Osteopathische Medizin 1892 – Manuelle Behandlung

Die Osteopathie ist ein Gesundheitsbereich, der die Rolle des Bewegungsapparats bei der Vorbeugung und Behandlung gesundheitlicher Probleme betont.
Nach dem Bürgerkrieg hatte der Armeechirurg Andrew Taylor Still die meisten seiner Kinder durch Infektionskrankheiten verloren. Daraufhin gründete er 1892 in Kirksville im Bundesstaat Missouri die erste Schule für Osteopathie.
Nach Stills Philosophie wurden die meisten Krankheiten durch Blockaden der Nerven und des Blutflusses verursacht. „Durch Manipulation aus dem Gleichgewicht geratener, verschobener Knochen, Nerven und Muskeln – also durch Beseitigung sämtlicher Hindernisse – könne der Lebensmechanismus eines Menschen in Gang gesetzt und seine Gesundheit wiederhergestellt werden.
In seiner Autobiografie behauptete Still, er könne Scharlach oder Diphtherie aufhalten, indem er ein Kind schüttele. Auch einen Hustenanfall könne er nach eigener Aussage innerhalb von drei Tagen behandeln, indem er den Hals eines Menschen verdrehe. Solche Behauptungen mögen nach heutigen Maßstäben übertrieben erscheinen. Weil mit seinen Methoden jedoch mehr Patienten überlebten als bei anderen Ärzten, konnte er im Vergleich zu den Erfolgen der konventionellen Medizin als erfolgreicher gelten. Die damaligen Operationen und Medikamente waren häufig schädlich. Deshalb bezweifelten viele Menschen die Wirksamkeit gängiger Methoden, bei denen beispielsweise Arsen und Quecksilber in toxischen Mengen eingesetzt wurden.
Heute wird ein in den Vereinigten Staaten ausgebildeter D.O. (Doctor of Osteopathic Medicine) ähnlich wie ein herkömmlicher Arzt ausgebildet und ist rechtlich grundsätzlich einem Arzt mit MD-Abschluss gleichgestellt. In Europa und im Commonwealth werden Osteopathen hingegen nicht als Ärzte anerkannt.
Ein moderner Osteopath in den USA setzt neben herkömmlichen medizinischen Ansätzen und Medikamenten auch Ernährung, Körperhaltung und therapeutische Behandlungen in seiner Praxis ein. Die übertriebenen Behauptungen zur Schmerzlinderung und Behandlung anderer Krankheiten durch kraniale Osteopathie sind heute jedoch stark umstritten. Die kraniale Osteopathie umfasst die Manipulation der Schädelknochen und wird nur von sehr wenigen Osteopathen angewendet.
Im Artikel erwähnte historische Persönlichkeiten: Andrew Taylor Still (1828–1917)
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