Knochenmark- und Stammzelltransplantation 1956

Die verschiedenen Blutzelltypen entwickeln sich aus hämatopoetischen (blutbildenden) Stammzellen (HSZ), also „unreifen Zellen“. Die meisten HSZ befinden sich im Knochenmark, einem schwammartigen Gewebe im Inneren der Knochen. Einige zirkulieren jedoch im peripheren Blut durch den Körper.
Eine Stammzelle kann sich durch Zellteilung selbst erneuern und andere, spezialisierte Zelltypen hervorbringen.
- Totipotente Stammzellen, beispielsweise befruchtete Eizellen, können sämtliche differenzierten Zellen eines Organismus bilden.
- Pluripotente Stammzellen können sich nicht zu einem Fötus oder einem erwachsenen Organismus entwickeln, da sie keine extraembryonalen Gewebe wie die Plazenta bilden können.
- Multipotente Stammzellen, beispielsweise HSZ, bilden in der Regel nur eine begrenzte Zahl von Zelltypen. HSZ können etwa infektionsbekämpfende weiße Blutkörperchen, sauerstofftransportierende rote Blutkörperchen und Blutplättchen bilden, die zur Wundheilung die Blutgerinnung ermöglichen.
- Verschiedene Organe wie die Leber besitzen Zellen, die bei Gewebeschäden oder bei Bedarf an neuen Zellen aktiviert werden können: ruhende Stammzellen.
Patienten mit Leukämie, einer Krebsart des Blutes oder Knochenmarks, produzieren häufig übermäßig viele abnorme weiße Blutkörperchen. Bei einer Knochenmarktransplantation (auch als Stammzelltransplantation bezeichnet) zerstören die Ärzte in der Regel zunächst das abnorme Knochenmark durch Chemotherapie oder Bestrahlung. Anschließend injizieren sie gesunde Spender-HSZ in die Blutgefäße des Empfängers und „setzen“ das Knochenmark damit „zurück“. Die injizierten Zellen gelangen anschließend in das Knochenmark des Patienten.
Werden gesunde Stammzellen von einem anderen Spender gewonnen, muss auf die Graft-versus-Host (GVH)-Krankheit geachtet werden. Die GVH-Krankheit ist ein klinisches Krankheitsbild, das bei immunsupprimierten Patienten 4 bis 60 Tage nach der Gabe allogener Lymphozyten, beispielsweise durch Knochenmarktransplantation oder Bluttransfusion, auftritt. Durch eine Reaktion gegen den Wirt kommt es zu aplastischer Anämie (einer Anämie infolge der fehlenden Blutbildung des Knochenmarks) und Organversagen.
1956 führte der amerikanische Arzt Donnall Thomas die erste erfolgreiche Knochenmarktransplantation durch: Er übertrug einem Leukämiepatienten gesundes Knochenmark von dessen Zwilling.
Erläuterung der Artikelabbildung: Mikroskopische Untersuchung von Knochenmarkzellen. Blaugrüne Punkte kennzeichnen stabkernige Neutrophile, ein gelber Punkt einen großen Promyelozyten und orangefarbene Punkte Metamyelozyten.
Im Artikel erwähnte historische Persönlichkeiten: Edward Donnall Thomas (geb. 1920)
Quellen
War dieser Artikel hilfreich?
Ihre Rückmeldung hilft uns, unsere Inhalte zu verbessern.





Leserkommentare
Kommentar verfassen
Ihr Name und Ihr Kommentar werden erst nach Freigabe durch die Administration veröffentlicht. Ihre E-Mail-Adresse wird Besuchern niemals angezeigt.
Schreiben Sie den ersten Kommentar.