Können Krebspatienten gegen Covid-19 geimpft werden?

In diesem Artikel
Gegen das neue Coronavirus (SARS-CoV-2) haben Wissenschaftler Impfstoffe entwickelt und die Welt damit nicht enttäuscht. Die Staaten impfen ihre Bevölkerung entsprechend ihren Möglichkeiten und Gesundheitsstrategien. Krebspatienten und Angehörige stellen derzeit besonders häufig diese Fragen: „Soll ich mich impfen lassen, womit, wird es wirken und welche kurz- und langfristigen Nebenwirkungen sind zu erwarten?“
Da die Impfstoffe nun auch Krebspatienten erreichen, führen wir hier die Themen auf, über die Patienten und Ärzte Bescheid wissen sollten.
Kurzübersicht (Empfehlungen des US-amerikanischen National Comprehensive Cancer Network / NCCN)
Patienten nach hämatopoetischer Zelltransplantation oder Zelltherapie
Die COVID-19-Impfung sollte nach einer hämatopoetischen Zelltransplantation (allogen oder autolog) oder einer Zelltherapie, beispielsweise einer chimären Antigenrezeptor-[CAR]-T-Zell-Therapie, frühestens 3 Monate später erfolgen.
Patienten mit hämatologischen Krebserkrankungen (Blut und Knochenmark)
Bei intensiver Chemotherapie sollte die COVID-19-Impfung verschoben werden, bis sich die absolute Neutrophilenzahl erholt hat.
Bei Patienten, bei denen wegen der Erkrankung oder Behandlung nur eine begrenzte oder keine Erholung zu erwarten ist, sowie bei langfristiger Erhaltungstherapie sollte die COVID-19-Impfung erfolgen, sobald sie verfügbar ist.
Patienten mit soliden Organtumoren
Bei Chemotherapie, zielgerichteter Therapie, Checkpoint-Hemmern, anderen Immuntherapien oder Strahlentherapie sollte die COVID-19-Impfung erfolgen, sobald sie verfügbar ist.
Nach größeren Operationen sollte die COVID-19-Impfung mindestens um einige Tage nach der Operation verschoben werden.
Wir erwarten, dass Krebspatienten auf Coronavirus-Impfstoffe ansprechen
Früher wurde angenommen, Krebspatienten könnten auf Impfstoffe keine Immunantwort entwickeln, die Impfung würde also nicht wirken. Daten zu anderen Virusimpfstoffen zeigten jedoch das Gegenteil. Beispielsweise werden Grippeimpfungen bei Krebspatienten seit Langem untersucht und bieten im Allgemeinen Schutz, das heißt, sie wirken. Dasselbe gilt für die Pneumokokkenimpfung, die Krebspatienten meist erhalten sollten. Wir empfehlen ihnen sowohl Grippe- als auch Pneumokokkenimpfungen.
Zu den Ausnahmen bei extrem geschwächtem Immunsystem und tiefer Immunsuppression können hämatologische Krebserkrankungen (aus Blut und Knochenmark) gehören. Bei „extremer“ Immunsuppression gibt es nur wenige Daten zur Impfantwort. Die vorhandenen Daten zeigen jedoch, dass Krebspatienten nach dieser immunsupprimierten Phase erfolgreich geimpft werden können.
- Verwandtes Thema: Grippe- und Pneumokokkenimpfung – Schützen sie vor dem Coronavirus und wer sollte wann geimpft werden?
Ist die Impfstoffart für Krebspatienten wichtig?
Mit Stand vom 25. März 2021 befinden sich 80 Coronavirus-Impfstoffe in klinischen Studien am Menschen; 23 haben die letzte Testphase, Phase III, erreicht. Bisher wurden 7 verschiedene Impfstoffe international zugelassen. Mindestens 77 präklinische Impfstoffe werden aktiv an Tieren untersucht.
