Hoher Alkoholkonsum und früh auftretender Dickdarm- und Enddarmkrebs

In diesem Artikel
In der heutigen Welt sind die gesundheitlichen Auswirkungen des Alkoholkonsums unbestreitbar. Daraus ergibt sich die Bedeutung dieser Studie. Wissenschaftliche Untersuchungen haben Beziehungen zwischen Alkoholkonsum und verschiedenen Krebsarten gezeigt. Den Zusammenhang zwischen Alkohol und früh auftretendem kolorektalem Krebs, also Dickdarm- und Enddarmkrebs, haben jedoch nur wenige Arbeiten untersucht. Diese Studie könnte daher einen wertvollen Beitrag zum Verständnis und zur Vorbeugung früh auftretender kolorektaler Krebserkrankungen leisten.
Die Bedeutung früh auftretender kolorektaler Krebserkrankungen
Früh auftretender kolorektaler Krebs bezeichnet in der Regel Erkrankungen bei Menschen unter 50 Jahren. Kolorektaler Krebs entsteht im Dickdarm und im Enddarm, dem Abschnitt oberhalb des Afters. Weltweit ist er die dritthäufigste Krebsart und die vierthäufigste krebsbedingte Todesursache.

In den vergangenen Jahren wurde bei Menschen unter 50 Jahren ein deutlicher Anstieg kolorektaler Krebserkrankungen beobachtet. Dadurch gewinnt der frühe Erkrankungsbeginn an Bedeutung. Als mögliche Ursachen gelten mehrere Faktoren, darunter genetische Einflüsse, eine westlich geprägte Ernährung und Bewegungsmangel.
Die folgende Abbildung zeigt verschiedene Faktoren, die das Darmkrebsrisiko beeinflussen. Übergewicht, westliche Ernährung, Bewegungsmangel, intensive Antibiotikaanwendung und Alkoholkonsum können das Risiko erhöhen. Je früher im Leben diese Einflüsse auftreten, desto stärker steigt das Risiko eines frühen Erkrankungsbeginns. Ihre Kontrolle bereits in jungen Jahren könnte deshalb zur Risikosenkung beitragen.

Früh auftretender kolorektaler Krebs verläuft häufig aggressiver und wird eher in späteren Stadien diagnostiziert. Das liegt oft daran, dass jüngere Patienten das übliche Alter für die Routinevorsorge noch nicht erreicht haben. Frühe Diagnose und Behandlung sind deshalb entscheidend für bessere Überlebenschancen.
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Eine koreanische Untersuchung
Eine am 14. Juni 2023 im Journal of Clinical Oncology veröffentlichte südkoreanische Bevölkerungsstudie zeigt, dass hoher Alkoholkonsum das Risiko für früh auftretenden kolorektalen Krebs erhöht, insbesondere im distalen Dickdarm und Enddarm.
Einzelheiten der Studie
Die Forschenden nutzten Daten des koreanischen Nationalen Krankenversicherungsdienstes zu Menschen unter 50 Jahren. In einer Gruppe von ungefähr 5,7 Millionen Erwachsenen verglichen sie rückblickend den durchschnittlichen täglichen Alkoholkonsum und das Risiko für früh auftretenden Darmkrebs.
Die Konsumgruppen waren: kein Alkohol; leichter Konsum (<10 g/Tag oder <0,7 US-Standardgetränke/Tag); mäßiger Konsum (Männer: 10–30 g/Tag, Frauen: 10–20 g/Tag); starker Konsum (Männer: ≥30 g/Tag oder ≥2,1 Getränke/Tag, Frauen: ≥20 g/Tag oder ≥1,4 Getränke/Tag).
Hinweis: Eine US-Standardalkoholeinheit entspricht ungefähr 14 Gramm reinem Alkohol. Das ist meist die Menge in 355 ml Bier mit 5% Alkohol, 150 ml Wein mit 12% Alkohol oder 44 ml Spirituosen mit 40% Alkohol, etwa Wodka, Gin oder Whisky. US-Standardgetränke pro Tag geben an, wie viele solcher Einheiten jemand täglich konsumiert. Damit lassen sich Menge und Wirkung des Alkoholkonsums vergleichen, obwohl Getränke unterschiedliche Alkoholanteile haben. Diese Einheiten helfen, die gesundheitlichen Auswirkungen zu verstehen.
Der primäre Endpunkt war die Häufigkeit kolorektaler Krebsdiagnosen vor dem Alter von 50 Jahren. Die Ergebnismodelle wurden für Alter, Geschlecht, Rauchen, Bewegung, Einkommen und Begleiterkrankungen angepasst.
Ergebnisse
Während der durchschnittlichen Nachbeobachtung von 7,4 Jahren traten insgesamt 8314 früh beginnende kolorektale Krebserkrankungen auf.
- Gegenüber leichtem Konsum erhöhten mäßiger und starker Konsum das Risiko signifikant (angepasste Hazard Ratios: 1,09 beziehungsweise 1,20). In der Aufteilung nach Geschlecht war der Zusammenhang nur bei Männern signifikant.
Hinweis: Eine Hazard Ratio von 1,20 bedeutet ein um 20% höheres Risiko in einer Studiengruppe gegenüber der Vergleichsgruppe. Hier hatten stark Trinkende gegenüber leicht Trinkenden ein um 20% höheres Risiko für früh auftretenden kolorektalen Krebs.
- Bei Männern erhöhte starker gegenüber leichtem Konsum das Risiko für distalen Dickdarmkrebs, nahe dem Enddarm, um 26%, für Enddarmkrebs um 17% und für nicht näher bezeichneten Dickdarmkrebs um 29%. Für proximalen Dickdarmkrebs, nahe dem Dünndarm, galt dies nicht.
- Bei Frauen erhöhte mäßiger Konsum das Risiko für distalen Dickdarmkrebs um 47%. Bei Nichttrinkenden war das Enddarmkrebsrisiko gegenüber leicht Trinkenden um 14% niedriger.
Grenzen der Studie
Zu den Einschränkungen gehört die Selbstauskunft zum Alkoholkonsum. Bei Männern und jüngeren Teilnehmenden fehlten häufiger Daten; außerdem bestand ein mögliches Problem durch mehrfache Vergleiche. Da ausschließlich koreanische Menschen eingeschlossen waren, werden größere Studien mit unterschiedlichen Bevölkerungsgruppen benötigt.
Fazit
Diese bevölkerungsbezogene Beobachtungsstudie liefert Hinweise darauf, dass hoher Alkoholkonsum das Risiko für früh auftretenden kolorektalen Krebs erhöhen könnte. Erforderlich sind wirksame Maßnahmen, die junge Menschen vom Alkoholkonsum abhalten, sowie individuell angepasste Darmkrebs-Früherkennungsverfahren für Menschen mit hohem Risiko.
Quellen
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