13. Juli 2015: FDA-Zulassung von Iressa (Gefitinib) zur Erstlinie beim metastasierten NSCLC.

Zulassung am 5. Mai 2003: AstraZeneca erhielt die FDA-Zulassung für Iressa (Gefitinib, ZD1839) beim fortgeschrittenen oder metastasierten NSCLC ab der dritten (3.) Behandlungslinie.

Zulassung in der Türkei

Zugelassen durch Gesundheitsministerium/TİTCK. Seit 18. Mai 2022 auf der Liste zusätzlich überwachter Medikamente.

SGK-Erstattung

SGK übernimmt Gefitinib bei metastasiertem/progredientem nichtplattenepithelialem NSCLC mit EGFR-Exon-19-Deletion oder Exon-21-L858R-Mutation bis zur Progression.

  • Erstattung bis zur Progression bei metastasiertem nichtplattenepithelialem NSCLC mit akkreditiert nachgewiesener EGFR-Exon-19-Deletion und/oder Exon-21-Mutation.

Preis März 2026: Iressa 250 mg Tablette: 35.750,73 TL.

Kosten eines Gefitinib-„Zyklus“ (1 Monat) 

Gefitinib wird meist mit 250 mg 1-mal täglich angewendet. Daher werden die Kosten gewöhnlich für 1 Monat (30 Tage) Behandlung berechnet.

Tagesdosis Bedarf für 30 Tage Referenzpreis Ungefähre Kosten für 1 Monat Hinweis
250 mg/Tag (Standard) 30 Tabletten Iressa 250 mg Tablette: 33.699,48 TL 33.699,48 TL Eine Packung für 1 Monat angenommen.
Wichtiger Hinweis
Die Berechnung berücksichtigt ausschließlich den Packungspreis und keine Kontrollen, Untersuchungen, Anwendungskosten, Rabatte, Protokollunterschiede oder erstattungsbedingte Änderungen.

Resistenzmechanismen

Gefitinib hemmt EGFR-Tyrosinkinase. Manche Krebszellen umgehen die Blockade während oder nach der Behandlung auf verschiedenen Wegen. Wichtigste Mechanismen:

Sekundäre EGFR-Mutationen: Am häufigsten ist T790M. Die neue EGFR-Mutation verändert die Bindungsstelle und verhindert die Kinaseblockade. T790M erklärt bis zu 50 % erworbener Resistenz.

Alternative Signalwege: MET-Amplifikation oder andere Signalwege ermöglichen Wachstum trotz EGFR-Blockade. Zusätzliche MET-Genkopien schaffen einen Umgehungsweg.

Phänotypwechsel: Epithelial-mesenchymaler Übergang (EMT) verändert Zellform und Biologie, vermindert die EGFR-Abhängigkeit und kann Resistenz erzeugen.

Weitere genetische Veränderungen:

  • HER2-Genamplifikation
  • PI3KCA-Mutation
  • BRAF-Mutation

können ebenfalls alternative Wege aktivieren und die Wirkung vermindern.

Zellulärer Wirkstofftransport: Überexpression von Transportproteinen wie ABC-Transportern kann den intrazellulären Spiegel senken und zur Resistenz beitragen.

  • Zusammenfassung: Häufigster Mechanismus ist T790M. Deshalb werden EGFR-TKI der zweiten und dritten Generation wie Osimertinib bei T790M-positiven Fällen eingesetzt. Andere Mechanismen betreffen meist Umgehungswege und Phänotypwechsel.

Pharmakokinetik

Resorption

  • Gute orale Aufnahme, Bioverfügbarkeit etwa 60 %.
  • Nahrung beeinflusst die Aufnahme wenig; fettreiche Mahlzeiten können sie leicht erhöhen.
  • Spitzenkonzentration (Tmax) meist nach 3-7 Stunden.

Verteilung

  • Hohe Plasmaproteinbindung von etwa 90 %.
  • Breite Gewebeverteilung, insbesondere in Tumor- und Lungengewebe.
  • Hohes Verteilungsvolumen als Hinweis guter Gewebegängigkeit.

Stoffwechsel

  • Gefitinib wird überwiegend hepatisch verstoffwechselt.
  • Hauptenzym ist CYP3A4, teilweise wirken CYP2D6 und weitere CYP-Enzyme mit.
  • M523595 gilt als aktiver Metabolit; die Hauptwirkung stammt jedoch vom Ausgangswirkstoff.

Ausscheidung

  • Elimination überwiegend über die Leber.
  • 86 % werden mit dem Stuhl und der übrige Anteil, etwa 7 %, im Urin ausgeschieden.
  • Terminale Halbwertszeit etwa 41 Stunden; daher genügt 1-mal tägliche Gabe.

