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Prof. Dr. Mustafa Özdoğan · Facharzt für medizinische Onkologie
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Was ist kognitive Verhaltenstherapie? Wie kann sie Krebskranken helfen?

Was ist kognitive Verhaltenstherapie? Wie kann sie Krebskranken helfen?
In diesem Artikel

Bei Menschen, die eine Krebserkrankung überlebt haben, treten Schlaflosigkeit (Insomnie), Depression, Angst und krebsbedingte kognitive Beeinträchtigungen häufig auf und mindern die Lebensqualität erheblich. Eine am 29. März 2024 im Journal of Clinical Oncology veröffentlichte Studie untersuchte die Wirkung der kognitiven Verhaltenstherapie (KVT) auf Insomnie und krebsbedingte kognitive Beeinträchtigungen bei Durchführung per Videokonferenz. Das randomisierte kontrollierte Studienprotokoll erstreckte sich über 7 Wochen und analysierte Veränderungen von Schlaf und kognitiven Funktionen ausführlich.


Was ist kognitive Verhaltenstherapie (KVT)?

Kognitive Verhaltenstherapie (CBT, Cognitive Behavioral Therapy) ist eine evidenzbasierte Psychotherapie, die negative Denkmuster und daraus entstehende Verhaltensweisen verändern soll. Sie wird von Psychiatern oder klinischen Psychologen durchgeführt.

KVT befasst sich mit dem Kreislauf aus Gedanken, Gefühlen und Verhalten und hilft beim Umgang mit Stress, Ängsten, Depression, Schlaflosigkeit und anderen psychischen Problemen. Realistische und hilfreiche Gedanken werden erarbeitet, um emotionales Wohlbefinden und Verhaltensänderungen zu fördern.

Häufige wirksame Einsatzbereiche sind Schlafstörungen, posttraumatische Belastungsstörung (PTBS), Zwangsstörung, Depression und Angststörungen. Strukturierte Sitzungen und Hausaufgaben unterstützen meist einen kurzen, aber wirksamen Therapieverlauf.

Kognitive Verhaltenstherapie bei Insomnie (CBT-I, Cognitive Behavioral Therapy for Insomnia) ist eine evidenzbasierte Psychotherapie gegen chronische Schlaflosigkeit. Sie richtet sich gegen schlafstörende Gedanken und Verhaltensweisen und soll Schlafqualität und Durchschlafen verbessern. Als medikamentenfreie Behandlung bietet KVT-I eine langfristig tragfähige Lösung.


Schlaflosigkeit und kognitive Beeinträchtigungen nach abgeschlossener Krebsbehandlung

Nach einer Krebsbehandlung ist Insomnie häufig und tritt gemeinsam mit Müdigkeit, Ängsten und kognitiven Problemen wie Gedächtnis- und Aufmerksamkeitsstörungen auf.

Zusammenhang zwischen Schlaf und kognitiven Funktionen

Schlafmangel kann Aufmerksamkeit und Gedächtnis beeinträchtigen. Die von Dr. Garland geleitete Studie prüfte die Hypothese, dass die Behandlung von Insomnie nicht nur den Schlaf, sondern auch die kognitiven Funktionen verbessern kann.


Studiendesign und Methoden

Intervention: KVT-I-Protokoll

  • Dauer: Wöchentliche Einzelsitzungen über 7 Wochen.

  • Sitzungsdauer: Im Durchschnitt 1 Stunde pro Sitzung.

  • Anpassung: Zusätzlich zum Standardprotokoll waren flexible Anpassungen an individuelle Symptome wie Müdigkeit, Schmerzen oder Depression vorgesehen.

Teilnehmende und Randomisierung

  • Teilnehmerzahl: 132 Menschen nach abgeschlossener Krebsbehandlung.

  • Gruppen: Zufällige Zuteilung zur Gruppe mit sofortiger Behandlung oder zur Gruppe mit 2 Monaten Wartezeit.

  • Einschlusskriterien: Abschluss der Krebsbehandlung vor mindestens 6 Monaten.


