WHO-Impfprogramm rettete 150 Millionen Menschen und 10 Milliarden Lebensjahre

In diesem Artikel
Die Weltgesundheitsorganisation (WHO) startete 1974 das „Erweiterte Impfprogramm – Expanded Programme on Immunization (EPI)“, um lebensrettende Impfstoffe weltweit allen Menschen zugänglich zu machen.
Zum 50. Jubiläum des EPI wurde am 2. Mai 2024 in THE LANCET eine Analyse veröffentlicht, die den weltweiten Einfluss der Impfungen auf die öffentliche Gesundheit seit Beginn des Programms bestimmen sollte.
Wie wirken Impfungen und wie schützen sie vor Krankheiten?
Impfstoffe trainieren unser Immunsystem, bestimmte Krankheitserreger abzuwehren. Sie sind biologische Präparate und enthalten geringe Mengen abgeschwächter oder inaktivierter Erreger oder deren Proteine. Diese Stoffe regen das Immunsystem zur Bildung von Antikörpern gegen den Erreger an. Bei einem erneuten Kontakt erkennt und beseitigt das Immunsystem ihn rasch und wirksam und verhindert dadurch die Erkrankung.
Einzelheiten der Untersuchung
Mit verschiedenen mathematischen und statistischen Modellen schätzten die Forschenden die weltweiten und regionalen Gesundheitseffekte von 50 Jahren Impfungen gegen die 14 vom EPI erfassten Erreger.
Die 14 Erreger waren:
- Das Bakterium Corynebacterium diphtheriae – Diphtherie
- Das Bakterium Haemophilus influenzae Typ B – Meningitis und andere invasive Infektionen
- Hepatitis-B-Virus – Hepatitis B
- Japanisches-Enzephalitis-Virus – Japanische Enzephalitis
- Masernvirus – Masern
- Das Bakterium Neisseria meningitidis A – Meningitis A
- Das Bakterium Bordetella pertussis – Keuchhusten
- Das Bakterium Streptococcus pneumoniae – Invasive Pneumokokkenerkrankung
- Poliovirus – Kinderlähmung (Poliomyelitis)
- Rotavirus – Rotavirusinfektionen
- Rötelnvirus – Röteln
- Das Bakterium Clostridium tetani – Tetanus
- Das Bakterium Mycobacterium tuberculosis – Tuberkulose
- Gelbfiebervirus – Gelbfieber
Berücksichtigt wurde die Abdeckung aller Routine- und ergänzenden Impfungen gegen die modellierten Erreger seit 1974. Gegenüber einem hypothetischen Verlauf ohne frühere Impfungen wurden für jede Altersgruppe vermiedene Sterblichkeit und Krankheitshäufigkeit geschätzt. Anschließend wurde bestimmt, welchen Beitrag Impfungen zum weltweiten Rückgang der Säuglings- und Kindersterblichkeit in diesem Zeitraum leisteten.
150 Millionen Todesfälle verhindert
Das WHO-Impfprogramm EPI verhinderte seit 1974 insgesamt 154 Millionen Todesfälle;
- 146 Millionen betrafen Kinder unter 5 Jahren,
- 101 Millionen Säuglinge unter 1 Jahr.
Gewinn von 10 Milliarden Lebensjahren
Je verhindertem Todesfall wurden durchschnittlich 66 Jahre in voller Gesundheit gewonnen. Das entspricht 10,2 Milliarden Jahren in voller Gesundheit als insgesamt gewonnenem Gesundheitszeitraum.
Damit wird deutlich, dass Impfprogramme nicht nur die Sterblichkeit senken, sondern auch zu einem längeren und gesünderen Leben beitragen. Im Einzelnen:
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Durchschnittlich 66 Jahre in voller Gesundheit je verhindertem Todesfall:
- Die Untersuchung schätzt, dass jeder durch Impfungen verhinderte Todesfall die durchschnittliche Lebensdauer einer Person um 66 Jahre verlängert. Impfungen retten damit nicht nur Leben, sondern ermöglichen auch ein langes und gesundes Leben.
- „Volle Gesundheit“ bezeichnet gesund und ohne Krankheit verbrachte Jahre.
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Dies entspricht 10,2 Milliarden gewonnenen Jahren in voller Gesundheit:
- Nach der Studie wurden durch Impfungen insgesamt 154 Millionen Leben gerettet. Multipliziert mit durchschnittlich 66 gesunden Lebensjahren je gerettetem Leben ergibt sich: 154 Millionen Leben x 66 Jahre = 10,2 Milliarden Jahre in voller Gesundheit.
- Die Rechnung zeigt den enormen Beitrag der Impfprogramme zur globalen Gesundheit: Sie retten Leben und ermöglichen zugleich ein längeres, gesünderes Leben.
Unverzichtbar für die Gesundheit von Säuglingen
Die Forschenden schreiben Impfungen 40% des weltweiten Rückgangs der Säuglingssterblichkeit zu, in der afrikanischen Region 52%. Im Jahr 2024 ist die Wahrscheinlichkeit eines Kindes unter 10 Jahren, den nächsten Geburtstag zu erleben, gegenüber einem hypothetischen Verlauf ohne frühere Impfungen um 40% höher. Dieser Überlebensvorteil zeigt sich bis in höhere Altersgruppen.
Seit 1974 wurden nach Ansicht der Autoren in allen Weltregionen erhebliche Fortschritte beim Überleben von Kindern erzielt. Dem EPI wird in den letzten 50 Jahren der größte Beitrag zur Verbesserung des Säuglingsüberlebens zugeschrieben. Im Rahmen einer gestärkten primären Gesundheitsversorgung zeigen die Ergebnisse, wie wichtig ein gerechter allgemeiner Zugang zu Impfungen ist, um Gesundheitsgewinne zu erhalten und auch künftig Leben vor vermeidbaren tödlichen Infektionen zu bewahren.

Quellen
2. Edzard Ernst. (2024). The contribution of 50 years of vaccination: 10·2 billion years of full health gained. https://edzardernst.com/2024/05/the-contribution-of-50-years-of-vaccination-10·2-billion-years-of-full-health-gained/
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