Metformin und Krebsvorbeugung

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Die Krebsforschung entwickelt täglich neue Präventionsstrategien. In den letzten Jahren gewann das gezielte Angreifen des Energiestoffwechsels der Krebszelle an Bedeutung. Das Antidiabetikum (gegen Diabetes wirksame Medikament) Metformin wird hierzu intensiv untersucht; einige positive Ergebnisse wurden berichtet.
Metformin wird bei Typ-2-Diabetes als Erstlinientherapie bevorzugt und hat geringe Nebenwirkungen. Neuere Untersuchungen zeigen, dass es neben seiner starken antidiabetischen Wirkung auch antitumorale (gegen Krebs wirksame) Eigenschaften besitzt.
Das Medikament hat eine interessante Entdeckungsgeschichte: Bei seiner Anwendung gegen Grippe in den 1950er-Jahren fiel die blutzuckersenkende Wirkung auf. Erstmals wurde es 1957 als Diabetesmedikament eingesetzt. Das aus einem Extrakt von Galega officinalis synthetisierte Mittel verringert die Glukoseproduktion der Leber und erhöht dadurch die Insulinempfindlichkeit. Es wird bei Insulinresistenz im Vorstadium des Diabetes, bei Typ-2-Diabetes, nichtalkoholischer Fettleber und polyzystischem Ovarialsyndrom verwendet. Darüber hinaus wird es bei einigen Krebsarten, besonders Brustkrebs, untersucht. Mehr als 1000 wissenschaftliche Studien bewerteten seine Wirkungen bei Diabetes, Adipositas, Herz-Kreislauf-Erkrankungen und Krebs.
Aus diesen Studien zusammengefasst:
- Eine 2009 veröffentlichte Studie stellte bei über 10 Jahre mit Metformin behandelten 8000 Diabetespatienten gegenüber anderen Personen eine um 54 Prozent geringere Krebshäufigkeit fest.
- Eine weitere 2009 veröffentlichte Studie mit 12.000 Krebspatienten beobachtete bei Metforminanwendern gegenüber Anwendern anderer Antidiabetika eine um 30 Prozent geringere Sterberate.
- Eine Studie von 2008 zeigte bei mehr als 36 Monate mit Metformin behandelten Typ2-Diabetespatienten eine um 72 Prozent geringere Krebshäufigkeit.
Neben der krebsvorbeugenden Wirkung wurde auch eine Verlängerung des Überlebens bei Krebspatienten beobachtet. Entsprechende Untersuchungen stellten bei Dickdarm-, Brust- und Lungenkrebspatienten, die mit Metformin begannen, eine deutliche Verlängerung der Lebenszeit fest.
Diabesity und Krebsentstehung: die krebsvorbeugende Rolle von Metformin
Die krebsvorbeugende Wirkung von Metformin ergab sich aus dem Zusammenhang zwischen Adipositas, Diabetes und Krebs. Untersuchungen belegten bei Menschen mit Diabetes ein höheres Risiko für sämtliche Krebsarten als bei Gesunden. Hoher Blutzucker wurde mit Nieren-, Brust- und Hautkrebs in Verbindung gebracht.
Metformin wirkt hauptsächlich durch Aktivierung des Proteins AMPK (Adenosinmonophosphat-Proteinkinase). AMPK lässt sich als Energiesensor des Körpers verstehen. Dieses Protein kontrolliert die Energiemenge der Zelle und entscheidet, ob Fette und Kohlenhydrate gespeichert oder zur Energiegewinnung verwendet werden. Bei stark erhöhtem Blutzucker vermindert es die Zuckerfreisetzung aus der Leber und erhöht die Glukoseaufnahme aus dem Blut. So erhält es die Insulinempfindlichkeit und senkt den Blutzuckerspiegel. Auch die Wirkung von AMPK auf Krebszellen wurde untersucht. AMPK unterbrach deren Nährstoffversorgung und führte zu ihrem Tod. In der ausführlichsten Untersuchung dazu trat bei Zellen im Labor nach Metforminzugabe rasch programmierter Zelltod auf.
Das AMPK-Protein kann durch kalorienarme Ernährung und Bewegung aktiviert werden. Metformin ist einer der einfachsten und sichersten Wege zu seiner Aktivierung. Auch eine Kalorienbeschränkung aktiviert dieses Protein. Klinische Untersuchungen belegten, dass Kalorienbeschränkung das Krebsrisiko senkt und die Lebenszeit erhöht.
Zusammengefasst: In Labor- und klinischen Untersuchungen wurden eine krebsvorbeugende Wirkung sowie eine Verlängerung der Lebenszeit von Krebspatienten durch Metformin beobachtet. Das Verständnis dieser Schutzwirkung ist ein wichtiger Schritt für die Entwicklung von Behandlungen, die den Krebsstoffwechsel angreifen. Dabei darf nicht vergessen werden, dass das blutzuckersenkende Metformin unbedingt auf ärztliche Empfehlung und unter ärztlicher Aufsicht verwendet werden muss.
Quellen
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Breast Cancer Research, 2015, Volume 17, Number 1, Page 1.
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Metformin effects revisited.
Diabetes Res Clin Pract. 2011 Oct 13.
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New users of metformin are at low risk of incident cancer: a cohort study among people with type 2 diabetes.
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Increased cancer-related mortality for patients with type 2 diabetes who use sulfonylureas or insulin.
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Diabetologia. 2009 Sep;52(9):1766-77.
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