Ergebnisse

1. Verbesserung der Schlaflosigkeit

KVT-I verbesserte Insomniesymptome sowohl klinisch als auch statistisch bedeutsam:

  • Insomnia Severity Index: Im Durchschnitt wurde eine Verbesserung um 11 Punkte beobachtet (Schwelle für klinische Bedeutsamkeit: 8,4 Punkte).

  • Langfristige Wirkungen: Die Verbesserungen hielten auch bei den Nachuntersuchungen nach 3 und 6 Monaten an.

2. Verbesserung kognitiver Funktionen

Die kognitiven Funktionen wurden mit subjektiven und objektiven Verfahren beurteilt:

  • Subjektive kognitive Bewertung:

    • Die FACT-Cog -Skala wurde eingesetzt; 75% berichteten eine klinisch bedeutsame Verbesserung (in der Wartelistengruppe 43%).

  • Objektive Beurteilung:

    • Mit dem Hopkins Verbal Learning Test und ähnlichen Tests wurde die Leistungssteigerung objektiv gemessen.

3. Mediationsanalysen

Die Analysen kamen zu dem Ergebnis, dass die Behandlung der Insomnie ein wesentlicher vermittelnder Faktor für die Verbesserung kognitiver Funktionen war.


Virtuelle KVT-I und ihre klinischen Vorteile

Durchführung virtueller KVT-I

Alle Sitzungen fanden virtuell über Videokonferenz plattformen statt. Dieser Ansatz verbesserte den Zugang zur Behandlung, indem geografische Hindernisse entfielen.

Vorteile

  1. Einfacher Zugang: Auch Menschen in ländlichen Regionen können die Therapie erreichen.

  2. Geringe Kosten: Günstiger als Therapie vor Ort.

  3. Flexibilität: Betroffene können die Behandlung zu Zeiten wahrnehmen, die zu ihrem Alltag passen.

  4. Evidenzbasierte Wirksamkeit: Virtuelle KVT-I erwies sich als ebenso wirksam wie die Behandlung vor Ort.

Grenzen

  • Fehlender technischer Zugang: Manche Betroffene haben keinen Internetzugang oder kein geeignetes Gerät.

  • Motivationsprobleme: Wer persönliche Unterstützung gewohnt ist, kann mit selbstständig durchzuführenden Programmen Schwierigkeiten haben.


Bestandteile der KVT-I

Das KVT-I-Protokoll umfasst grundlegende Elemente zur Verbesserung der Schlafqualität:

  1. Psychoedukation: Informationen über den Schlafvorgang und die Auswirkungen von Schlaflosigkeit.

  2. Schlafrestriktion: Anpassung der Bettzeit an die tatsächliche Schlafzeit.

  3. Stimuluskontrolle: Nutzung des Schlafzimmers ausschließlich zum Schlafen und Ruhen.

  4. Kognitive Umstrukturierung: Ersetzen negativer schlafbezogener Gedanken durch realistischere, positivere Gedanken.

  5. Entspannungstechniken: Verringerung von Ängsten durch Meditation und Atemübungen.

  6. Schlafhygieneschulung: Aufbau von Gewohnheiten für geeignete Schlafbedingungen, etwa Dunkelheit und begrenzter Koffeinkonsum.


Fazit

KVT-I ist eine nachweislich wirksame Psychotherapie bei Insomnie und zeigt auch positive Wirkungen auf krebsbedingte kognitive Beeinträchtigungen. Virtuelle KVT-I beseitigt geografische und organisatorische Zugangshürden und bietet eine kosteneffiziente Lösung. Die Anwendung sollte jedoch individuell angepasst werden. Weitere Studien sollten die Wirksamkeit in unterschiedlichen Patientengruppen untersuchen.

Quellen

1. Garland, S. et al. Randomized Controlled Trial of Virtually Delivered Cognitive Behavioral Therapy for Insomnia to Address Perceived Cancer-Related Cognitive Impairment in Cancer Survivors. Journal of Clinical Oncology, 2024.

2. JCO Podcast: CBT-I for Cancer-Related Cognitive Impairment, 2024.
DROZDOGAN KI

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