Lokale Schmerzen nach Injektion oder Infusion: Ursachen und Warnzeichen

In diesem Artikel
Warum schmerzt mein Arm nach einer Infusion oder Spritze?
Schmerzen an der Injektionsstelle können als Nebenwirkung bestimmter intravenöser (IV) Chemotherapien auftreten. Gemeint sind Beschwerden, Druckempfindlichkeit oder Schmerzen an der Einstichstelle der Vene, über die das Medikament gegeben wird. Meist reizt der Wirkstoff die Gefäßwand. In schwereren Fällen kann eine Extravasation auftreten: Das Medikament tritt aus der Vene in das umliegende Gewebe aus und kann dort erhebliche Schäden verursachen.
Wie äußern sich Schmerzen an der Injektionsstelle?
Je nach Schweregrad können die Beschwerden unterschiedlich sein. Häufig werden sie als stechend, dumpf, brennend oder pochend beschrieben und sind auf die IV-Einstichstelle begrenzt. Hinzukommen können:
- Rötung,
- Schwellung,
- Überwärmung
der betroffenen Stelle.
Ursachen von Schmerzen an der Injektionsstelle
Reizung der Gefäßwand durch das Medikament
- Reizende Medikamente können die innere Gefäßoberfläche entzünden.
- Dies äußert sich durch Schmerzen, Rötung, Brennen und Druckempfindlichkeit.
- Beispiele: Chemotherapeutika wie Paclitaxel, Carboplatin und Cyclophosphamid.
Extravasation (Austritt aus dem Gefäß)
- Dabei tritt das Medikament aus der Vene in umliegendes Gewebe aus.
- Insbesondere gewebeschädigende, sogenannte vesikante Medikamente können dort starke Schmerzen, Schwellung, Rötung und Nekrose verursachen.
- Sofortige Behandlung ist erforderlich.
Gerinnselbildung (Thrombose)
- Ein kleines Blutgerinnsel am Katheter oder im Gefäß kann den Medikamentenfluss behindern oder Druck auf die Gefäßwand ausüben.
- Das kann Schmerzen und Ödeme verursachen.
Ungeeignete Platzierung der Nadel
- Bei einer zu kleinen oder oberflächlichen Vene kann außerhalb des Gefäßes injiziert oder die Gefäßwand durchstochen werden.
- Das verursacht unabhängig vom Wirkstoff mechanische Schmerzen.
Hohe Konzentration oder schnelle Infusion
- Unverdünnte oder zu schnell verabreichte Medikamente können die Gefäße reizen.
Infektion
- An der Kathetereintrittsstelle kann eine lokale Infektion entstehen.
- Dann können Schmerzen mit Rötung, Überwärmung und Sekretaustritt einhergehen.
Schmerzen an der Injektionsstelle können sowohl medikamentöse Ursachen wie Toxizität, Reizung und Extravasation als auch mechanische und gefäßbezogene Ursachen haben. Beim Auftreten muss der Schweregrad beurteilt, nötigenfalls die Infusion gestoppt und eine geeignete Behandlung begonnen werden.

Bei wem treten Schmerzen an der Injektions- oder Infusionsstelle auf?
Solche Schmerzen treten besonders bei Patienten auf, die bestimmte Chemotherapeutika intravenös (IV) erhalten. Das hängt von den Medikamenteneigenschaften, der Gefäßbeschaffenheit des Patienten und der Anwendungstechnik ab.
Bei Patienten mit reizenden oder vesikanten Medikamenten
Reizende Medikamente können die Gefäßwand schädigen sowie Schmerzen und Entzündung auslösen.
Beispiele reizender Medikamente:
- Alkylierende Wirkstoffe: Carboplatin, Cisplatin, Oxaliplatin, Cyclophosphamid, Bendamustin, Carmustin, Dacarbazin, Busulfan, Ifosfamid, Melphalan
- Topoisomerasehemmer: liposomales Doxorubicin, Mitoxantron, Etoposid, Irinotecan, Topotecan
- Taxane: Paclitaxel, Docetaxel, Ixabepilon
- Trastuzumab Emtansin
Vesikante Wirkstoffe können beim Austritt aus dem Gefäß schwere Gewebeschäden verursachen.
- Anthrazykline: Doxorubicin, Daunorubicin, Epirubicin, Idarubicin
- Vincaalkaloide: Vincristin, Vinblastin, Vinorelbin
- Trabectedin
- Oxaliplatin
- Mitomycin
- Dactinomycin
Bei Behandlung mit diesen Medikamenten ist das Schmerzrisiko höher.
Bei vesikanten Medikamenten über einen peripheren Zugang
- Kleine periphere Venen sind empfindlicher als große zentrale Gefäße.
