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Prof. Dr. Mustafa Özdoğan · Facharzt für medizinische Onkologie
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Was ist Zöliakie? Symptome und Behandlungsmöglichkeiten

Was ist Zöliakie? Symptome und Behandlungsmöglichkeiten
In diesem Artikel

Zöliakie ist eine chronische Erkrankung des Verdauungssystems, die durch eine ungewöhnliche Immunreaktion auf das in Getreide wie Weizen, Gerste oder Roggen enthaltene Gluten entsteht. Das Immunsystem nimmt dieses Protein als schädlich wahr und greift den Dünndarm an. Dadurch wird die Nährstoffaufnahme gestört, und verschiedene Gesundheitsprobleme können auftreten. Zöliakie ist mit einer genetischen Veranlagung verbunden und kann vom Säuglings- bis zum Erwachsenenalter auftreten. Die Behandlung besteht in einem lebenslangen glutenfreien Leben .

Was ist Zöliakie und wie entsteht sie?

Zöliakie wird umgangssprachlich auch als Glutenintoleranz oder Glutenallergie bezeichnet. Tatsächlich handelt es sich um eine Autoimmunerkrankung, bei der das Immunsystem körpereigenes Gewebe angreift. Nach dem Verzehr glutenhaltiger Speisen wie Brot oder Nudeln aus Weizenmehl betrachtet das Immunsystem Gluten als Feind. Durch diesen Angriff werden die kleinen, Zotten genannten Ausstülpungen der Dünndarmschleimhaut geschädigt, die normalerweise Nährstoffe aufnehmen. Mit der Zeit flacht die Oberfläche ab; Vitamine, Mineralstoffe und andere Nährstoffe werden nicht mehr ausreichend aufgenommen.

Bei der Entstehung der Zöliakie spielt eine erbliche Veranlagung eine wichtige Rolle. Menschen mit Zöliakie oder ähnlichen Autoimmunerkrankungen in der Familie sind häufiger betroffen. Der erste Auslöser kann jedoch individuell verschieden sein. So können Schwangerschaft, Geburt, starker Stress, Operationen oder überstandene Infektionen die Beschwerden auslösen. Zöliakie ist nicht ansteckend und wird nicht von Mensch zu Mensch übertragen. Ohne Diagnose und Verzicht auf Gluten ist sie jedoch eine lebenslang bestehende Erkrankung.

Symptome der Zöliakie

Die Beschwerden unterscheiden sich individuell und sind nicht bei allen gleich stark. Bei manchen werden sie bereits in der Kindheit deutlich, bei anderen erst im Erwachsenenalter. Am häufigsten betreffen sie den Verdauungstrakt; durch die gestörte Nährstoffaufnahme können jedoch auch andere Organsysteme betroffen sein. Zu den häufigen Symptomen der Zöliakie zählen:

  • Verdauungsprobleme: Chronischer, also lang anhaltender Durchfall, zeitweise Verstopfung, Blähungen und ein aufgeblähter Bauch, häufige Bauchschmerzen sowie Übelkeit oder Erbrechen.
  • Gewichts- und Entwicklungsprobleme: Unerklärlicher Gewichtsverlust; bei Kindern unzureichende Gewichtszunahme, Wachstumsverzögerung und Kleinwuchs. Bei Säuglingen und Kleinkindern können ein aufgeblähter Bauch und eine gegenüber Gleichaltrigen verzögerte Entwicklung wichtige Hinweise sein.
  • Blutarmut und Erschöpfung: Eine Eisenmangelanämie kann anhaltende Schwäche, Erschöpfung, Blässe und Schwindel verursachen. Die Blutarmut entsteht durch die gestörte Eisenaufnahme im Darm.
  • Knochen- und Gelenkbeschwerden: Durch die gestörte Aufnahme kann ein Mangel an Calcium und Vitamin D entstehen. Daraus können Knochenschmerzen, Gelenkschmerzen oder später eine Osteoporose (Knochenschwund) folgen.
  • Hautveränderungen und weitere Symptome: Bei manchen Betroffenen treten Hautausschläge und juckende Bläschen auf, insbesondere ein als Dermatitis herpetiformis bezeichneter Ausschlag. Auch wiederkehrende Aphthen, Zahnschmelzveränderungen oder erhöhte Leberenzyme können mit Zöliakie verbunden sein.

