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Prof. Dr. Mustafa Özdoğan · Facharzt für medizinische Onkologie
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Krebsfälle in jungen Jahren nehmen zu – Könnte beschleunigtes Altern eine wichtige Ursache sein?

Krebsfälle in jungen Jahren nehmen zu – Könnte beschleunigtes Altern eine wichtige Ursache sein?
In diesem Artikel

Neueren Studien zufolge nehmen Krebsdiagnosen bei Menschen unter 50 Jahren nicht nur in den USA, sondern weltweit zu. Untersuchungen für die Jahre 1990 bis 2019 zeigen, dass die Häufigkeit früh auftretender Krebserkrankungen um 79% zugenommen hat und die Sterberate auf 28% gestiegen ist.

In einer prospektiven Studie, die auf der Jahrestagung 2024 der American Association for Cancer Research (AACR) vorgestellt wurde, untersuchte man die Zusammenhänge zwischen einem über dem chronologischen Alter liegenden biologischen Alter bei jüngeren Generationen (beschleunigtes Altern) und der weltweiten Zunahme früh auftretender Krebserkrankungen (Abstract 846).

Die Forschenden stellten fest, dass beschleunigtes Altern in jüngeren Geburtskohorten häufiger vorkommt und einen Risikofaktor für die Entwicklung früh auftretender solider Tumoren darstellt, insbesondere von Lungenkrebs, gastrointestinalen Krebserkrankungen und Gebärmutterkrebs.

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Wenn das biologische Alter das chronologische Alter übersteigt …

Beschleunigtes Altern ist ein Maß dafür, wie stark sich das biologische Alter einer Person von ihrem chronologischen Alter unterscheidet. Liegt das biologische Alter höher, spricht man von beschleunigtem Altern. Das bedeutet, dass der Körper im Verhältnis zum chronologischen Alter schneller altert. Im umgekehrten Fall, wenn das biologische Alter niedriger als das chronologische ist, spricht man von verlangsamtem Altern. Der Körper altert dann im Verhältnis zum chronologischen Alter langsamer.

Das biologische Alter einer Person wird mithilfe der Klemera-&-Doubal-Methode (KDM) berechnet. Diese Methode nimmt einen Vergleich mit der Allgemeinbevölkerung vor. Die dabei verwendeten Biomarkerwerte entsprechen dem biologischen Alter gleichaltriger Personen und stammen aus einem Referenzdatensatz .

  • Das biologische Alter einer Person: Dies ist ein Maß dafür, wie gesund und fit eine Person im Vergleich zu ihrem chronologischen Alter ist, das sich aus dem Geburtsdatum ergibt.
  • Klemera-&-Doubal-Methode (KDM): Dabei handelt es sich um ein mathematisches Modell zur Schätzung des biologischen Alters. Das Modell arbeitet mit einer Reihe von Biomarkern wie Blutdruck und Cholesterinwerten. Diese biologischen Marker bilden die Grundlage seiner Berechnungen.
  • Allgemeinbevölkerung: Damit ist die gesamte untersuchte Personengruppe gemeint.
  • Biomarker: Dies sind Messwerte, die den allgemeinen Gesundheitszustand einer Person widerspiegeln. Zu den Biomarkern zählen beispielsweise Blutdruck, Cholesterinwerte, Blutzuckerspiegel und Funktionen des Immunsystems.
  • Referenzdatensatz: Dies ist ein Datensatz mit Angaben zu Menschen, der zum Trainieren des KDM-Modells verwendet wird. Er umfasst Personen, deren biologisches Alter bekannt ist und deren Biomarker das KDM-Modell vorhersagen kann.

Beispiel:

Nehmen wir an, wir möchten das biologische Alter einer 40-jährigen Person berechnen. Das KDM-Modell misst ihre Biomarker, beispielsweise Blutdruck und Cholesterinwerte. Anschließend vergleicht es diese mit den Biomarkerwerten 40-jähriger Menschen in der Allgemeinbevölkerung. Liegen die Biomarkerwerte der Person über dem Durchschnitt, bedeutet dies, dass ihr biologisches Alter höher als ihr chronologisches Alter ist.

