Wie hoch ist das Risiko einer zweiten Krebserkrankung bei frühem Lungenkrebs?

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Mit der zunehmenden Nutzung von Früherkennungsverfahren wird Lungenkrebs bei mehr Patienten bereits in frühen Stadien diagnostiziert, in denen Behandlungen erfolgreicher sind. Operative Eingriffe spielen bei der Behandlung von frühem Lungenkrebs eine wichtige Rolle. Insbesondere Lungenkrebs im Stadium T1aN0 ist dabei von entscheidender Bedeutung. Nach der 8. Ausgabe der Tumor-Lymphknoten-Metastasen-Klassifikation (TNM) handelt es sich hierbei um Tumoren unter 1 cm , die sich weder in Lymphknoten noch in andere Organe ausgebreitet haben. Zur Behandlung kommen eine Lobektomie (Lappenresektion) oder ein kleinerer Eingriff, die sublobäre Resektion (Teilentfernung eines Lungenlappens), infrage. Es stellt sich jedoch die Frage, wie jede dieser Methoden das Risiko eines zweiten primären Lungenkarzinoms beeinflusst.
Ein zweites primäres Lungenkarzinom ist eine neue, unabhängige Krebserkrankung bei einem Patienten, bei dem bereits zuvor ein anderes Lungenkarzinom diagnostiziert wurde. Der neue Krebs kann sich genetisch und histologisch vom vorherigen unterscheiden und in derselben oder in der anderen Lunge entstehen. Ein zweites primäres Lungenkarzinom kann nach der Behandlung des ersten auftreten und einen anderen Therapieansatz erfordern.
Lungenkrebs im Stadium T1aN0 und seine Behandlung
Lungenkrebs im Stadium T1aN0 wird meist bei der Früherkennung mittels Niedrigdosis-Computertomografie diagnostiziert und kann durch eine Operation erfolgreich behandelt werden. Entscheidend ist in diesem Stadium die Wahl des für den Patienten geeignetsten Operationsverfahrens unter Berücksichtigung der Tumorgröße und -ausbreitung. Lobektomie und sublobäre Resektion sind die beiden häufig gewählten Hauptverfahren. Wie diese Eingriffe das Risiko eines zweiten primären Lungenkarzinoms beeinflussen, steht jedoch im Mittelpunkt entsprechender Forschungsarbeiten.
Bemerkenswerte Ergebnisse der Studie
Journal of Clinical Oncology veröffentlichte diese von Dr. Thomas Stinchcombe und seinen Kollegen berichtete Studie. Sie umfasst Analysen aus der Phase-III-Studie Cancer and Leukemia Group B 140503/Alliance. Zwischen 2007 und 2017 wurden 697 Patienten mit nichtkleinzelligem Lungenkrebs (NSCLC) im Stadium T1aN0 zufällig einer Lobektomie (357 Patienten) oder einer sublobären Resektion (340 Patienten) zugeteilt. Die Studie zeigte, dass die sublobäre Resektion hinsichtlich des krankheitsfreien Überlebens der Lobektomie nicht unterlegen war, also keine schlechteren Ergebnisse aufwies.
- Nachbeobachtung und Früherkennung: Nach der Operation wurden die Patienten 5 Jahre lang jährlich mittels Computertomografie (CT) untersucht. Die mediane Nachbeobachtungszeit betrug 7 Jahre.
- Jährliche Raten zweiter primärer Lungenkarzinome:
- Insgesamt entwickelten jährlich 3,4% der Patienten ein zweites primäres Lungenkarzinom (Konfidenzintervall [KI]: 2,9%–4,1%).
- In der Gruppe mit sublobärer Resektion lag diese Rate bei 3,8% pro Jahr (KI: 2,9%–4,9%).
- In der Gruppe mit Lappenresektion betrug sie 3,1% pro Jahr (KI: 2,4%–4,1%).
- Kumulative Inzidenz zweiter primärer Lungenkarzinome über 5 Jahre:
- In der gesamten Patientengruppe entwickelten innerhalb von 5 Jahren 15,9% ein zweites primäres Lungenkarzinom (KI: 12,9%–18,9%).
- Bei Patienten mit sublobärer Resektion lag dieser Anteil bei 17,2% (KI: 12,7%–21,5%).
- Bei Patienten mit Lappenresektion betrug er 14,7% (KI: 10,6%–18,7%).
Abschließend lässt sich feststellen, dass die beobachteten Raten zweiter primärer Lungenkarzinome klinisch bedeutsam erscheinen. Die Ergebnisse werfen Fragen nach der optimalen Häufigkeit, Dauer und Art der bildgebenden Früherkennung auf. Die Studie liefert wichtige Erkenntnisse zu Nebenwirkungen und Langzeitfolgen operativer Ansätze in der Lungenkrebsbehandlung und unterstreicht den Bedarf an weiterer Forschung.
Quellen
DOI:10.1200/JCO.23.01306
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