Das breite Spektrum möglicher Beschwerden kann dazu führen, dass Zöliakie mit anderen Erkrankungen verwechselt oder spät erkannt wird. Manche Betroffene glauben beispielsweise jahrelang, an einem Reizdarmsyndrom (IBS) oder einer anderen Verdauungsstörung zu leiden. Bestehen die genannten Beschwerden länger und besonders im Zusammenhang mit glutenhaltigen Lebensmitteln, sollte an Zöliakie gedacht und ärztlicher Rat eingeholt werden.

Diagnoseverfahren bei Zöliakie

Für die Diagnose werden verschiedene Tests und Untersuchungen eingesetzt. Bei Verdacht erfolgen zunächst bestimmte Blutuntersuchungen . Dabei wird nach Antikörpern gesucht, die der Körper gegen Gluten bildet. Am häufigsten wird der IgA-Antikörpertest gegen Gewebstransglutaminase (Anti-tTG) eingesetzt. Ergänzend können Anti-Endomysium- Antikörper und das Gesamt-IgA bestimmt werden. Erhöhte Antikörperwerte verstärken den Zöliakieverdacht.

Bei positiven oder stark verdächtigen Blutbefunden können zur Sicherung der Diagnose Endoskopie und Biopsie erforderlich sein. Bei der gastroenterologisch durchgeführten oberen Endoskopie werden aus dem ersten Dünndarmabschnitt, dem Zwölffingerdarm beziehungsweise Duodenum, kleine Gewebeproben (Biopsien) entnommen. Veränderungen der Zotten und Entzündungszeichen in diesen Proben bestätigen die Diagnose. Die Biopsie ist der Goldstandard zur diagnostischen Klärung.

Wurde bereits einige Zeit glutenfrei gegessen, können Blutuntersuchung und Biopsie irreführend unauffällig ausfallen. Deshalb ist es wichtig, vor Abschluss der Diagnostik keine glutenfreie Ernährung zu beginnen . Bei Bedarf können Gentests auch das Vorliegen von HLA DQ2/DQ8 prüfen. Dies liefert vor allem in schwierigen Fällen ergänzende Informationen. Eine genetische Veranlagung macht Zöliakie möglich, beweist allein aber keine Erkrankung.

Nach der Diagnose wird ein individueller Behandlungs- und Kontrollplan erstellt. Die Diagnose wird meist von Fachleuten der Gastroenterologie oder der Inneren Medizin gestellt. Bei Kindern können Fachleute der pädiatrischen Gastroenterologie die Diagnostik übernehmen.

Was bedeutet glutenfrei leben und warum ist es wichtig?

Glutenfrei zu leben bedeutet, vollständig auf alle glutenhaltigen Speisen und Getränke zu verzichten, und bildet die Grundlage der Zöliakiebehandlung. Im Mittelpunkt steht die glutenfreie Ernährung . Weizen, Gerste, Roggen und sämtliche daraus hergestellten Lebensmittel werden vom Speiseplan gestrichen. Dies betrifft nicht nur offensichtliche Mehlprodukte wie Brot oder Nudeln, sondern auch verarbeitete Lebensmittel mit verborgenem Gluten. Selbst Fertigsuppen, Soßen, verarbeitete Fleischwaren wie Würstchen, manche Süßigkeiten oder Chips können Gluten enthalten. Deshalb müssen Betroffene bei jedem Produkt das Etikett sorgfältig lesen und auf die Kennzeichnung „glutenfrei“ achten.

