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Prof. Dr. Mustafa Özdoğan · Facharzt für medizinische Onkologie

Welche Ursachen hat Mundtrockenheit bei Krebs und wie wird sie behandelt?

Welche Ursachen hat Mundtrockenheit bei Krebs und wie wird sie behandelt?
In diesem Artikel

Was ist Mundtrockenheit, medizinisch Xerostomie?

Xerostomie ist eine Empfindung, die bei Störungen der Speichelsekretion entsteht. Der starke Speichelmangel verursacht nicht nur ein unangenehmes Gefühl, sondern beeinträchtigt auch das Schlucken sowie Mund- und Zahngesundheit.

Wo, wie und warum wird Speichel gebildet?

Im Mund befinden sich Speicheldrüsen im Wangenbereich sowie unter Unterkiefer und Zunge. Sie produzieren täglich ungefähr 1500 ml Speichel. Dieser enthält das Verdauungsenzym Amylase, die zur Abwehr gehörenden Immunglobuline und Lysozym sowie wie alle Körpersekrete angemessene Mengen Elektrolyte, organische Verbindungen und Wasser. Durch Nervenreize werden über den Tag 1-1,5 Liter gebildet, die über Ausführungsgänge fortlaufend in den Mund fließen.

Die Aufgaben des Speichels zusammengefasst

  • Bei der Verdauung befeuchtet und erweicht er Nahrung, erleichtert das Schlucken und beginnt durch Amylase den Abbau aufgenommener Kohlenhydrate.
  • Lysozym und Immunglobuline vernichten schädliche, über den Mund aufgenommene Mikroorganismen.
  • Er hält die Geschmacksknospen auf der Zunge feucht und erhält dadurch das Geschmacksempfinden.
  • Die täglich ausgeschiedenen 1-1,5 Liter Speichel schützen durch ihre Spülwirkung wesentlich die Gesundheit von Zähnen und Zahnfleisch.

Bei verminderter Speichelbildung kehren sich diese Vorteile um: Schluckstörungen, ein gegen Keime ungeschützter Mundraum, Geschmacksstörungen und Schwierigkeiten beim Sprechen entstehen. Mundtrockenheit kann leicht sein oder starkes Brennen und Unbehagen verursachen. Dieses unangenehme Gefühl kann für Patienten zeitweise die wichtigste Beschwerde darstellen.

Was stört bei Krebspatienten die Speichelbildung?

Zahlreiche Krankheiten und Zustände verursachen Mundtrockenheit. Bei Krebspatienten sind die wahrscheinlichsten Ursachen:

  • Medikamente wie Chemotherapeutika, Schmerzmittel, Antidepressiva und harntreibende Mittel.
  • Bestrahlung im Kopf-Hals-Bereich.
  • Flüssigkeitsmangel während der Krebsbehandlung oder Pilzinfektionen im Mund.

Strahlentherapie ist als Ursache oft schwieriger zu behandeln als andere Auslöser der Mundtrockenheit, die sich häufig beseitigen lassen. Gerade bei Kopf-Hals-Krebs kann Bestrahlung die einzige Behandlungsoption sein; dadurch wird die Lösung dieses Problems schwieriger. Die Stärke hängt von der Strahlendosis ab. Hohe Dosen können chronische Beschwerden verursachen, und zusätzliche Chemotherapie kann sie verstärken.

Behandlungsmöglichkeiten bei Mundtrockenheit von Krebspatienten

  • Medikamente: Pilocarpin wirkt auf die Nerven, die Speicheldrüsen zur Sekretion anregen. Amifostinhaltige Medikamente können Häufigkeit und Stärke strahlenbedingter Mundtrockenheit mindern. Ohne Verordnung oder ärztliche Empfehlung sind diese Mittel nicht anzuwenden.
  • Künstliche Speichelpräparate und Gele: Hierfür gibt es verschiedene Produkte, die Ärzte und Zahnärzte empfehlen.
  • Zur Steigerung der Speichelsekretion kann Kaugummi- Kauen wirksam sein.
  • Akupunktur: Studien zeigen Wirksamkeit gegen Mundtrockenheit; die Behandlung erfolgt in erfahrenen Akupunkturzentren.

Neben diesen Behandlungen gibt es verschiedene Vorsichtsmaßnahmen und Ernährungsempfehlungen:

  • Vor einer Strahlentherapie sollten Patienten möglichst zahnärztlich untersucht und gesundheitsgefährdende Zahn- und Zahnfleischprobleme behoben werden.
  • Die Zähne regelmäßig täglich 3 Mal putzen und Zahnseide verwenden. Mit Salz- oder Natronwasser 4-6 Mal täglich den Mund spülen. Eine Fluoridbehandlung der Zähne sollte erfolgen. 
  • Kühler Wasserdampf kann besonders nachts hilfreich sein.
  • Häufig kleine Schlucke Wasser zu trinken ist eine unvermeidlich genutzte Hilfsmethode. 
  • Alkohol, Koffein, saure Fruchtsäfte sowie sehr süße, klebrige oder im Mund brennend scharfe Lebensmittel sollten vermieden werden.
  • Bevorzugt werden sollten weiche, feuchte Lebensmittel bei Raumtemperatur oder kühl. 
  • Tabakprodukte sollten nicht verwendet werden.

Quellen

1. Sarika Hanchanale, Lucy Adkinson, Sunitha Daniel et. al.
Systematic literature review: xerostomia in advanced cancer patients.
Support Care Cancer (2015)

2. Bhide, S. A., Miah, A. B., Harrington, K. J. et al.
Radiation-induced xerostomia: Pathophysiology, prevention and treatment.
Clinical Oncology (2009)

3. R. Simcock L. Fallowfield K. Monson et. al.
ARIX: A randomised trial of acupuncture v oral care sessions in patients with chronic xerostomia following treatment of head and neck cancer.
Ann Oncol (2012) 24 (3): 776-783.
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