Methodik der Studie

Die Forschenden untersuchten Daten aus der britischen Biobank von 148.724 Teilnehmenden im Alter zwischen 37 und 54 Jahren. Sie wollten den Zusammenhang zwischen beschleunigtem Altern und vor dem 55. Lebensjahr diagnostizierten soliden Tumoren untersuchen, also Krebserkrankungen, die von Geweben oder Organen ausgehen.

Ergebnisse

Die Forschenden wiesen auf ein erhöhtes Risiko für beschleunigtes Altern in jüngeren Geburtskohorten unter Berücksichtigung des chronologischen Alters hin.

Menschen, die 1965 oder später geboren wurden, hatten im Vergleich zu den zwischen 1950 und 1954 Geborenen ein um 17% höheres Risiko für beschleunigtes Altern.

Nach der Anpassung für mehrere Variablen wurde beobachtet, dass beschleunigtes biologisches Altern das Risiko für früh auftretende Krebserkrankungen erhöhte.

Im Vergleich zur Gruppe mit dem geringsten Risiko für beschleunigtes Altern (unterstes Drittel) hatten Menschen in der Gruppe mit dem höchsten Risiko für beschleunigtes Altern (oberstes Drittel):

  • ein 2-fach erhöhtes Lungenkrebsrisiko,
  • ein 1,6-fach erhöhtes Risiko für gastrointestinale Krebserkrankungen und
  • ein 1,8-fach erhöhtes Gebärmutterkrebsrisiko.

Die Forschenden schlossen ihre Studie mit der Feststellung: „Dass beschleunigtes Altern in jüngeren Geburtskohorten deutlich häufiger geworden ist, könnte einen Risikofaktor für die Entstehung solider Tumoren im Frühstadium darstellen, insbesondere von Lungenkrebs, gastrointestinalen Krebserkrankungen und Gebärmutterkrebs“.

Was bedeutet diese Studie für die klinische Praxis?

Studienautorin Ruiyi Tian erklärte: „Unser Studienergebnis deutet darauf hin, dass Maßnahmen zur Verlangsamung des biologischen Alterns ein neuer Weg zur Krebsprävention sein könnten. Früherkennungsmaßnahmen für jüngere Menschen mit Anzeichen beschleunigten Alterns könnten zudem helfen, Krebserkrankungen frühzeitig zu erkennen.“

Verwandtes Thema: 8 gemeinsame Merkmale der besonders langlebigen Menschen in den Blauen Zonen der Welt

Wie lässt sich beschleunigtes Altern verhindern?

Forschungsergebnissen zufolge verlangsamen die folgenden Gewohnheiten das biologische Altern:

  • aktiv sein beziehungsweise Sport treiben,
  • ein ideales Körpergewicht haben,
  • nicht rauchen,
  • keinen Alkohol trinken,
  • einen regelmäßigen Schlafrhythmus einhalten,
  • eine mediterrane Ernährung oder eine andere nachweislich gesunde Ernährungsweise befolgen und
  • die täglich insgesamt verzehrte Nahrungsmenge im Gleichgewicht halten. Solche Gewohnheiten sollten erworben beziehungsweise, wenn sie bereits bestehen, beibehalten werden.

Die Forschenden halten weitere Untersuchungen für notwendig, um die Mechanismen zu ermitteln, die beschleunigtes Altern und Krebs in frühen Stadien antreiben. Dies soll die Entwicklung präziser Strategien zur Krebsprävention und entsprechender Behandlungsmethoden unterstützen.

Quellen

1. Zhao J, Xu L, Sun J, et alGlobal trends in incidence, death, burden and risk factors of early-onset cancer from 1990 to 2019BMJ Oncology 2023;2:e000049. doi: 10.1136/bmjonc-2023-000049

2. R. Tian, et al. Rising accelerated aging in recent generations associated with elevated risk of early-onset cancers. AACR Annual Meeting 2024. Abstract 846

3. Sarah N. Forrester, Rachel Zmora, Pamela J. Schreiner, David R. Jacobs, Veronique L. Roger, Roland J. Thorpe, Catarina I. Kiefe, "Accelerated aging: A marker for social factors resulting in cardiovascular events?", SSM - Population Health, Volume 13, 2021, 100733, ISSN 2352-8273, https://doi.org/10.1016/j.ssmph.2021.100733.
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