Zumindest ein Nobelpreis sollte an Mäuse gehen

Tierversuche werden durchgeführt, um die Vorgänge in unserem Körper besser zu verstehen, Krankheitsursachen zu finden und neue Behandlungsmethoden zu entwickeln. Besonders genetische Forschung, Verhaltensstudien, Organtransplantation sowie Arzneimittel-, toxikologische und kosmetische Tests gehören dazu. Millionen Menschen weltweit verdanken ihr Leben Medikamenten, die mithilfe von Tierversuchen entwickelt wurden.
Besonders bei genetischen Untersuchungen werden Nagetiere bevorzugt, weil ihr Organismus für Mutationen geeignet ist. Unter den Nagetieren werden am häufigsten Mäuse eingesetzt. Um die Verbreitung solcher Studien zu verdeutlichen: Allein in Amerika werden jährlich ungefähr 100 Millionen Versuchsmäuse verwendet. Weitere Gründe für die Bevorzugung von Mäusen sind ihr im Verhältnis zur Körpermasse hohes Gehirngewicht und ihr ausgeprägtes Urteilsverhalten.
Mit dem Ausdruck „Tierversuche“ sind kontrollierte wissenschaftliche Untersuchungen an Tieren gemeint. Durch Regelungen der letzten Jahre werden heute deutlich weniger Tiere geopfert, ihre Lebensbedingungen verbessert und die Versuche sowie die vorgesehenen Vorgehensweisen und Methoden sorgfältig von Ethikkommissionen bewertet. Auch in unserem Land wurde am 15. Februar 2014 im Amtsblatt die „Verordnung über Arbeitsverfahren und Grundsätze der Ethikkommissionen für Tierversuche“ veröffentlicht. Zugleich ist es kurzfristig nicht möglich, alternative Methoden zu Tierversuchen zu entwickeln. Schon die Tatsache, dass 3/4 der Nobelpreise auf diesem Gebiet an Arbeiten mit Tierversuchen gehen, zeigt ihre zumindest derzeitige Unverzichtbarkeit für die Wissenschaft.
Außerdem gibt es das Gerücht, ein in Tierversuchen sicheres und wirksames Medikament werde sofort beim Menschen eingesetzt. Das ist falsch. Vor den Tierversuchen erfolgen Laborstudien, in denen untersucht wird, wie ein potenzielles Medikament mit lebenden Zellen wechselwirkt und wie giftig es ist. Ein nach Laborstudien vielversprechendes Medikament kann anschließend in Tierversuchen auf seine Sicherheit geprüft werden. Der nächste Schritt sind neue Arzneimitteluntersuchungen mit zunächst wenigen freiwilligen menschlichen Teilnehmern, also klinische Studien.
Zusammenfassend: Die Entwicklung von Alternativen, die die wissenschaftliche Notwendigkeit von Tierversuchen beseitigen könnten, erscheint kurzfristig nicht möglich. Bis dahin müssen die ethischen Grundsätze für Tierversuche weiter verbessert werden. Es lohnt sich außerdem, folgende Worte von Dr. Richard Klausner im Gedächtnis zu behalten:

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