Entwickeln Menschen unter Chemotherapie oder Immuntherapie eine ausreichende Antikörperantwort auf den COVID-19-Impfstoff?

Bei der Behandlung solider (Organ-)Krebserkrankungen mit Chemotherapie oder Immuntherapie wurde bei den meisten, jedoch nicht allen Patienten nach zwei Dosen mRNA-1273 (Moderna)-Impfstoff ohne neue Bedenken hinsichtlich Nebenwirkungen eine ausreichende Immunantwort festgestellt.
Auf dem virtuellen ESMO-Kongress 2021 am 3. Tag vorgestellte Ergebnisse liefern wichtige Einblicke in den Einfluss von Chemotherapie und Immuntherapie auf die Impfung gegen SARS-CoV-2 im Hinblick darauf, ob eine ausreichende Immunantwort entsteht, und auf deren Sicherheit.
Diese prospektive (vorausschauende) Untersuchung verglich die Immunantwort und Sicherheit in folgenden 4 Gruppen:
- Menschen ohne Krebs,
- Patienten unter Immuntherapie,
- Patienten unter Chemotherapie und
- Patienten mit soliden Tumoren, die mit Chemotherapie und gleichzeitiger Immuntherapie behandelt wurden.
Insgesamt waren von 791 aufgenommenen Teilnehmern 743 zu Beginn antikörpernegativ; die Patienten erhielten im Abstand von 28 Tagen zwei Dosen des Moderna-Impfstoffs, der sehr ähnliche Eigenschaften wie BioNTech aufweist. Die Untersuchungen wurden am 28. Tag nach der zweiten Impfung abgeschlossen.
Als primärer Endpunkt der Studie wurde eine IgG-Serumantikörperantwort gegen das Spike-Protein (Spike S1) des SARS-CoV-2-Virus (>10 bindende Antikörpereinheiten (BAU)/mL) festgelegt. Eine ausreichende Antikörperantwort erreichten 28 Tage nach der zweiten Impfung 97,4-100% der Teilnehmer.

Abbildung. Nicht unterlegene Antikörperantwort auf den mRNA-1273-Impfstoff bei Krebspatienten unter Immuntherapie, Chemotherapie oder Chemoimmuntherapie im Vergleich zu krebsfreien Kontrollpersonen
Nach der ersten Impfung wurde eine ausreichende Antwort anhand der Neutralisierungskapazität der impfbedingten Antikörper als Schwellenwert von 300 BAU/mL definiert. Diesen Wert erreichten nach der ersten Impfung 66% der Menschen ohne Krebs, 37,1% der Patienten unter Immuntherapie, 32,5% unter Chemotherapie und 33,3% unter Chemoimmuntherapie. Nach der zweiten Impfung stieg innerhalb von 28 Tagen der Anteil mit ausreichender Antwort auf 99,6% bei Menschen ohne Krebs, 93,1% unter Immuntherapie, 83,8% unter Chemotherapie und 88,8% unter Chemoimmuntherapie. Bei 46,8% der unzureichend Ansprechenden wurden virusspezifische T-Zell-Antworten gegen das Spike-Protein festgestellt.
Die Autoren kamen zu dem Schluss, dass eine bedeutende Minderheit von bis zu etwa 16% keine ausreichende Antwort zeigte; bei diesen Patienten könnte eine zusätzliche Impfdosis nötig sein. Bei Krebspatienten wurden keine neuen Nebenwirkungen beobachtet.
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Eine weitere wichtige Erkenntnis war, dass es bei Patienten unter Chemotherapie hinsichtlich der Antikörperantwort bei einer Impfung am 1. oder am 11. Tag der Chemotherapie keinen Unterschied gab.
Zusammenfassend sind die wichtigsten Botschaften dieser prospektiven Untersuchung, dass die Impfung gegen SARS-CoV-2 bei Krebspatienten sicher ist und Patienten mit soliden Tumoren unabhängig davon eine robuste, mit gesunden Kontrollpersonen vergleichbare Immunantwort entwickeln.
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