Was ist Tepotinib (Tepmetko)? FDA-Zulassung, Zulassung in der Türkei und Erstattung

In diesem Artikel
- FDA-Zulassung: Ja, erstmals am 3. Februar 2021
- Handelsname: Tepmetko
- Wirkstoff: Tepotinib
- Anwendung: Orale Tablette, 1-mal täglich
- Wirkstoffklasse: MET-Tyrosinkinase-Inhibitor, MET-Hemmer
- Kategorie: Antineoplastische, zielgerichtete Therapie
- Hersteller: Merck KGaA, auf dem US-Markt EMD Serono
- Verfügbarkeit in der Türkei: In der Türkei noch nicht zugelassen.
- Zugelassene Krebsarten: Metastasierter nichtkleinzelliger Lungenkrebs (NSCLC) mit MET-Exon-14-Skipping-Mutation (METex14)
Was ist Tepotinib, und wie wirkt es?
Tepotinib ist ein oral eingenommener zielgerichteter MET-Tyrosinkinase-Inhibitor (TKI), insbesondere zur Behandlung von metastasiertem nichtkleinzelligem Lungenkrebs (NSCLC) mit MET-Exon-14-Skipping-Mutation (METex14). Solche Wirkstoffe binden an bestimmte molekulare Ziele, die das Wachstum von Tumorzellen steuern.
Wirkmechanismus
Das MET-Protein, auch Rezeptor für den Hepatozyten-Wachstumsfaktor, ist eine Rezeptortyrosinkinase mit Funktionen bei Zellwachstum, Überleben, Invasion und Metastasierung. Normalerweise reguliert es Signalwege. Bei einer MET-Exon-14-Skipping-Mutation wird sein Abbau verhindert; das MET-Signal bleibt dadurch dauerhaft aktiv.
Tepotinib bindet an die Tyrosinkinasedomäne dieses mutierten MET-Rezeptors und hemmt dessen Autophosphorylierung. So blockiert es intrazelluläre Signalketten und stoppt oder verringert Wachstum und Ausbreitung der Krebszellen.
Tepotinib kann somit:
- MET-vermittelte Signale unterdrücken,
- Die Vermehrung von Tumorzellen hemmen,
- Apoptose, den programmierten Zelltod, fördern,
- Die metastatische Ausbreitung verringern.
Zulassungsgeschichte der US-Arzneimittelbehörde FDA
15. Februar 2024: Die FDA erteilte Tepmetko (Tepotinib) eine reguläre Zulassung bei metastasiertem NSCLC.
3. Februar 2021: Die FDA ließ Tepmetko (Tepotinib) als ersten und einzigen einmal täglich oral eingenommenen MET-Hemmer bei metastasiertem NSCLC mit METex14-Skipping-Veränderungen zu.
25. August 2020: Die FDA nahm den Zulassungsantrag für Tepotinib bei metastasiertem NSCLC mit METex14-Skipping-Veränderungen an.
Zulassung in der Türkei
Das Medikament ist in der Türkei noch nicht zugelassen und nicht auf der TİCK-Liste für Auslandsmedikamente aufgeführt.
Resistenzmechanismen
Tepotinib blockiert die MET-Tyrosinkinase-Aktivität. Manche Krebszellen entwickeln jedoch erworbene Resistenzen, um diese Blockade zu umgehen. Wesentliche Mechanismen sind Veränderungen der Bindungsstelle und die Aktivierung von Umgehungssignalwegen:
- Sekundäre Mutationen im MET-Gen: Während der Behandlung können weitere MET-Mutationen die Struktur der Tyrosinkinasedomäne verändern. Tepotinib kann dann schlechter binden oder bleibt trotz Bindung unwirksam.
- MET-Genamplifikation: Manche Tumoren vermehren die MET-Genkopien. Dadurch entstehen so große Mengen MET-Protein und so starke Rezeptorsignale, dass Tepotinib sie nicht vollständig blockieren kann.
- Aktivierung alternativer Signalwege: Krebszellen können über EGFR, HER2, KRAS oder PI3K/AKT/mTOR weiter wachsen und sich vermehren. Eine MET-Hemmung allein genügt dann nicht.
- Phänotypischer Wandel: Veränderungen wie der epithelial-mesenchymale Übergang können die MET-Abhängigkeit reduzieren. Die Zellen vermehren sich dann unabhängig von der MET-Blockade.
Aufnahme
- Tepotinib wird nach oraler Einnahme gut aufgenommen.
- Die Bioverfügbarkeit nach einer Einzeldosis ist mit etwa 72 % hoch.
- Die Einnahme mit Nahrung, besonders einer fettreichen Mahlzeit, kann Aufnahme und Plasmakonzentration erhöhen.
- Die maximale Plasmakonzentration (Tmax) wird meist nach 6–8 Stunden erreicht.
Verteilung
- Tepotinib bindet zu mehr als 90 % an Plasmaproteine.
- Das hohe Verteilungsvolumen spricht für eine gute Gewebepenetration.
- Es reichert sich besonders in Tumorgebieten mit hoher MET-Expression an.
Stoffwechsel
- Der Abbau erfolgt vor allem in der Leber.
