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Prof. Dr. Mustafa Özdoğan · Facharzt für medizinische Onkologie
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Orales Mikrobiom und Darmkrebs: Was zeigt die neue Forschung?

Orales Mikrobiom und Darmkrebs: Was zeigt die neue Forschung?
In diesem Artikel

Dickdarm- und Enddarmkrebs sind zusammen weltweit die dritthäufigste Krebsart. Während die Häufigkeit in älteren Altersgruppen zurückgeht, nimmt sie bei jungen Erwachsenen zu. In den letzten Jahren mehren sich Hinweise darauf, dass das Darmmikrobiom eine wichtige Rolle bei der Entstehung von Darmkrebs spielen könnte. Die Rolle des oralen Mikrobioms war dagegen noch nicht ausreichend geklärt. Deshalb war es wichtig, den Einfluss von Mundbakterien auf Darmkrebs zu untersuchen.

Das orale Mikrobiom und Dickdarmkrebs

Eine am 11. März 2025 in der Zeitschrift Cancer veröffentlichte umfassende Studie untersuchte den Einfluss von Mundbakterien auf das Darmkrebsrisiko. Die von Emily Vogtmann geleitete Forschung stützte sich auf drei große Kohorten: die Agricultural Health Study (AHS), die National Institutes of Health–AARP (NIH-AARP) und die Prostate, Lung, Colorectal, and Ovarian (PLCO) Cancer Screening Study.

Insgesamt wurden Mundproben von 3431 Personen untersucht. Nach DNA-Extraktion und Sequenzierung der 16S-ribosomalen RNA wurden Profile des oralen Mikrobioms erstellt.

Was zeigen die Ergebnisse?

Die Studienergebnisse zeigen, dass das orale Mikrobiom  insgesamt bei einer gemeinsamen Analyse von Dickdarm und Enddarm keinen eindeutigen Zusammenhang mit dem Darmkrebsrisiko aufwies.

Bei getrennten Analysen der anatomischen Abschnitte von Dickdarm und Enddarm (proximales Kolon, distales Kolon und Rektum) stellten die Forschenden jedoch fest, dass bestimmte Bakterienarten das Krebsrisiko in einzelnen Abschnitten erheblich beeinflussten:

  • Olsenella-Bakterien erhöhten insbesondere das Risiko für Krebs im distalen Kolon auf das 2,16-Fache.
  • Bakterien der Gruppe Prevotella 2 erhöhten dagegen das Rektumkrebsrisiko um 68%.

Obwohl in der Gesamtbetrachtung kein Zusammenhang erkennbar schien, zeigten die abschnittsbezogenen Analysen somit ein erhöhtes Krebsrisiko durch bestimmte Bakterien in bestimmten Darmregionen.

  • Die mittels UniFrac-Analysen ermittelte Vielfalt des oralen Mikrobioms (Alpha-Diversität) war mit einem erhöhten Risiko für Krebs im distalen Kolon und im Rektum verbunden, während sie das Risiko für Krebs im proximalen Kolon nicht beeinflusste.

Bedeutung der Ergebnisse und klinische Relevanz

Die Autoren betonen, dass die Ergebnisse insbesondere zum Verständnis abschnittsspezifischer Darmkrebsrisiken neue Perspektiven eröffnen. Sie liefern starke Hinweise darauf, dass bestimmte Mundbakterien eine wichtige Rolle bei der Entstehung von Dickdarm- und Enddarmkrebs spielen könnten. Dies könnte künftig neue Aspekte für Diagnose und Risikobewertung eröffnen.

Grenzen der Untersuchung

Die Studie hat einige Einschränkungen. Die Proben wurden nur einmal entnommen; Mundhygienegewohnheiten und Gesundheitszustand wurden nicht dokumentiert. Da die Teilnehmer überwiegend weiß waren und einen hohen sozioökonomischen Status hatten, lassen sich die Ergebnisse möglicherweise nur eingeschränkt auf die Gesamtbevölkerung übertragen.

Fazit und Kommentar

Diese Studie liefert wichtige Hinweise darauf, wie Mundbakterien das Darmkrebsrisiko beeinflussen. Künftige Untersuchungen mit unterschiedlichen Bevölkerungsgruppen und Proben zu mehreren Zeitpunkten könnten den Zusammenhang besser verständlich machen. Eine Einbindung in die klinische Praxis könnte durch regelmäßige Überwachung des oralen Mikrobioms und dessen Berücksichtigung bei der Darmkrebsrisikobewertung erfolgen.

Quellen

Vogtmann E, Yano Y, Zouiouich S, Hua X, Wan Y, Purandare V, Li S, Dagnall CL, Jones K, Hicks BD, Hutchinson A, Caporaso JG, Wheeler W, Huang WY, Freedman ND, Sandler DP, Beane Freeman LE, Liao LM, Gail MH, Shi J, Abnet CC, Sinha R. The human oral microbiome and risk of colorectal cancer within three prospective cohort studies in the United States. Cancer. 2025 Mar 15;131(6):e35802. doi: 10.1002/cncr.35802. PMID: 40069139; PMCID: PMC11896928.
DROZDOGAN KI

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