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Prof. Dr. Mustafa Özdoğan · Facharzt für medizinische Onkologie

Capecitabin zeitgleich mit Strahlentherapie bei Rektumkarzinom

Capecitabin zeitgleich mit Strahlentherapie bei Rektumkarzinom
In diesem Artikel

Die gleichzeitige Behandlung mit Strahlentherapie und Capecitabin (Xeloda) wird insbesondere bei lokal fortgeschrittenem Rektumkarzinom neoadjuvant, also vor einer Operation, eingesetzt. Sie soll den Tumor verkleinern, die Erfolgsaussichten der Operation verbessern und lokale Kontrolle erreichen.

Behandlungsziele

  • Verkleinerung des Tumorvolumens.
  • Linderung von Beschwerden wie Blutungen, Schmerzen oder erschwertem Stuhlgang.
  • Verbesserung der operativen Entfernbarkeit.
  • Senkung des lokalen Rezidivrisikos.
  • Langfristige Verbesserung des krankheitsfreien Überlebens und des Gesamtüberlebens.

Wie wirkt die Behandlung?

Capecitabin (https://www.drozdogan.com/kapesitabin-kapeda-xeloda-kapetabin-xeltabin-nedir-yan-etki/)

  • Capecitabin ist eine zunächst inaktive Vorstufe, ein Prodrug. In der Leber und besonders im Tumorgewebe wird es enzymatisch in 5-Fluorouracil (5-FU) umgewandelt. Das entstandene 5-FU wirkt in Krebszellen über drei Hauptwege:
  • Hemmung der DNA-Synthese: 5-FU hemmt die Thymidylatsynthase (TS). Dieses Enzym ist wesentlich für die Bildung von Thymidinmonophosphat (dTMP), das zur DNA-Synthese benötigt wird. Die TS-Hemmung stört die DNA-Replikation und führt zum Zelltod.
  • Störung des RNA-Stoffwechsels: 5-FU wird anstelle von Uridintriphosphat (UTP) in RNA eingebaut. Es entstehen funktionslose RNA-Moleküle, wodurch die Proteinsynthese gestört wird.
  • Auslösung der Apoptose: Durch die gestörte DNA- und RNA-Synthese kommt der Zellzyklus zum Stillstand, und die Zelle geht in den programmierten Zelltod, die Apoptose, über.

Strahlentherapie

  • DNA-Schädigung durch ionisierende Strahlung: Die Strahlentherapie führt der Zelle hochenergetische ionisierende Strahlung, meist Röntgenstrahlen, zu und erzeugt direkt DNA-Doppelstrangbrüche.
  • Schädigung durch freie Radikale: Die Strahlung ionisiert außerdem Wassermoleküle und erzeugt freie Radikale wie Hydroxylradikale (OH•). Diese schädigen DNA, Proteine und Zellmembranen oxidativ.
  • Stillstand des Zellzyklus: Zellen, die den DNA-Schaden nicht reparieren können, werden besonders in der G2/M-Phase aus dem Zellzyklus genommen und zur Apoptose geleitet.

Capecitabin und Strahlentherapie hemmen gemeinsam die DNA-Synthese, stören die RNA- und Proteinproduktion und greifen durch ionisierende Strahlung intrazelluläre Strukturen an. So entsteht ein zweifacher Angriff, der den Tod von Krebszellen fördert. Besonders bei lokalisierten Tumoren wie Rektumkarzinomen ist die Kombination wirksam, um den Tumor zu verkleinern und die Erfolgsaussichten einer Operation zu verbessern.


Anwendung und Dosierung

Capecitabin

  • Dosis: Oral 2-mal täglich 825 mg/m², morgens und abends. Gesamttagesdosis: 1650 mg/m².
  • Einnahmetage: An Bestrahlungstagen, meist 5 Tage pro Woche von Montag bis Freitag. Am Wochenende erfolgt üblicherweise keine Einnahme, da nicht bestrahlt wird.
  • Behandlungsdauer: Meist über 5–6 Wochen gleichzeitig mit der Strahlentherapie.
  • Einnahmezeitpunkt: 30 Minuten nach einer Mahlzeit einnehmen. Die Einnahme mit Nahrung verbessert die Aufnahme und verringert die Magentoxizität.
  • Tablettenstärken: Capecitabin ist als Tablette mit 150 mg und 500 mg verfügbar. Die Dosis richtet sich nach der Körperoberfläche (BSA).

