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Prof. Dr. Mustafa Özdoğan · Facharzt für medizinische Onkologie
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Welche Methode ist für die Prostatabiopsie am besten?

Welche Methode ist für die Prostatabiopsie am besten?
In diesem Artikel

Die Wahl der Biopsiemethode zur Diagnose von Prostatakrebs ist für Ärzte und Patienten eine wichtige Entscheidung. Die herkömmliche transrektale (TR) Prostatabiopsie wird seit vielen Jahren eingesetzt. In jüngerer Zeit hat jedoch die transperineale (TP) Biopsie durch erhebliche Sicherheitsvorteile Aufmerksamkeit erregt.

  • Transrektale Biopsie (TR): Bei dieser Methode wird eine Nadel durch das hinter der Prostata liegende Rektum eingeführt. Durch den Enddarm hindurch werden Prostatagewebeproben entnommen, wobei ein Infektionsrisiko besteht.
  • Transperineale Biopsie (TP): Hier wird die Nadel statt durch das Rektum durch das Perineum, also den Bereich zwischen After und Geschlechtsorgan, zur Prostata geführt. Dadurch ist das Infektionsrisiko deutlich niedriger und das Verfahren sicherer.

Eine am 19. September 2024 in JAMA Oncology veröffentlichte multizentrische, randomisierte Studie verlieh der Diskussion eine neue Dimension: Sie zeigte, dass transperineale Biopsien gegenüber der transrektalen Methode sicherer sind und das Infektionsrisiko auf null senken. Die Ergebnisse deuten darauf hin, dass TP als neuer Standard bei Prostatabiopsien übernommen werden sollte.

Die transperineale Methode senkt das Infektionsrisiko auf null

Den Studienergebnissen zufolge traten nach TP-Biopsien keine Infektionen auf, während in der TR-Gruppe bei 1,6% eine Infektion festgestellt wurde. Dieser Unterschied ist bemerkenswert, da für TR-Biopsien zuvor Infektionsrisiken zwischen 5% und 7% berichtet worden waren. Studienleiter Dr. James Hu erklärt, dass TP-Biopsien ein Infektionsrisiko von null bieten und damit Infektionen ohne Antibiotika verhindert werden könnten. Dies ist ein großer Vorteil für den verantwortungsvollen Antibiotikaeinsatz, eine wichtige Strategie zur Eindämmung antibiotikaresistenter Bakterien.

Bei der TP-Biopsie wird die Nadel durch das Perineum, den Bereich zwischen After und Hodensack, eingeführt. Das beeinflusst das Infektionsrisiko unmittelbar: Bei einer TR-Biopsie passiert die Nadel das Rektum, bevor sie die Prostata erreicht. Dabei können Bakterien aus diesem Bereich in die Umgebung der Prostata verschleppt werden. Die TP-Methode vermeidet dieses Risiko vollständig und ermöglicht einen sterileren Zugang zum Prostatagewebe.

Einzelheiten der klinischen Studie: Vergleich mit der TR-Biopsie

Die Studie umfasste eine große Stichprobe von 742 Patienten mit Verdacht auf Prostatakrebs. Sie wurden einer TP-Biopsie ohne Antibiotika oder einer TR-Biopsie mit Antibiotikabehandlung zugeteilt. In keiner der beiden Gruppen trat eine Sepsis auf. Die Infektionen in der TR-Gruppe wurden überwiegend als Harnwegsinfektionen eingestuft und führten nicht zu schweren Komplikationen. Die Studie hebt jedoch hervor, dass die TP-Biopsie das Infektionsrisiko vollständig beseitigte.

Krebsnachweis: Kein Unterschied zwischen TP und TR

Ein besonders bemerkenswerter Befund waren die Krebsnachweisraten. Hochgradiger Prostatakrebs wurde bei TP-Biopsien in 55% und in der TR-Gruppe in 52% nachgewiesen. Der Unterschied war statistisch nicht signifikant (Differenz: 2,9%; P = 0,40). Dies zeigt, dass die TP-Biopsie neben ihren Sicherheitsvorteilen beim Krebsnachweis ebenso wirksam ist wie die TR-Methode.

Wir wissen, dass TP-Biopsien insbesondere klinisch relevante Tumoren im anterioren Bereich, also vorne, und im Apex, der Spitze der Prostata, erfolgreicher erfassen. Während TR-Biopsien manche Tumoren in diesen Bereichen übersehen können, erreicht die TP-Biopsie einen größeren Bereich.

TP-Biopsie: Ein Verfahren, das breitere Anwendung finden sollte

Die Europäische Gesellschaft für Urologie empfiehlt die TP-Biopsie bereits. Die Amerikanische Gesellschaft für Urologie und das National Comprehensive Cancer Network (NCCN) gewichten weiterhin beide Verfahren gleich. Die Vorteile der TP-Biopsie, etwa der infektionsfreie Ablauf ohne Antibiotika, sprechen jedoch für ihre breitere Einführung.

Fazit: Entsteht ein neuer Standard?

Die Überlegenheit der TP-Biopsie hinsichtlich des Infektionsrisikos deutet auf den Beginn einer neuen Ära der Prostatabiopsie hin. Diese Methode, die auch zur Lösung globaler Gesundheitsprobleme wie der Antibiotikaresistenz beitragen könnte, liefert sowohl bei der Sicherheit als auch beim Krebsnachweis wirksame Ergebnisse. Angesichts dieser Befunde wäre ihre weltweite Etablierung als Standard ein wichtiger Schritt, um das Infektionsrisiko künftig zu minimieren und die Qualität der Gesundheitsversorgung zu verbessern.

Quellen

1. Hu JC, Assel M, Allaf ME, et al. Transperineal vs Transrectal Prostate Biopsy—The PREVENT Randomized Clinical Trial. JAMA Oncol. Online veröffentlicht am 19. September 2024. doi:10.1001/jamaoncol.2024.4000

2. Transperineal Biopsies Show Superior Safety Over Transrectal Method - Medscape - September 19, 2024.
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