Sowohl Pfizer-BioNTech als auch Moderna haben Covid-Impfstoffe vom mRNA-Typ entwickelt. Daneben gibt es viele weitere Arten, darunter proteinbasierte Impfstoffe, adenovirusbasierte Vektorimpfstoffe sowie inaktivierte oder abgeschwächte Coronavirus-Impfstoffe (siehe unseren Artikel zu den gegen das Coronavirus entwickelten Impfstoffarten).
Abgeschwächte Lebendvirusimpfstoffe könnten für Krebspatienten möglicherweise keine gute Wahl sein. Besonders bei rasch fortschreitender Erkrankung oder unter Chemotherapie können abgeschwächte lebende Viren eine geringgradige Infektion verursachen.
In der Türkei wird der am weitesten verfügbare chinesische Impfstoff ein inaktivierter (abgetöteter) Coronavirus-Impfstoff sein. Umfassende Ergebnisse klinischer Phase-3-Studien wurden noch nicht in einer wissenschaftlichen Zeitschrift veröffentlicht. Das Entwicklerunternehmen Sinovac hat jedoch offiziell erklärt:
Für den Sinovac-Impfstoff wurde nach den brasilianischen Ergebnissen ein Schutz von 50,6 % und nach den türkischen Studien von 91,2 % angegeben.
- Verwandtes Thema: Was bedeuten die unterschiedlichen Ergebnisse des chinesischen Impfstoffs in verschiedenen Ländern?
Auf Grundlage dieser Daten empfehlen wir den Sinovac-Impfstoff im Allgemeinen für unsere Krebspatienten. Entscheidungen müssen selbstverständlich individuell getroffen werden; Patienten sollten ihren Onkologen fragen. Man geht davon aus, dass inaktivierte Impfstoffe bei Krebspatienten ein ähnliches Sicherheitsprofil wie andere Impfstoffe haben werden.
Die Technologie der genetischen beziehungsweise mRNA-Impfstoffe von Pfizer-BioNTech und Moderna war ursprünglich für die Krebsbehandlung entwickelt worden. Studien zeigten, dass Patienten mit dieser Impfstoffart Immunantworten gegen krebsassoziierte Proteine bilden können.
Diese genetischen Impfstoffe könnten für Krebspatienten, besonders mit soliden Organtumoren, am wirksamsten sein.
Unser Wissen über die Wirkung von Impfstoffen bei Krebspatienten ist begrenzt
Die frühen Daten von Pfizer-BioNTech und Moderna berücksichtigen Krebspatienten nicht. Die beiden wichtigsten Fragen sind für sie Dosierung und Planung zusätzlicher Dosen. Mögliche Störungen der Lymphozytenfunktion könnten andere Anfangsdosen und zusätzliche Impfungen erfordern. Unklar ist, wie eine aktive Krebstherapie die Immunantwort auf eine Impfung beeinflusst und ob deren Zeitpunkt an die Zyklen der Krebstherapie angepasst werden muss.
Krebspatienten sollten beim Impfstoffzugang Vorrang haben
Menschen mit höherem Risiko für schwere Covid-19 benötigen die Impfung eindeutig dringender. Viele Daten zeigen ein höheres Risiko bei Krebspatienten. Diese bilden jedoch eine heterogene Gruppe: Das Risiko unterscheidet sich nach frühem oder fortgeschrittenem Stadium und Krebsart. Krebs betrifft deshalb nicht alle gleich stark. Beispielsweise weisen Daten auf höhere Risiken bei Lungen- und Blutkrebs hin.
Individuelle Risikofaktoren wie Art der Krebstherapie, Tumorsitz und Begleiterkrankungen dürften daher die persönlichen Impfentscheidungen von Krebspatienten prägen.
Zusammenfassend empfehlen wir unseren Patienten mit Krebsdiagnose bei geeignetem Allgemeinzustand jeden zugelassenen und verfügbaren Coronavirus-Impfstoff. Besondere Umstände und Bedenken sollten sie ihrem onkologischen Team mitteilen.
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