Für Menschen mit Zöliakie ist ein glutenfreies Leben entscheidend, denn es ist die einzige wirksame Behandlung. Damit Darmschäden abheilen und Beschwerden verschwinden, muss vollständig auf Gluten verzichtet werden. Schon kleine Mengen können die Immunreaktion erneut auslösen und den Darm wieder schädigen. Dadurch können Beschwerden anhalten und langfristig ernste Komplikationen wie Osteoporose, Unfruchtbarkeit oder ein Dünndarmlymphom entstehen. Nach dem Beginn einer glutenfreien Ernährung bessern sich die Beschwerden meist innerhalb weniger Wochen; der Dünndarm beginnt sich innerhalb einiger Monate zu erholen. Damit die Besserung dauerhaft bleibt, muss die Ernährung jedoch lebenslang beibehalten werden.

Auch wenn die Umstellung zunächst schwierig wirkt, gibt es heute viele Produkte und Möglichkeiten, die sie erleichtern. Im Handel sind glutenfreie Mehle, Brote, Nudeln und Kekse erhältlich. Außerdem gibt es zahlreiche von Natur aus glutenfreie Lebensmittel , mit denen sich eine gesunde Ernährung gestalten lässt. Die folgende Tabelle stellt wichtige glutenhaltige Lebensmittel und glutenfreie Alternativen gegenüber:

Glutenhaltige Lebensmittel Glutenfreie Alternativen
Getreide und Mehle aus Weizen, Gerste oder Roggen, beispielsweise Weißmehl, Weizenvollkornmehl, Bulgur und Grieß Mehle und Getreide aus Reis, Mais, Kartoffeln, Buchweizen, Quinoa und Hafer* mit glutenfreier Kennzeichnung
Mehlprodukte wie Brot, Sesamringe, Nudeln, herzhafte Teigtaschen, Kuchen, Kekse und Gebäck Aus glutenfreiem Mehl hergestellte Brote, Kuchen und Kekse; Maisbrot; Reis- oder Maisnudeln
Verarbeitete Lebensmittel wie Fertigsuppen, Soßen, Paniermischungen, Frühstücksflocken, Kekse oder Bier aus Gerstenmalz Selbst zubereitete Suppen und Soßen, mit Stärke statt Mehl gebunden, Maisflocken mit glutenfreier Kennzeichnung, Puffreis, glutenfreies Bier oder fermentierte Getränke

Hafer ist von Natur aus glutenfrei, kann jedoch durch Kontakt mit anderem Getreide verunreinigt sein. Deshalb sollten ausschließlich ausdrücklich als glutenfrei gekennzeichnete Haferprodukte gewählt werden.

Mit natürlichen, frischen Lebensmitteln wie Fleisch, Fisch, Gemüse, Obst, Hülsenfrüchten, Eiern und Milch lässt sich ein abwechslungsreicher Speiseplan gestalten. Entscheidend ist, glutenhaltige Lebensmittel durch nährstoffreiche Alternativen zu ersetzen und ausgewogen zu essen. Auch viele Restaurants bieten inzwischen glutenfreie Gerichte an. Andernfalls können Sie sich vor der Bestellung nach den Zutaten erkundigen und entsprechend wählen.

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Behandlung der Zöliakie und wichtige Hinweise für den Alltag

Die einzige bekannte Behandlung der Zöliakie ist eine lebenslang konsequent eingehaltene glutenfreie Ernährung . Derzeit gibt es kein Medikament, das die Immunreaktion auf Gluten vollständig beseitigt. Bei Einhaltung der Ernährung verschwinden bei den meisten Betroffenen die Beschwerden und der Darm heilt. Ziel ist sowohl die Linderung vorhandener Symptome als auch die Vermeidung von Nährstoffmangel und langfristigen Komplikationen.

Neben der glutenfreien Ernährung können unterstützende Behandlungen und Vorsichtsmaßnahmen nötig sein. Werden bei der Diagnose beispielsweise Eisen-, Calcium-, Vitamin-D- oder Vitamin-B12-Mangel festgestellt, können geeignete Vitamin- und Mineralstoffergänzungen empfohlen werden. Zu Beginn kann bis zur Erholung des Darms auch vorübergehend eine laktosefreie Ernährung sinnvoll sein, da die geschädigte Dünndarmschleimhaut eine Laktoseintoleranz verursachen kann. Bei sehr starken Beschwerden oder Dermatitis herpetiformis können kurzfristig Medikamente eingesetzt werden. Sie lindern jedoch nur die Symptome; die entscheidende Behandlung bleibt das strikte Einhalten der Ernährung.

