Abnehmspritzen und Krebs: Hoffnung oder Gefahr?

In diesem Artikel
Adipositasund Rauchen gehören heute zu den beiden wichtigsten Ursachen vermeidbarer Todesfälle. Adipositas ist ein bedeutender Risikofaktor vieler Krebsarten. Die rasche Verbreitung von Abnehmspritzen wie GLP-1-Rezeptoragonisten (GLP-1-RA) wirft die Frage nach ihrem Zusammenhang mit Krebs auf. Betroffene und Fachpersonen fragen, ob diese Medikamente zusätzlich zum Gewichtsverlust das Krebsrisiko senken. Neben möglichen Vorteilen werden aber auch Risiken wie Schilddrüsen- und Bauchspeicheldrüsenkrebs wissenschaftlich diskutiert.
Eine am 11. Mai 2025 in Lancet eClinicalMedicineveröffentlichte umfassende Beobachtungsstudie betont, dass Vorsicht erforderlich ist.
GLP-1-Rezeptoragonisten: Mehr als Mittel zur Gewichtsabnahme?
GLP-1-RA wie Liraglutid und Dulaglutid wurden zunächst gegen Diabetes entwickelt und später auch zur Adipositasbehandlung eingesetzt. Als Spritzen vermindern sie den Appetit, verstärken die Sättigung und führen zu Gewichtsverlust.
Manche Studien vermuten eine Krebsrisikominderung auch über andere Mechanismen: weniger Entzündung, höhere Insulinempfindlichkeit, ausgeglichene Hormone und verbesserte Darmmikrobiota.
Zusammenfassung der Lancet-eClinicalMedicine-Studie: BMS gegenüber GLP-1-RA
Die Untersuchung nutzte Daten des israelischen Clalit-Gesundheitssystems. 3178 Personen mit Adipositas und Diabetes wurden in zwei Gruppen eingeteilt: bariatrische Operation (BMS) oder GLP-1-Rezeptoragonisten (GLP-1-RA). Die Gruppen wurden nach Alter und Body-Mass-Index (BMI) abgeglichen.
Das Durchschnittsalter betrug 52.3 Jahre, der mittlere BMI 41.5 kg/m² bei den Teilnehmenden. Beide Gruppen wurden im Mittel 7.5 Jahre beobachtet.
Die Häufigkeit adipositasbedingter Krebserkrankungen war nahezu gleich: 5.76 % nach Operation und 5.64 % unter GLP-1-RA. Der Unterschied war statistisch nicht signifikant.
Nach Operation war der Gewichtsverlust mit etwa 31 % größer als unter GLP-1-RA mit etwa 14 %. Auffällig war jedoch die Vermutung, dass GLP-1-RA das Krebsrisiko zusätzlich über andere Wege wie Entzündungshemmung senken. Gewichtsunabhängig wurde eine zusätzliche Risikoreduktion von bis zu 41 % berechnet.
Dies legt nahe, dass GLP-1-RA das Krebsrisiko durch Gewichtsverlust und möglicherweise Unterdrückung von Entzündungen sowie weitere Mechanismen verringern könnten.
Schilddrüsen- und Bauchspeicheldrüsenkrebs: Eine reale Gefahr?
Einige Metaanalysen vermuten ein erhöhtes Schilddrüsenkrebsrisiko durch GLP-1-RA; die Daten sind jedoch widersprüchlich:
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Italienische Metaanalyse vom März 2024: Erhöhtes Schilddrüsenkrebsrisiko, jedoch nicht signifikant für papilläre und medulläre Formen.
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Skandinavische Kohortenstudie vom April 2024: Nach durchschnittlich 3.9 Jahren keine signifikante Zunahme des Schilddrüsenkrebsrisikos.
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Bauchspeicheldrüsenkrebs: Einige Studien auf Basis von FDA-Meldungen warnten, langfristige Beobachtungsdaten bestätigten das Risiko jedoch nicht.
„Bei Krebs nicht ohne ärztliche Rücksprache anwenden“
Die eigenständige Anwendung von Abnehmspritzen während Chemotherapie oder Hormontherapie kann problematisch sein. Sie können Aufnahme und Verarbeitung anderer Medikamente verändern und dadurch die Wirksamkeit bestimmter Krebstherapien vermindern.
Häufige Nebenwirkungen sind außerdem Übelkeit, Erbrechen, Bauchschmerzen, Verstopfung und Schwäche.
In manchen Situationen können diese Mittel auch die Wirkung oraler Verhütungsmittel vermindern und ungewollte Schwangerschaften ermöglichen. Besonders während einer Krebsbehandlung kann dies ernsthafte Gesundheitsrisiken bergen.
Deshalb unbedingt vorher ärztlichen Rat einholen.
Anwendung vor Operationen: Gefahr einer schnellen Lösung statt „Prähabilitation“
Manche Betroffene möchten vor einer Operation mit GLP-1-RA abnehmen. Fachleute betonen die notwendige Abstimmung mit dem Onkologieteam. Gewichtsverlust kann sinnvoll sein; die Medikamente sollten jedoch unter fachlicher Kontrolle Teil einer geplanten Strategie sein und nicht als schnelle Lösung eingesetzt werden.
Fazit: Vielversprechend, aber ein vorsichtiger Umgang ist erforderlich
GLP-1-RA, insbesondere neuere Wirkstoffe, sind für Adipositasbehandlung und möglicherweise Krebsprävention vielversprechend. Für Sicherheit und klinische Auswirkungen sind jedoch langfristige randomisierte kontrollierte Studien erforderlich.
Ein Beginn ohne ärztliche Empfehlung kann besonders bei Krebserkrankungen ernste Risiken bergen.
Wissenschaftliche Übersicht
| Variable | GLP-1-RA | BMS |
|---|---|---|
| Inzidenz adipositasbedingter Krebserkrankungen (ORC) | 5.64 / 1000 Personenjahre | 5.76 / 1000 Personenjahre |
| Mittlere BMI-Abnahme | -14.3% | -30.9% |
| Zusätzliche Krebsrisikominderung | 41 % (gewichtsunabhängig) | — |
| Nachbeobachtung | Median 7.5 Jahre | Median 7.5 Jahre |
Hinweise und Empfehlungen
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GLP-1-RA nur auf Empfehlung einer endokrinologischen oder onkologischen Fachperson anwenden.
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Lebensstiländerungen wie Ernährung, Bewegung und Rauchstopp bleiben bei adipositasbedingtem Krebs grundlegende Maßnahmen.
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Menschen unter onkologischer Behandlung sollten zusätzliche Medikamente stets mit ihrem Behandlungsteam abstimmen.
Quellen
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