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Prof. Dr. Mustafa Özdoğan · Facharzt für medizinische Onkologie
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Was ist Provenge (Sipuleucel-T)? FDA-Zulassung, Zulassung in der Türkei und Kostenerstattung

Was ist Provenge (Sipuleucel-T)? FDA-Zulassung, Zulassung in der Türkei und Kostenerstattung
In diesem Artikel
  • Von der FDA zugelassen: Ja
  • Datum der Erstzulassung: 29. April 2010
  • Präparatename: Provenge
  • Wirkstoffname: Sipuleucel-T (APC8015)
  • Art der Anwendung: Intravenöse (IV) Infusion
  • Wirkstoffklasse: Impfstoff, Immuntherapie, Zelltherapie
  • Kategorie: Zielgerichteter immuntherapeutischer Wirkstoff
  • Hersteller: Dendreon
  • Verfügbarkeit in der Türkei: In der Türkei nicht zugelassen. Es kann nach einem patientenbezogenen Antrag und Genehmigung durch die TİTCK im Rahmen eines Sonderimports beschafft werden.
  • Zugelassene Krebsarten: Asymptomatischer oder leicht symptomatischer metastasierter, kastrationsresistenter (hormonrefraktärer) Prostatakrebs

Was ist Provenge, und wie wirkt es?

Provenge (Sipuleucel-T) ist eine personalisierte Immuntherapie zur Behandlung von metastasiertem, kastrationsresistentem Prostatakrebs. Der Wirkmechanismus aktiviert das körpereigene Immunsystem des Patienten und richtet es gegen Krebszellen.

Wirkmechanismus 

  • Zellgewinnung (Leukapherese): Mit einem speziellen Gerät werden dem Patienten weiße Blutkörperchen, insbesondere dendritische Zellen, aus dem Blut entnommen.
  • Verarbeitung im Labor: Die Zellen werden ins Labor geschickt und dort mit dem immunstimulierenden Molekül GM-CSF behandelt, das an das Prostatakrebsantigen PAP gekoppelt ist. Dadurch werden die Zellen darauf vorbereitet, Alarm gegen Krebszellen auszulösen.
  • Rückgabe der aufbereiteten Zellen (Infusion): Die vorbereiteten Zellen werden dem Patienten intravenös zurückgegeben. Sie stimulieren das Immunsystem und veranlassen den Körper, Krebszellen zu bekämpfen.

Wirkmechanismus von Provenge 2


Geschichte der Zulassung durch die FDA (US-amerikanische Arzneimittelbehörde)

  • 29. April 2010: FDA-Zulassung zur Behandlung von Männern mit asymptomatischem oder leicht symptomatischem metastasiertem, kastrationsresistentem Prostatakrebs.
  • Sipuleucel-T war der erste Krebsimpfstoff, der als personalisierte zelluläre Immuntherapie zugelassen wurde.

Zulassung in der Türkei

Provenge (Sipuleucel-T) ist in der Türkei bislang nicht offiziell zugelassen.

Werden die Kosten erstattet?

Nein. Provenge ist in der Türkei nicht in die Erstattungsliste der SGK aufgenommen worden.


Resistenzmechanismus

  • Verminderte PAP-Expression an der Zelloberfläche: Der Verlust des Zielantigens erschwert die Erkennung durch das Immunsystem.
  • Zunehmende Tumorlast: Eine hohe Tumorlast kann die Wirksamkeit des Immunsystems verringern.
  • Aktivierung des PD-1-Checkpoint-Signalwegs: Eine verstärkte PD-1-Expression auf aktivierten T-Zellen unterdrückt die Immunantwort und kann die Wirksamkeit der Behandlung verringern.

Resorption

  • Provenge wird als intravenöse Infusion verabreicht (1 Stunde).
  • Der klassische Begriff der Resorption ist hier nicht anwendbar, da ein Zellprodukt direkt in den Kreislauf gegeben wird.

Verteilung

  • Die verabreichten aktiven APC, also antigenpräsentierenden Zellen, gelangen in den Blutkreislauf.
  • Diese Zellen wandern in das Lymphsystem und in sekundäre lymphatische Organe.
  • Dort interagieren sie mit T-Zellen und lösen eine Immunantwort aus.

Metabolismus

  • Der Metabolismus von Provenge unterscheidet sich vom klassischen Arzneimittelstoffwechsel.
  • Die verabreichten Zellen werden in das körpereigene Immunsystem integriert und durch physiologische Prozesse verarbeitet oder beseitigt.
  • Sie werden nicht durch Leberenzyme wie Cytochrom P450 verstoffwechselt.

