Wie kann unsere Kritik an traditioneller und alternativer Medizin die Gesundheitsversorgung verbessern?

Der folgende Text wurde aus einem Blogartikel von Professor Dr. Edzard Ernst übersetzt, einem weltweit führenden Namen auf dem Gebiet der „traditionellen, komplementären und alternativen Therapien“. Weil wir zu diesen Behandlungen nahezu gleich denken und mit sehr ähnlichen Fragen konfrontiert sind, wollten wir seinen Text teilen: Regelmäßig wird mir vorgeworfen, negativ und destruktiv statt positiv und konstruktiv zu sein. Einer der jüngsten Kommentare lautete: Mit seinen Qualifikationen sollte Edzard ein Heilmittel gegen das Coronavirus anbieten. Gut, ich habe verstanden, Homöopathen seien „Scharlatane“, aber was bietet Edzard selbst? Reden ist sehr einfach. Statt darauf herumzureiten, dass Homöopathen ihren Wert nicht beweisen können, sollte Edzard beweisen, dass er besser ist als sie. Leider hat er jedoch nicht mehr zu bieten. Was nützt es, die Fehler von „Scharlatanen“ aufzudecken, wenn er der Menschheit und den Patienten keine Lösung anbieten kann? Selbst ein Bettler könnte es besser machen. Solange er keine Behandlung anbietet, ist es nicht seine Aufgabe, bei anderen Fehler zu finden. Es stimmt, dass viele, wenn nicht die meisten meiner Beiträge darauf abzielen, falsche Behauptungen von Anbietern alternativer Medizin aufzudecken oder die Grenzen der Forschung zur alternativen Medizin aufzuzeigen. Ich verstehe, warum Anhänger der alternativen Medizin dies als negatives Verhalten ansehen. Dennoch betrachte ich meine Kritik als einen positiven Beitrag: Wenn ich heute zeige, dass diese oder jene Behauptung beziehungsweise Therapie nicht evidenzbasiert ist, kann ich Folgendes erreichen:
- Ich kann einige Patienten davon abhalten, sie morgen anzuwenden.
- Außerdem wird dies verhindern, dass sie ihr Geld verschwenden, und, was noch wichtiger ist,
- es wird sie bei umsichtigen medizinischen Entscheidungen unterstützen, die in manchen Fällen Leben retten können.
Andere Kritiker meiner Arbeit erklären, ich solle nicht ständig die alternative Medizin kritisieren, sondern etwas gegen die vielen Schwächen der modernen Medizin tun. Ich denke, dass meine Arbeit auch dabei helfen kann. Lassen Sie mich das erklären: Zu zeigen, wie unecht alternative Medizin ist, wirft eine Frage auf: Warum nutzen sie dann so viele Menschen? Eine Antwort, die ich hier und anderswo häufig gebe, lautet: Die Verbraucher suchen keine wirksamen Behandlungen, sondern eher das, was früher als die „Kunst“ der Medizin bezeichnet wurde:
- Mitgefühl,
- Verständnis,
- Empathie,
- ausreichend Zeit mit Ärzten,
- einen aufrichtigen therapeutischen Prozess.
Dies sind Dinge, die Patienten bei ärztlichen Konsultationen häufig nicht finden, die sie aber oft von Anbietern alternativer Medizin erhalten. Diese Einsicht sollte zum nächsten logischen Schritt führen, also zu Mitgefühl, Empathie und ähnlichen Bereichen in der modernen Medizin. Offensichtlich stehen diese Eigenschaften im Zentrum einer guten Gesundheitsversorgung, und wir brauchen keine alternative Medizin, damit Patienten davon profitieren. Wissenschaft und ärztliche Kunst schließen einander nicht aus; es gibt keinen guten Grund, warum sie nicht zusammengehören sollten. Es ist an der Zeit, die „Kunst“ wieder in die wissenschaftsbasierte Medizin einzubringen. Sie den Anbietern alternativer Medizin zu überlassen, schadet den Patienten. Was also nützt meine Arbeit der Menschheit und den Patienten? Diese Frage kann ich nicht beantworten. Ich kann lediglich hoffen, dass meine Kritik einen kleinen Beitrag zur Verbesserung der zukünftigen Gesundheitsversorgung leisten wird.
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