Fetalchirurgie 1981 – Operationen am Baby im Mutterleib

Die Ärztin Pamela Camosy schreibt:
„Die Behandlung ungeborener Patienten ist ein noch junges, spannendes Tätigkeitsfeld. Die bisher verborgene Welt des Fetus wird immer genauer untersucht, und sowohl die Wissenschaft als auch die menschliche Seite der Medizin haben sich dadurch dauerhaft erweitert.“
Fetalchirurgie bezeichnet Operationen vor der Geburt, während sich der Fetus noch im Mutterleib befindet. Sie wird meist durchgeführt, wenn das Leben des Fetus gefährdet ist, und umfasst mehrere Verfahren:
- Bei der offenen Fetalchirurgie durchtrennt der Chirurg die Bauch- und Gebärmutterwand der Mutter, um den Fetus zu operieren. Dieser bleibt über Nabelschnur und Plazenta mit der Mutter verbunden. Anschließend wird er in die Gebärmutter zurückgelegt, und Gebärmutter- und Bauchwand werden verschlossen. Bei der späteren Geburt erfolgt ein zweiter Eingriff (Kaiserschnitt). Eine Herausforderung besteht darin, zu verhindern, dass die Verletzung der Gebärmutter vorzeitige Wehen auslöst.
- Die minimalinvasive fetoskopische Chirurgie nutzt Live-Videobilder und ein röhrenförmiges Fetoskop (siehe „Endoskop“), um kleine Instrumente zum Operationsort zu führen. Weil dies mit einem Nintendo-Videospiel verglichen wurde, wird das Verfahren auch Fetendo genannt.
Der Kinderchirurg Michael Harrison führte 1981 an der University of California in San Francisco zur Rettung eines Fetus mit gefährlich vergrößerter Harnblase infolge einer Harnwegsblockade die erste offene Fetaloperation am Menschen durch. Dr. Harrison legte einen Katheter zur Urinableitung ein, und das Baby überlebte.
Ultraschall kann verschiedene Fehlbildungen des Fetus sichtbar machen. Fetalchirurgie kann:
- Herzklappen des Fetus öffnen,
- Zwerchfellhernien reparieren,
- lebensbedrohliche Tumoren am Steißbein des Fetus entfernen,
- den unvollständigen Verschluss des embryonalen Neuralrohrs bei der Fehlbildung Spina bifida korrigieren.
Die selektive Laserfotokoagulation dient dazu, Blutgefäße zu verschließen, die gefährliche Fehlverteilungen des Blutflusses zwischen Zwillingsfeten ermöglichen können.
Erläuterung des Beitragsbildes: Minimalinvasive Fetalchirurgie kann das fetofetale Transfusionssyndrom (TTTS) behandeln, bei dem einer der Zwillinge unverhältnismäßig viel Blut erhält.
Historische Personen in diesem Beitrag: Michael R. Harrison (geb. 1943)
Quellen
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