ASCO-Leitlinie zur Behandlung von Eierstockkrebs aktualisiert

In diesem Artikel
Die American Society of Clinical Oncology (ASCO) ist eine führende Organisation mit international anerkannten Leitlinien auf Basis aktueller wissenschaftlicher Erkenntnisse. Sie helfen Ärzten, bewährte Behandlungen auszuwählen, und fördern evidenzbasierte Medizin. Unabhängige Expertengremien erstellen und aktualisieren sie regelmäßig, um neue Ansätze einzubeziehen. Die meist alle paar Jahre überarbeiteten Leitlinien gelten weltweit als Referenz und werden von vielen nationalen Gesundheitsbehörden angewendet.
ASCO veröffentlichte für neu diagnostizierte epitheliale Erkrankungen im Stadium III-IV an Eierstöcken, Eileitern und primär am Bauchfell aktualisierte Empfehlungen zum Einsatz neoadjuvanter Chemotherapie. Diese aktualisierten Leitlinien beruhen auf 61 Studien und enthalten wichtige Empfehlungen zur Optimierung der Behandlungsmöglichkeiten.
Erste Beurteilung
Bei Verdacht auf epitheliales Ovarialkarzinom im Stadium III-IV empfiehlt ASCO vor Behandlungsbeginn eine gynäkoonkologische Beurteilung (starke Empfehlung, Evidenz mittlerer Qualität). Dabei wird geprüft, ob eine primäre zytoreduktive Operation möglich ist.
Zur Beurteilung von Ausbreitung und Operabilität werden empfohlen:
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CA-125-Test
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CT von Bauch und Becken mit oralem und intravenösem Kontrastmittel
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Bildgebung des Brustkorbs, vorzugsweise CT
Zusätzlich sind folgende Methoden möglich (bedingte Empfehlung, Evidenz mittlerer Qualität):
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Laparoskopie
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Diffusionsgewichtete MRT
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FDG-PET
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Ultraschall
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Endometriumbiopsie zum Ausschluss von fortgeschrittenem Endometriumkarzinom
Bei Diagnose oder so bald wie möglich empfiehlt ASCO außerdem Keimbahn- und somatische Tests auf BRCA1 und BRCA2 sowie Keimbahntests weiterer Ovarialkrebs-Prädispositionsgene (starke Empfehlung, Evidenz hoher Qualität). Somatische Tumortests sollten auch einen homologen Rekombinationsdefekt erfassen.
Primäre zytoreduktive Operation oder neoadjuvante Chemotherapie?
Für eine Operation geeignete Patienten:
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Operable Patienten mit Aussicht auf vollständige Zytoreduktion sollten direkt zur primären zytoreduktiven Operation überwiesen werden (bedingte Empfehlung, Evidenz mittlerer Qualität).
Patienten mit Empfehlung zur neoadjuvanten Chemotherapie:
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Patienten ohne Aussicht auf vollständige Zytoreduktion
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Patienten mit hohem perioperativem Risiko
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Für eine primäre Operation ungeeignete Patienten (starke Empfehlung, Evidenz hoher Qualität)
Die Entscheidung sollte gemeinsam mit einem gynäkologischen Onkologen getroffen werden (starke Empfehlung, Evidenz hoher Qualität).
Empfehlungen zur neoadjuvanten Chemotherapie
Vor Beginn muss ein invasives epitheliales Ovarial-, Eileiter- oder Peritonealkarzinom histologisch bestätigt werden (bedingte Empfehlung, Evidenz mittlerer Qualität). Bevorzugt wird eine Stanzbiopsie. Ist dies nicht möglich, gelten zytologische Beurteilung und ein CA-125/CEA-Verhältnis über 25 als akzeptable Alternative.
Empfohlenes neoadjuvantes Schema:
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Eine Platin-Taxan-Zweierkombination ist insbesondere bei hochgradigem serösem oder endometrioidem Ovarialkarzinom am stärksten empfohlen (starke Empfehlung, Evidenz hoher Qualität).
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Alternative platinhaltige Schemata können anhand von Alter, Gebrechlichkeit, Stadium oder seltener Histologie gewählt werden (bedingte Empfehlung, Evidenz mittlerer Qualität).
Weiterführende Behandlung
Intervall-Zytoreduktion: Bei Ansprechen oder stabiler Erkrankung unter neoadjuvanter Chemotherapie sollte nach höchstens 4 Zyklen eine zytoreduktive Intervalloperation erfolgen (bedingte Empfehlung, Evidenz niedriger Qualität).
HIPEC: Bei FIGO-Stadium III, gutem Allgemeinzustand und neoadjuvanter Vorbehandlung kann während der Intervalloperation eine hypertherme intraperitoneale Chemotherapie (HIPEC) angewendet werden (bedingte Empfehlung, Evidenz mittlerer Qualität). Dabei müssen Patientenwünsche, Lebensqualität und Verfügbarkeit berücksichtigt werden.
Postoperative Chemotherapie: Neoadjuvant behandelte Patienten sollten nach der Intervalloperation weiter Chemotherapie erhalten (starke Empfehlung, Evidenz hoher Qualität).
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Empfohlenes Schema: Platin-Taxan-Zweierkombination
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Empfohlene gesamte Chemotherapiedauer vor und nach der Operation: 6 Zyklen
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Die Dauer kann individuell abweichen.
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Bei manchen Patienten kann nach ausreichender Wundheilung Bevacizumab ergänzt werden.
Erhaltungstherapie: Den Patienten sollten zugelassene Erhaltungstherapien wie Bevacizumab oder PARP-Hemmer angeboten werden; alternativ ist Beobachtung möglich (starke Empfehlung, Evidenz mittlerer Qualität). Patientenwünsche, Lebensqualität, mögliche Nebenwirkungen und Nutzen müssen berücksichtigt werden.
Was tun bei Fortschreiten unter neoadjuvanter Chemotherapie?
Schreitet die Erkrankung fort, werden eine erneute Biopsie zur Diagnosebestätigung und das Angebot umfassender genetischer oder molekularer Profilierung empfohlen (bedingte Empfehlung, Evidenz mittlerer Qualität).
Alternative Vorgehensweisen:
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Andere Chemotherapieschemata
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Klinische Studien
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Beendigung der Krebstherapie und Beginn palliativer Versorgung (starke Empfehlung, Evidenz mittlerer Qualität)
Eine Operation kommt dann nur zur Palliation infrage, etwa zur Beseitigung eines Darmverschlusses.
Fazit
Die aktualisierten ASCO-Leitlinien enthalten wichtige Empfehlungen für die Behandlung fortgeschrittener epithelialer Ovarialkarzinome. Die Wahl zwischen primärer Zytoreduktion und neoadjuvanter Chemotherapie sollte gynäkoonkologisch getroffen werden. Eine Platin-Taxan-Kombination ist die neoadjuvante Standardtherapie; HIPEC kann für bestimmte Gruppen erwogen werden. Die Leitlinie betont zudem die Bedeutung patientenzentrierter Entscheidungen.
Quellen
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