Ausscheidung

  • Die Elimination unterscheidet sich von der klassischer Arzneimittel.
  • Die Zellen werden mit der Zeit auf natürliche Weise vom Immunsystem beseitigt, insbesondere durch das phagozytierende System.
  • Eine klassische Ausscheidung über Nieren oder Leber findet nicht statt.
  • Da es sich um ein Zellprodukt handelt, sind die klassischen Ausscheidungswege über Nieren und Galle nicht anwendbar.
  • Die im Verlauf aktivierten Zellen entfalten entweder ihre Wirkung oder werden durch das phagozytierende System auf natürliche Weise abgebaut.

Dosierungsintervall 

  • Provenge ist eine individuell hergestellte Krebsbehandlung auf Grundlage des Immunsystems.
  • Die Behandlung umfasst insgesamt 3 Dosen.
  • Jede Dosis wird im Abstand von durchschnittlich 2 Wochen, also etwa 14 Tagen, verabreicht.
  • Vor jeder Dosis werden dem Patienten mittels Leukapherese weiße Blutkörperchen (APC) entnommen.
  • Die gewonnenen Zellen werden im Labor mit einem spezifischen Tumorantigen (PAP) behandelt und aktiviert.
  • Die verarbeiteten Zellen werden dem Patienten 3 Tage später als intravenöse Infusion zurückgegeben.
  • Jede Infusion dauert etwa 60 Minuten (1 Stunde).
  • Dieser Prozess wird für jede Dosis 3-mal wiederholt und ist insgesamt nach ungefähr 1 Monat abgeschlossen.
  • Vor jeder Infusion wird dem Patienten Folgendes empfohlen:
    • Acetaminophen (Paracetamol) und

    • ein Antihistaminikum, beispielsweise Diphenhydramin, um infusionsbedingte Nebenwirkungen zu verringern.


Arzneimittelwechselwirkungen

  • Eindeutig bekannte Arzneimittelwechselwirkungen liegen nicht vor.
  • Es wird jedoch empfohlen, Chemotherapie und immunsuppressive Medikamente zu vermeiden, die die Immunantwort unterdrücken könnten.

Worauf geachtet werden muss

  • Individuelle Herstellung: Die Behandlung wird aus den eigenen Immunzellen des Patienten hergestellt und basiert auf dendritischen Zellen. Da die Zellen mittels Leukapherese entnommen werden, ist eine frühzeitige Planung erforderlich. Vor jeder Infusion müssen geeignete Zellen gewonnen und rechtzeitig verarbeitet werden.
  • Infusionsplan: Die Behandlung wird üblicherweise alle 2 Wochen mit insgesamt 3 Dosen verabreicht. Bei Abweichungen von 2-3 Tagen zwischen den Gaben kann die Behandlung als ungültig gelten. Der Zeitplan muss strikt eingehalten werden.
  • Vorbereitung auf Infusionsreaktionen: Schüttelfrost, Fieber und Kopfschmerzen treten häufig auf, meist innerhalb der ersten 24 Stunden. Antihistaminika oder fiebersenkende Mittel wie Paracetamol können vorab gegeben werden. Nach der Infusion müssen die Patienten eine Zeit lang beobachtet werden.
  • Herz-Kreislauf-Risiken: Selten können schwerwiegende Ereignisse wie Schlaganfall oder Lungenembolie auftreten. Ältere Patienten und Patienten mit Herz-Kreislauf-Erkrankungen sollten engmaschiger überwacht werden.
  • Kortikosteroide vermeiden: Da Steroide beziehungsweise Kortison die Immunantwort unterdrücken können, sollte ihre Anwendung während der Behandlung vermieden werden.
  • Aufklärung des Patienten: Dem Patienten muss klar erläutert werden, dass die Behandlung das Leben verlängern soll und keine Heilung zum Ziel hat. Über Nebenwirkungen und mögliche Reaktionen sollte vorab aufgeklärt werden.
  • Einschränkungen bei gleichzeitigen Behandlungen: Provenge darf nicht gleichzeitig mit Chemotherapie oder stark immunsuppressiven Medikamenten verabreicht werden. Vor der Behandlung müssen andere Medikamente unbedingt überprüft werden.

Nebenwirkungen

  • Schüttelfrost 50%
  • Fieber 29%
  • Kopfschmerzen 16%
  • Müdigkeit 16%
  • Rückenschmerzen 13%
  • Übelkeit 11%
  • Gelenkschmerzen 8%
  • Muskelschmerzen 8%
  • Schüttelfrost mit Hypotonie 7%
  • Schwindel 5%
  • Atemnot 4%
  • Allergische Reaktion 3%
  • Thromboembolische Ereignisse (tiefe Venenthrombose, Lungenembolie) 1-2%
  • Schlaganfall weniger als 1%
  • Lungenödem weniger als 1%
DROZDOGAN KI

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DROZDOGAN KI

Drozdogan-Assistent

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