Krebschemotherapie 1946 – Eine Revolution in der Krebsbehandlung

Viele Chemotherapien gegen Krebs beruhen darauf, die schnelle Teilung zu hemmen, die zu den charakteristischen Eigenschaften von Krebszellen gehört. Leider zerstören Chemotherapeutika auch gesunde Zellen, die sich rasch teilen, etwa in den Haarfollikeln, im Verdauungstrakt und im Knochenmark.
Überraschenderweise wurde eines der ersten wirksamen Krebsmedikamente von den amerikanischen Pharmakologen Alfred Gilman und Louis Goodman im Rahmen geheimer Forschungen während des Krieges entdeckt. Bei Untersuchungen an Tausenden Menschen, die versehentlich Senfgasbomben aus amerikanischer Herstellung ausgesetzt worden waren, zeigte sich, dass dieser chemische Kampfstoff schnell wachsende weiße Blutkörperchen schädigte. Die Wissenschaftler vermuteten, dass dies bei der Behandlung bestimmter Lymphome (Krebserkrankungen bestimmter weißer Blutkörperchen) nützlich sein könnte. Als 1943 einem Patienten mit Non-Hodgkin-Lymphom die entsprechende Stickstoffverbindung injiziert wurde, beobachteten Gilman und Goodman eine dramatische, aber vorübergehende Verkleinerung der Tumormassen. Die Regierung erteilte 1946 die Erlaubnis, die Ergebnisse zu veröffentlichen.
- 1948 entdeckte der amerikanische Pathologe Sidney Farber, dass ein Medikament namens Methotrexat, das die Wirkung folatabhängiger Enzyme hemmt, bei Kindern mit akuter lymphoblastischer Leukämie eine Remission auslöste.
- 1951 synthetisierten Chemiker ein Medikament namens 6-Mercaptopurin (6-MP), das die DNA-Synthese hemmt und bei der Behandlung von Leukämie im Kindesalter nützlich ist.
- 1956 wurde Methotrexat erfolgreich zur Behandlung eines soliden Tumors namens Choriosarkom bei einer Frau eingesetzt.
- 1965 wurde entdeckt, dass Kombinationen verschiedener Krebsmedikamente vorteilhaft sein können.
- 1969 wurde berichtet, dass platinbasierte Medikamente, die Quervernetzungen in der DNA verursachen, den programmierten Zelltod (Apoptose) auslösen.
Es gibt mehrere Hauptgruppen von Chemotherapeutika, die die Zellteilung oder die DNA-Synthese beeinflussen:
- Alkylierende Substanzen (verknüpfen DNA-Stränge, um die DNA-Replikation zu verhindern),
- Antimetaboliten (wirken auf Enzyme, die zur Synthese der für Zellwachstum und Replikation benötigten Moleküle erforderlich sind),
- Pflanzenalkaloide (blockieren die für die Zellteilung erforderliche Funktion der Mikrotubuli),
- Topoisomerasehemmer (stören die normalen Windungsmuster der DNA)
- Antitumorale Antibiotika (beeinträchtigen die normale Funktion von DNA und RNA)
- Zielgerichtete Therapien umfassen monoklonale Antikörper, die an präzise Zielstrukturen binden können, sowie bestimmte Kinasehemmer.
Viele früher tödliche Krebsarten können heute behandelt werden.
Erläuterung des Artikelbildes: Die aus der Pflanze Catharanthus roseus gewonnenen Medikamente Vinblastin und Vincristin werden als Chemotherapeutika zur Behandlung von Leukämie und anderen Krebserkrankungen eingesetzt.
Im Artikel erwähnte historische Persönlichkeiten: Sidney Farber (1903 – 1973), Louis S. Goodman (1906 – 2000), Alfred Gilman (1908 – 1984)
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Quellen
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