Strahlentherapie

  • Gesamtdosis: Üblicherweise 45–50.4 Gy, aufgeteilt in einzelne Fraktionen.
  • Dosis pro Fraktion: Täglich 1.8–2.0 Gy an 5 Tagen pro Woche, Montag bis Freitag.
  • Gesamtdauer: Etwa 5–6 Wochen
  • Zielgebiet: Rektum und Beckenlymphknoten

Besonders zu beachtende Situationen

Eingeschränkte Nierenfunktion

  • Capecitabin wird über die Nieren ausgeschieden.
  • Bei einer Kreatinin-Clearance <50 mL/min können eine Dosisreduktion oder ein Aufschub der Behandlung nötig sein.
  • Bei <30 mL/min wird es üblicherweise nicht eingesetzt.

 Hand-Fuß-Syndrom: palmoplantare Erythrodysästhesie

  • Kann besonders nach der 2. oder 3. Woche auftreten.
  • Symptome: Rötung, Schmerzen und Abschuppung an Handflächen und Fußsohlen.
  • Leichte bis mäßige Beschwerden können sich nach einer Einnahmepause bessern.

Durchfall und Dehydratation

  • Die Kombination von Capecitabin und Strahlentherapie kann die gastrointestinale Toxizität verstärken.
  • Bei schwerem Durchfall werden die Einnahme vorübergehend unterbrochen, Flüssigkeit ersetzt und gegebenenfalls Antidiarrhoika wie Loperamid verabreicht.

 Mukositis: Entzündung der Mund- und Darmschleimhaut

  • Mögliche Beschwerden sind wunde Stellen im Mund und Schwierigkeiten beim Essen.
  • Hygiene ist besonders wichtig; bei schweren Verläufen kann eine Behandlungspause nötig sein.

Knochenmarksuppression

  • Unter Capecitabin können selten Leukopenie, Neutropenie oder Anämie auftreten.
  • Das Blutbild sollte während der Behandlung regelmäßig kontrolliert werden.

Eingeschränkte Leberfunktion

  • Die Leberwerte müssen überwacht werden.
  • Bei schwerer Leberfunktionsstörung ist Vorsicht geboten; eine Dosisanpassung kann erforderlich sein.

Strahlenbedingte Hautreaktionen

  • Im Bestrahlungsgebiet können Rötung, Reizung oder Abschuppung auftreten.
  • Hautpflege, Feuchtigkeitscremes und das Vermeiden extremer Hitze oder Kälte sind wichtig.

Wechselwirkungen mit anderen Medikamenten

  • Besonders die gleichzeitige Anwendung mit Warfarin beziehungsweise Coumadin kann den INR erhöhen.
  • Auch mit Antazida, Folsäurepräparaten oder Phenytoin sind Wechselwirkungen möglich.

Schwangerschaft und Stillzeit

  • Sowohl Capecitabin als auch Strahlentherapie sind teratogen und bergen ein Risiko für Fehlbildungen.
  • Eine Schwangerschaft ist absolut kontraindiziert. Stillen wird ebenfalls nicht empfohlen.

Mangelernährung

  • Bei Appetitlosigkeit, Übelkeit und gastrointestinalen Nebenwirkungen kann eine Ernährungsunterstützung nötig sein.
  • Gegebenenfalls sollte eine Ernährungsfachkraft hinzugezogen werden.

Nebenwirkungen

Klinische Studien berichten für Capecitabin plus Strahlentherapie beim Rektumkarzinom am häufigsten folgende Nebenwirkungen:

  • Durchfall [Grad 3–5] (7 %)
  • Strahlenbedingter Hautausschlag [Grad 3–4] (3 %)
  • Analschmerzen [Grad 3] (3 %)
  • Kribbeln oder Taubheit an Händen oder Füßen [Grad 2–4] (2 %)
  • Dehydratation [Grad 3] (2 %)
  • Fatigue [Grad 3] (2 %)
  • Übelkeit [Grad 3] (1 %)
  • Bauchschmerzen [Grad 3] (<1 %)
  • Hand-Fuß-Syndrom [Grad 3] (<1 %)

Nicht alle Betroffenen erleben diese Nebenwirkungen auf dieselbe Weise. Bei manchen bleiben sie leicht, bei anderen sind sie stärker. Jeder Mensch ist anders, und die Beschwerden können sich im Laufe der Zeit verändern. Mitunter führen Nebenwirkungen zu einer Verschiebung der Behandlung, einer Dosisreduktion oder sogar zum Verzicht auf einen bestimmten Wirkstoff.

Wenden Sie sich bei Nebenwirkungen bitte an Ihr ärztliches Team oder die Pflegekräfte.

DROZDOGAN KI

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Drozdogan-Assistent

Capecitabin zeitgleich mit Strahlentherapie bei Rektumkarzinom

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