Dosierungsintervall

  • Empfohlene tägliche Einzeldosis beim EGFR-mutierten NSCLC: 250 mg. Höhere Dosen wie 500 mg/Tag wurden untersucht. Bei gleicher Wirksamkeit wie 250 mg verursachten 500 mg mehr Nebenwirkungen. Deshalb sind 250 mg/Tag das wirksame verträgliche Standardschema.
  • Kein spezielles Steigerungs- oder Reduktionsschema; bei Unverträglichkeit vollständig absetzen.
  • Mit oder ohne Essen einnehmbar. Nahrung verändert die Aufnahme nicht wesentlich; eine besondere Nüchternheitsregel besteht nicht.
  • Tablette ganz schlucken, nicht kauen, zerdrücken oder teilen.
  • Mit Wasser einnehmen. Bei Schluckproblemen in einem Glas Trinkwasser vollständig zerfallen lassen, umrühren und sofort trinken. Reste mit zusätzlichem Wasser ebenfalls aufnehmen.
  • 1-mal täglich möglichst zur gleichen Uhrzeit, um stabile Spiegel zu erhalten.

Wechselwirkungen

CYP3A4-Hemmer

  • Gefitinib wird über CYP3A4 der Leber verstoffwechselt.
  • Starke CYP3A4-Hemmer wie Ketoconazol, Itraconazol oder Clarithromycin erhöhen den Spiegel und das Nebenwirkungsrisiko.
  • Bei solchen Kombinationen Vorsicht und Nebenwirkungskontrollen.

CYP3A4-Induktoren

  • Starke CYP3A4-Induktoren wie Rifampicin, Phenytoin, Carbamazepin oder Johanniskraut senken den Spiegel und möglicherweise die Wirkung.
  • Möglichst vermeiden oder Alternativen wählen.

Antazida und Protonenpumpenhemmer

  • Magensäure ist für die Gefitinib-Aufnahme wichtig.
  • Protonenpumpenhemmer wie Omeprazol oder Esomeprazol, H2-Rezeptorantagonisten wie Ranitidin und dauerhafte Antazida können über erhöhten Magen-pH die Bioverfügbarkeit vermindern.
  • Falls nötig mit mehreren Stunden Abstand zu Gefitinib geben.

Warfarin

  • Gefitinib kann zusammen mit Warfarin die INR und damit das Blutungsrisiko erhöhen.
  • Bei Kombination Gerinnungswerte (INR) häufiger kontrollieren.

CYP2D6-Substrate

  • Gefitinib kann CYP2D6 teilweise hemmen und Spiegel von CYP2D6-Substraten wie Metoprolol erhöhen.
  • Trotz begrenzter klinischer Bedeutung Vorsicht.

Worauf ist zu achten?

Nicht ohne EGFR-Mutation anwenden: Die Wirkung ist auf EGFR-mutierte Fälle mit Exon-19-Deletion oder Exon-21-L858R begrenzt. Nicht ohne Mutationstest beginnen.

Risiko interstitieller Lungenerkrankung: Selten kann schwere ILD entstehen. Bei plötzlicher Atemnot, Husten oder Fieber sofort absetzen und behandeln.

Leberinsuffizienz: Hepatische Verstoffwechselung. ALT und AST regelmäßig kontrollieren; bei mittlerer bis schwerer Leberinsuffizienz vorsichtig anwenden.

Augennebenwirkungen: Selten wurden schwere Befunde wie Hornhautgeschwür oder Keratitis berichtet. Bei starker Augenreizung augenärztlich untersuchen.

Durchfall und Austrocknung: Durchfall ist sehr häufig und kann über Flüssigkeitsverlust zu Nierenversagen führen. Bei unkontrollierbarem Durchfall kann die Therapie beendet werden.

Blutungsrisiko: Warfarin und ähnliche Antikoagulanzien können die INR erhöhen. Regelmäßige Kontrolle ist nötig.

Magensäurehemmende Mittel: PPI, H2-Blocker oder dauerhafte Antazida vermindern die Aufnahme. Bei nötiger Kombination den zeitlichen Abstand beachten.

Schwangerschaft und Stillzeit: Wegen fetaler Toxizität nicht in der Schwangerschaft anwenden. Stillende müssen abstillen.

Nebenwirkungen

  • Durchfall (47 %)
  • Ausschlag (43 %)
  • Akneiforme Dermatitis (31 %)
  • Trockene Haut (20 %)
  • Übelkeit (14 %)
  • Erbrechen (13 %)
  • Appetitlosigkeit (12 %)
  • Müdigkeit (9 %)
  • Juckreiz (8 %)
  • Augenreizung (7 %)
  • Erhöhte Leberenzyme ALT/AST (6-9 %)
  • Interstitielle Lungenerkrankung (ILD) (1-2 %), selten, aber schwer
  • Stomatitis (5 %)
  • Paronychie (Nagelwallinfektion) (5 %)
  • Austrocknung infolge von Durchfall (Häufigkeit unterschiedlich)
  • Keratitis (unter 1 %)
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