- Wesentlich beteiligt ist CYP3A4.
- Tepotinib ist außerdem ein P-gp-Substrat. Transportproteine beeinflussen somit seinen Transport in Zellen und aus Zellen heraus.
Ausscheidung
- Tepotinib wird überwiegend über Galle und Stuhl ausgeschieden.
- Etwa 45–50 % werden unverändert mit dem Stuhl ausgeschieden; der Anteil im Urin ist mit <10 % sehr gering.
- Die Eliminationshalbwertszeit (t½) beträgt ungefähr 32–40 Stunden, weshalb 1 Einnahme täglich ausreicht.
Dosierung
- Empfohlen werden einmal täglich 450 mg, entsprechend 2 Tabletten.
- Orale Einnahme 1-mal täglich, vorzugsweise mit einer Mahlzeit. Fettreiche Nahrung kann die Bioverfügbarkeit erhöhen.
- Tägliche regelmäßige Einnahme zur gleichen Uhrzeit ohne planmäßige Pausen.
- Bei Progression, nicht tolerierbarer Toxizität oder ärztlicher Entscheidung wird die Behandlung beendet.
Wechselwirkungen
CYP3A4-Inhibitoren
- Tepotinib wird in der Leber über CYP3A4 metabolisiert.
- Starke CYP3A4-Hemmer wie Ketoconazol, Itraconazol, Clarithromycin oder Grapefruitsaft können den Wirkstoffspiegel und das Nebenwirkungsrisiko erhöhen.
- Ist eine solche Kombination nötig, muss engmaschig überwacht werden.
CYP3A4-Induktoren
- Starke CYP3A4-Induktoren wie Rifampicin, Phenytoin, Carbamazepin oder Johanniskraut senken den Wirkstoffspiegel und können die Wirksamkeit vermindern.
- Starke Induktoren sollten möglichst vermieden oder ersetzt werden.
P-Glykoprotein-(P-gp-)Inhibitoren und -Induktoren
- Tepotinib ist ein P-gp-Substrat.
- P-gp-Hemmer wie Verapamil oder Ciclosporin können den Tepotinibspiegel erhöhen.
- P-gp-Induktoren wie Rifampicin können ihn senken.
Säurehemmende Medikamente
Tepotinib zeigt keine relevante Wechselwirkung mit dem Magen-pH. Unter Protonenpumpenhemmern (PPI) oder Antazida wurden daher keine wesentlichen Probleme beschrieben. Darin unterscheidet es sich von Gefitinib.
Weitere zielgerichtete Therapien
Bei Kombination mit anderen MET- oder EGFR-Hemmern oder intensiver Chemotherapie kann weniger eine pharmakokinetische Wechselwirkung als vielmehr eine kumulative Toxizität problematisch sein. Sorgfältige Planung ist erforderlich.
Besonders zu beachtende Situationen
MET-Mutation bestätigen: Die Wirksamkeit ist nur bei MET-Exon-14-Skipping-Mutation (METex14) nachgewiesen. Vor Beginn muss die Veränderung in einem akkreditierten Labor bestätigt werden.
Risiko einer interstitiellen Lungenerkrankung: Selten kann eine interstitielle Lungenerkrankung auftreten. Neuer oder zunehmender Husten, Atemnot oder Fieber müssen sofort abgeklärt werden; gegebenenfalls ist Tepotinib abzusetzen.
Ödeme und Flüssigkeitseinlagerung: Periphere Ödeme waren in klinischen Studien häufig. Bei geschwollenen Beinen oder Gewichtszunahme können eine Einnahmepause oder eine Ödembehandlung nötig sein.
Leberfunktionsstörung: Wegen des hepatischen Abbaus müssen ALT und AST regelmäßig kontrolliert werden. Deutliche Anstiege können eine Unterbrechung oder ein Absetzen erfordern.
Arzneimittelwechselwirkungen: Starke CYP3A4-Hemmer oder -Induktoren verändern den Tepotinibspiegel. Die Behandlung sollte ärztlich abgestimmt werden; natürliche CYP3A4-Hemmer wie Grapefruit sind zu vermeiden.
Schwangerschaft und Stillzeit: Wegen fetotoxischer Risiken nicht während einer Schwangerschaft anwenden. Wirksame Verhütung wird empfohlen. Während der Behandlung muss auf Stillen verzichtet werden.
Risiko einer QT-Verlängerung: Selten kann sich das QT-Intervall verlängern. Besonders bei Herzrhythmusstörungen können EKG-Kontrollen erforderlich sein.
Nebenwirkungen
- Periphere Ödeme an Füßen und Beinen: 63 %
- Hypoalbuminämie: 26 %
- Übelkeit: 21 %
- Durchfall: 20 %
- Fatigue: 14 %
- Erhöhtes Kreatinin: 13 %
- Erbrechen: 12 %
- Erhöhte ALT: 11 %
- Erhöhte AST: 10 %
- Anämie: 9 %
- Juckreiz: 8 %
- Hautausschlag: 7 %
- Interstitielle Lungenerkrankung (ILD): 4 %
- QT-Verlängerung: selten, Häufigkeit je nach Studie unterschiedlich
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