Liquor cerebrospinalis 1764 – Eine farblose, klare Flüssigkeit

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Die Gehirn-Rückenmark-Flüssigkeit, auch Liquor cerebrospinalis (BOS) genannt, ist eine farblose, klare Flüssigkeit, die die Ventrikel des Gehirns ausfüllt. Sie steht mit dem Zentralkanal des Rückenmarks in Verbindung. Außerdem umgibt der Liquor Gehirn und Rückenmark, verringert die Reibung und wirkt als Polster gegen Erschütterungen.
Liquor wird in den Ventrikeln des Gehirns (von Zellen des Plexus choroideus in den Ventrikeln) gebildet und transportiert Abfallprodukte aus Gehirn und Rückenmark in den Blutkreislauf. Täglich werden ungefähr 500 Milliliter (17 Unzen) produziert, und die gesamte Flüssigkeit erneuert sich etwa alle sieben Stunden.
Ärzte können durch das Einführen einer Nadel oder eines Katheters in die Lumbalregion (den unteren Rücken) eine Liquorprobe entnehmen und untersuchen. Trüber Liquor kann auf eine Meningitis, eine Entzündung der Hirn- oder Rückenmarkshäute, hindeuten. Die Ursachen einer Meningitis (beispielsweise Bakterien, Viren oder Pilze) lassen sich durch die genaue Untersuchung von Eiweiß, Glukose und weißen Blutkörperchen oder durch Färbeverfahren unterscheiden.
Während Blut im Liquor auf eine mögliche Blutung im oder um das Gehirn hindeutet, kann das Vorhandensein bestimmter Proteine auf die Alzheimer-Krankheit hinweisen. Außerdem kann Liquor zur Diagnose möglicher Hirntumoren, von Syphilis und von Multipler Sklerose dienen, einer Erkrankung, bei der die Myelinscheide um das Nervenaxon geschädigt wird.
Eine geistige Flüssigkeit, Dampf oder Wasser?
1736 beschrieb der schwedische Wissenschaftler, Philosoph, Theologe und mystische Schriftsteller Emanuel Swedenborg den Liquor als „geistige Lymphe“ und „ein Wasser mit vielfältigen Fähigkeiten“.
1764 beschrieb der italienische Arzt Domenico Cotugno den Liquor in den Ventrikeln, der Gehirn und Rückenmark umgibt und sich seiner Ansicht nach ständig erneuert. Zu Ehren seiner Arbeit wurde der Liquor zeitweise „Liquor Cotunnii“ genannt. Vor Cotugnos Forschung glaubten viele Ärzte fälschlicherweise, die Hirnventrikel seien mit Dampf gefüllt, der wegen des raschen Temperaturabfalls vor der Untersuchung verstorbener Körper manchmal zu Wasser kondensiere.
Viele Anatomen der Vergangenheit hatten den Liquor nicht einmal beobachtet. Denn vor der Sektion wurde der Kopf rücksichtslos vom Körper abgetrennt, sodass die Flüssigkeiten sowohl aus der Wirbelsäule als auch aus dem Schädel abflossen.
Beschreibung des Artikelbildes: Die Hirnventrikel (gelb), aus Andreas Vesalius’ Werk „De Humani Corporis Fabrica“ (1543). Zu Vesalius’ Zeit glaubten manche Ärzte, dass die Hirnventrikel sowohl die Seele als auch die Geister beherbergten, die für die motorischen und sensorischen Aktivitäten des Körpers verantwortlich seien.
Im Artikel erwähnte historische Persönlichkeiten: Emanuel Swedenborg (1688–1772), Domenico Felice Antonio Cotugno (1736–1822)
Quellen
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