Blalock–Taussig-Shunt 1944 – Behandlung des Blue-Baby-Syndroms

Dr. Sherwin B. Nuland beschreibt die hoffnungslose Situation beim Blue-Baby-Syndrom am Johns Hopkins Hospital in den 1930er-Jahren, als noch keine chirurgischen Behandlungsmöglichkeiten zur Verfügung standen, mit folgenden Worten:
„Ein Nachmittag in der Kinderkardiologischen Klinik stellte selbst die geduldigsten Ärzte auf die Probe. Die Klinik war voller unterentwickelter Kinder, die wegen ihrer Atemnot schon bei der kleinsten Bewegung ohnmächtig wurden. Nase, Ohren, Gliedmaßen und manchmal der ganze Körper waren von Zyanose betroffen, einer bläulich-violetten Verfärbung bestimmter Körperstellen wie Fingerspitzen, Lippen oder Nagelbetten. Um ihren Lufthunger nicht zu verschlimmern, hockten sie auf dem Boden oder lagen regungslos auf den Untersuchungstischen.“
Die Fallot-Tetralogie gehört zu den häufigen Ursachen des Blue-Baby-Syndroms. Bei Säuglingen mit diesem Herzfehler ist der Sauerstoffgehalt des Blutes niedrig, weil ein Loch in der Wand, die normalerweise die linke und rechte Herzkammer trennt, zur Vermischung von sauerstoffreichem und sauerstoffarmem Blut in der linken Herzkammer führt. Außerdem vermindert eine Verengung nahe der Pulmonalklappe den Blutstrom vom Herzen in die Lungenarterien, die das Blut zur Lunge transportieren.
Die amerikanische Kardiologin Helen Taussig untersuchte gemeinsam mit dem amerikanischen Chirurgen Alfred Blalock und seinem Assistenten Vivien Thomas, ob sich bei Säuglingen mit Blue-Baby-Syndrom zusätzliches Blut zur Sauerstoffanreicherung in die Lunge leiten ließe.
1944 wurde die Operation an einem 15 Monate alten Mädchen durchgeführt; seitdem rettete sie Tausenden das Leben. Der Chirurg Blalock verband die Arteria subclavia mit der Lungenarterie; heute kann dafür ein künstlicher Schlauch verwendet werden. Assistent Thomas hatte den Eingriff an mehr als 200 Hunden durchgeführt, bevor er erstmals an dem kleinen Mädchen versucht wurde.
Der Blalock-Taussig-Shunt markiert den Beginn der modernen Herzchirurgie. Mit dem Beginn der offenen Herzchirurgie konnten Chirurgen das Herz unmittelbar öffnen und seine Fehlbildungen korrigieren. Ein Beispiel dafür ist der Verschluss des Lochs in der inneren Herzwand mit einem Gore-Tex-Flicken. Deshalb wird der Blalock-Taussig-Shunt inzwischen seltener eingesetzt.
Beschreibung der Artikelabbildung: Ein Diagramm zeigt einen Ventrikelseptumdefekt: das mit einem gelben Punkt markierte Loch zwischen der rechten und linken Herzhälfte.
Historische Persönlichkeiten im Artikel: Helen Brooke Taussig (1898 – 1986), Alfred Blalock (1899 – 1964), Vivien Theodore Thomas (1910 – 1985)
- Vorheriges Thema: Dialyse 1943 – Behandlung des Nierenversagens
- Nächstes Thema: Krebschemotherapie 1946 – Eine Revolution in der Krebsbehandlung
Quellen
War dieser Artikel hilfreich?
Ihre Rückmeldung hilft uns, unsere Inhalte zu verbessern.





Leserkommentare
Kommentar verfassen
Ihr Name und Ihr Kommentar werden erst nach Freigabe durch die Administration veröffentlicht. Ihre E-Mail-Adresse wird Besuchern niemals angezeigt.
Schreiben Sie den ersten Kommentar.