Im Alltag sind einige Punkte zu beachten. Sie verbessern die Wirksamkeit der Ernährung und helfen, eine unbeabsichtigte Glutenaufnahme zu verhindern:

  • Etiketten regelmäßig lesen: Lesen Sie bei verpackten Lebensmitteln grundsätzlich die Zutatenliste. Achten Sie auf „glutenfrei“ und meiden Sie Produkte mit Weizenmehl, Gerstenmalz oder Roggen. Manche Lebensmittel enthalten auch ohne offensichtliche Getreidezutaten Mehlbestandteile als Verdickungsmittel.
  • Kreuzkontamination vermeiden: Glutenfreie Lebensmittel dürfen nicht mit glutenhaltigen in Kontakt kommen. In der Küche besteht etwa bei Brotschneidebrettern, Frittieröl oder Toastern ein Kontaminationsrisiko. Glutenfreies Brot sollte beispielsweise nicht in einem Toaster geröstet werden, in dem normales Brot liegt. Wenn möglich, sind getrennte Küchenutensilien eine sinnvolle Vorsichtsmaßnahme.
  • Außer Haus essen: Fragen Sie im Restaurant oder bei Einladungen ohne Scheu nach den Zutaten. Selbst vermeintlich glutenfreie Gerichte können Mehl in Soßen oder Marinaden enthalten. Deshalb sollten Sie Bedienung oder Küchenpersonal fragen, ob das Gericht vollständig glutenfrei zubereitet wurde. Bei Bedarf können Sie Zöliakie kurz erklären und auf die notwendigen Vorsichtsmaßnahmen hinweisen.
  • Arzneimittel und andere Produkte: Manche Medikamente oder Vitaminpräparate enthalten Weizenstärke als Füllstoff. Fragen Sie in der Apotheke, ob Ihre Medikamente glutenfrei sind. Auch bei Produkten mit Mundkontakt wie Lippenbalsam und Zahnpasta sowie selbst bei Kosmetika sollten möglichst glutenfreie Varianten gewählt werden. Auf die Haut aufgetragene Produkte beeinflussen den Verdauungstrakt zwar nicht unmittelbar, kleine Kinder können solche Stoffe jedoch in den Mund nehmen.
  • Soziale und psychologische Unterstützung: Da das Leben mit Zöliakie anfangs schwierig sein kann, ist die Zusammenarbeit mit einer Ernährungsfachkraft sehr hilfreich. Sie unterstützt einen ausgewogenen und schmackhaften glutenfreien Speiseplan. Auch der Austausch mit anderen Betroffenen, etwa in Zöliakieverbänden oder Onlinegruppen, bietet Ermutigung und praktische Informationen. Die Schulung von Angehörigen und besonders der Eltern betroffener Kinder hilft, den glutenfreien Alltag zu Hause zu organisieren.

Die Behandlung der Zöliakie hängt somit wesentlich von der Gestaltung des eigenen Alltags ab. Eine konsequente Ernährung und ein bewusster Umgang ermöglichen ein gesundes Leben. Bei strikter Einhaltung können Betroffene ebenso aktiv und normal leben wie andere Menschen. Die anfangs kompliziert wirkende Umstellung wird mit der Zeit zur Routine. Ein glutenfreies Leben sollte nicht als Einschränkung, sondern als notwendige Veränderung für die Gesundheit verstanden werden.

Fazit

Mit richtiger Diagnose und Ernährung lässt sich Zöliakie kontrollieren. Wer früh diagnostiziert wird und glutenfrei isst, erholt sich meist innerhalb einiger Monate und fühlt sich energiegeladener. Wenn Sie bei sich oder Ihrem Kind entsprechende Beschwerden vermuten, suchen Sie eine medizinische Einrichtung auf und lassen Sie die erforderlichen Tests durchführen. Mit geeigneter Behandlung und Anpassungen des Lebensstils ist ein gesundes Leben mit Zöliakie möglich.

DROZDOGAN KI

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Drozdogan-Assistent

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