Die Erforschung des Labyrinths 1772 – Das komplexe Labyrinth des Ohres

Der Anatom David Bainbridge: „Der Erste, der sich in diesem Labyrinth zurechtfand, war ein Italiener namens Antonio Scarpa: ein hochmütiger, sarkastischer, herrschsüchtiger, grober, nachtragender Künstler, Anatom und ein Genie.“
Der italienische Anatom wurde bereits mit 18 Jahren Arzt und leitete später mehr als 50 Jahre die Anatomische Abteilung der Universität Pavia. Heute erinnert man sich vor allem an seine Veröffentlichung von 1772, die detaillierte Sektionen der labyrinthartigen Struktur des Innenohres beschreibt. Die Flüssigkeit in diesem komplexen Labyrinth des Ohres wird ihm zu Ehren „Scarpas Flüssigkeit“ genannt.
Nach seinem Tod wurde Scarpas Schädel von seinem Assistenten abgetrennt und ausgestellt. Noch heute wird Scarpas Schädel im Universitätsmuseum gezeigt.
Das Ohr lässt sich in drei Abschnitte gliedern: Außenohr, Mittelohr und Innenohr. Zum Außenohr gehören Ohrmuschel und Ohrläppchen. Auch das Mittelohr ist luftgefüllt und besteht aus dem Trommelfell (Tympanum) sowie drei kleinen Knochen, den Gehörknöchelchen (Ossicula): Hammer, Amboss und Steigbügel. Das Innenohr enthält die für Gleichgewicht und Hören benötigten Organe. Es umfasst eine Reihe mit Flüssigkeit gefüllter knöcherner und häutiger Röhrchen. Dieses komplexe knöcherne Labyrinth besteht aus drei Teilen:
- der spiraligen Cochlea mit Haarzellen, die durch Schwingungen Geräusche an den Hörnerv weiterleiten;
- den Bogengängen, die das Gleichgewicht unterstützen, und
- dem Vestibulum, das Cochlea und Bogengänge verbindet und weitere Strukturen enthält, die zum Gleichgewicht beitragen.
Der Begriff Vestibularsystem umfasst die Bogengänge und das Vestibulum. Die Bewegung der Flüssigkeit in den drei Bogengängen jedes Ohres entspricht der Kopfbewegung, und Haarzellen wandeln diese Bewegung in Nervensignale um.
Die Otolithenorgane im Vestibulum helfen, Beschleunigungen bei Körperbewegungen wahrzunehmen. Die Kalziumkarbonatkristalle in diesen Organen lenken bei Bewegung unter dem Einfluss der Beschleunigung die Haarzellen aus und erzeugen sensorische Signale. In der normalen Cochlea verursachen hohe Frequenzen Schwingungen am Anfang der spiraligen Windung, während niedrige Frequenzen das entfernte Ende der Cochlea anregen. Eine Labyrinthitis (Entzündung des Labyrinths) kann Schwindel und Übelkeit verursachen.
Beschreibung des Artikelbildes: Querschnitt des Innenohres mit spiraliger Cochlea, Bogengängen und miteinander verbundenen Röhren mit drei Schleifen.
Im Artikel erwähnte historische Persönlichkeiten: Antonio Scarpa (1752–1832)
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