- Ohne zentralvenösen Katheter wie Port, PICC oder Hickman-Katheter ist das Risiko höher.
Bei älteren Menschen
- Mit dem Alter werden Gefäße brüchiger und die venöse Durchblutung schwächer.
- Das erschwert eine gleichmäßige Verteilung des Medikaments im Gefäß.
Bei ungünstiger Venenbeschaffenheit
- Vorschäden durch frühere Chemotherapie, Strahlentherapie oder chronische Erkrankungen erhöhen das Risiko.
Bei schneller Infusion
- Eine rasche Medikamentengabe kann Gefäßreizung und Schmerzen verstärken.
Bei unzureichend verdünnten Medikamenten
- Konzentrierte Wirkstoffe ohne ausreichende Verdünnung oder Flüssigkeitsmenge können die Gefäßoberfläche schädigen.
Bei langfristiger Infusionsbehandlung
- Tägliche oder häufige Infusionen erhöhen durch wiederholte Nutzung der Gefäße deren Empfindlichkeit.
Wie werden Schmerzen an der Infusionsstelle behandelt?
Die Injektion muss sofort gestoppt werden
- Bei Schmerzen, Brennen, Schwellung oder Rötung muss die Infusion unverzüglich unterbrochen werden.
- Medikamentenreste und etwas Blut sollen über den Katheter aspiriert werden, insbesondere bei Extravasationsverdacht.
Lokale Maßnahmen (Kompressen)
- Warme oder kalte Kompressen sind möglich:
- Bei Reizung werden meist kalte Kompressen bevorzugt.
- Bei Extravasation bestimmter Medikamente, etwa Vincristin oder Vinorelbin, werden warme Kompressen empfohlen.
- Kompressen können mehrmals täglich für 15–20 Minuten angewendet werden.
Gezielte Medikamente bei Extravasation
- Beim Austritt bestimmter Wirkstoffe können lokale Gegenmittel oder Mittel zur Wirkstoffverteilung erforderlich sein.
Symptomatische Unterstützung
- Gegen Schmerzen können systemische Analgetika wie Paracetamol oder NSAR eingesetzt werden.
- Bei lokalem Ödem werden Hochlagern des Arms und Schonung empfohlen.
Beobachtung und Nachkontrolle
- Bei Verdacht auf Extravasation oder schwere Reizung sollte der Patient mindestens 24–48 Stunden beobachtet werden.
- Bei Gewebenekrose kann ein chirurgisches Konsil erforderlich sein.
Wie lassen sich Schmerzen an der Infusionsstelle verhindern?
Geeignete Vene auswählen.
- Eine große, stabile Vene mit gutem Blutfluss wählen.
- Kleine, schwache oder bereits genutzte Venen sind riskant.
- Venen oberhalb des Ellenbogens bevorzugen und Handrückenvenen meiden.
Für vesikante Medikamente zentralen Katheter bevorzugen.
Vesikante, also potenziell gewebeschädigende Medikamente möglichst über einen zentralvenösen Katheter geben:
- PICC-Zugang
- Getunnelte Katheter (Hickman, Groshong)
- Implantierte Ports
Die Gabe in ein großes zentrales statt in ein kleines Gefäß verringert das Risiko von Extravasation und Schmerzen.
Katheter geeigneter Stärke (Gauge) verwenden.
- Nadel oder Kanüle mit passendem Durchmesser je nach Medikamentenviskosität und Infusionsdauer wählen.
- Zu dünne Gefäßnadeln können hohen Druck, Gefäßverletzungen und Schmerzen verursachen.
Verdünnung und langsame Infusion
- Medikamente korrekt verdünnen und mit kontrollierter Geschwindigkeit geben.
- Schnelle Infusion verstärkt Gefäßreizung und Schmerzen.
Gefäßkontrolle während der Anwendung
Während der Infusion muss die Pflegekraft
- die Einstichstelle fortlaufend auf Schwellung, Rötung, Brennen und zunehmenden Widerstand kontrollieren.
- Auch Patienten müssen darauf hingewiesen werden, während der Anwendung auf Schmerzen, Brennen oder Stechen zu achten.
Durchgängigkeit des Zugangs vor Infusionsbeginn prüfen.
- Rückaspiration und Spülung mit Kochsalzlösung müssen ungehindert möglich sein.
- Bei Widerstand darf die Infusion nicht begonnen werden.
Schulung und Information
Pflege- und Gesundheitsfachpersonal sollte zum
- Umgang mit vesikanten Medikamenten
- und zu Protokollen zur Extravasationsprävention
regelmäßig geschult werden.
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