Medizinisches Thermometer 1866 – Fieber messen

1612 gehörte der italienische Arzt Santorio Santorio zu den Ersten, die thermometerähnliche Geräte um eine Zahlenskala ergänzten. Seine Geräte lieferten jedoch keine genauen Messwerte, da der Luftdruck die Messungen beeinflusste.
Der deutsche Physiker Daniel Gabriel Fahrenheit erfand 1709 das Alkoholthermometer und 1714 das Quecksilberthermometer. Er bevorzugte Quecksilber, weil es über einen breiten Temperaturbereich einsetzbar war. Außerdem hatte es einen ebenso niedrigen Gefrierpunkt wie Alkohol und einen ausreichend hohen Siedepunkt, um Temperaturen unterhalb und oberhalb des Gefrierpunkts von Wasser zu messen.
Einige frühe klinische Thermometer waren fast einen Fuß (25 cm) lang, was den Transport in der Arzttasche und die Anwendung am Patienten erschwerte. Eine Messung konnte mehr als zwanzig Minuten dauern. Der englische Arzt Thomas Clifford Allbutt erfand 1866 ein nur sechs Zoll (15 cm) langes klinisches Thermometer, das er ständig in der Tasche tragen und so häufig wie ein Stethoskop verwenden konnte.
Ein wichtiger Meilenstein in der Geschichte medizinischer Thermometer war die Arbeit des deutschen Arztes Carl Wunderlich, der 1868 Temperaturdaten von 25000 Patienten veröffentlichte. Im selben Jahr untersuchte der schottische Arzt Thomas Maclagan die Körpertemperatur von Typhus- und Lungenentzündungspatienten.
Wunderlich veröffentlichte nicht nur Temperaturdaten einer großen Patientengruppe, sondern bestimmte auch den „normalen“ Bereich der menschlichen Körpertemperatur. Für ihn lag die normale Temperatur bei etwa 37°C (98,6°F). Diese Werte werden weiterhin allgemein anerkannt. Spätere Studien zeigten jedoch, dass solche „Durchschnittswerte“ zwischen einzelnen Menschen und im Tagesverlauf variieren können.
Elektronische und Infrarottechnologien machten medizinische Thermometer in der zweiten Hälfte des 20. Jahrhunderts schneller und genauer. Besonders seit den 1980er-Jahren verbreiteten sich elektronische Thermometer. Gegenüber Quecksilberthermometern waren sie sicherer und einfacher zu bedienen. Heute werden in medizinischen Thermometern häufig Infrarotsensoren eingesetzt.
Fieber ist eine Reaktion des Körpers auf Infektionen oder andere Krankheiten und meist ein Abwehrmechanismus. Durch die erhöhte Temperatur wird die Vermehrung von Bakterien und Viren erschwert und die Aktivität des Immunsystems gesteigert. Eine erhöhte Körpertemperatur kann deshalb das erste Krankheitszeichen sein und Ärzten helfen, eine Infektion oder andere Erkrankung zu erkennen.
Für bestimmte Krankheiten wurden typische „Fieberkurven“ beschrieben, also Temperaturmuster mit Anstiegen und Abfällen zu bestimmten Zeiten. Beispielsweise weisen Typhus und Malaria charakteristische Fiebermuster auf. Diese unterstützen die Diagnose.
Zur Messung der Körpertemperatur gibt es verschiedene Thermometerarten: orale, rektale, Ohrthermometer für das Trommelfell, Hautoberflächen- und Stirnthermometer für die Schläfenregion. Je nach Altersgruppe und Situation können unterschiedliche Arten besser geeignet sein.
Im Artikel erwähnte historische Persönlichkeiten: Santorio Santorio (1561–1636), Daniel Gabriel Fahrenheit (1686– 1736), Carl Reinhold August Wunderlich (1815–1877), Thomas Clifford Allbutt (1836–1925), Thomas Maclagan (1838–1903)
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Quellen
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