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Prof. Dr. Mustafa Özdoğan · Facharzt für medizinische Onkologie
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Protonentherapie ist bei Speiseröhrenkrebs der Photonentherapie (konventionellen Strahlentherapie) überlegen

Protonentherapie ist bei Speiseröhrenkrebs der Photonentherapie (konventionellen Strahlentherapie) überlegen
In diesem Artikel

Speiseröhrenkrebs (Ösophaguskarzinom) ist eine Krebsart, deren Behandlung komplex und schwierig ist und die oft erst in fortgeschrittenen Stadien diagnostiziert wird. Bei der Diagnose können sich etwa 30-40% der Patienten in einem lokal fortgeschrittenen Stadium befinden (Stadium II oder III). In diesen Stadien kann der Krebs über die Speiseröhre hinausgewachsen sein und nahe gelegene Lymphknoten befallen haben, hat sich aber nicht auf andere Organe ausgebreitet.

Die „Standardbehandlung“ bei lokal fortgeschrittenem Speiseröhrenkrebs ist gewöhnlich multimodal, umfasst also mehrere Behandlungsverfahren. Diese werden nachfolgend aufgeführt:

  • Neoadjuvante Chemotherapie und/oder Strahlentherapie: Vor der Operation wird eine Chemotherapie und/oder Strahlentherapie durchgeführt. Dadurch soll der Tumor verkleinert und der chirurgische Eingriff erleichtert werden.
  • Chirurgische Resektion: Ein operativer Eingriff dient der vollständigen oder weitgehenden Entfernung des Tumors. Zu den häufigsten Verfahren zählt die Ösophagektomie (Entfernung eines Teils oder der gesamten Speiseröhre).
  • Adjuvante Therapie: Nach der Operation können eine Chemotherapie und/oder Strahlentherapie eingesetzt werden, um verbliebene Krebszellen zu zerstören oder ein Wiederauftreten des Krebses zu verhindern.

Strahlentherapeutische Verfahren bergen jedoch das Risiko von Nebenwirkungen. Die Wahl zwischen den beiden Hauptarten, Protonen- und Photonentherapie, ist deshalb für die Wirksamkeit und die Nebenwirkungen der Behandlung von entscheidender Bedeutung.

Protonen- und Photonentherapie: Grundlegende Unterschiede

  • Photonentherapie: Mithilfe von Röntgenstrahlen werden Krebszellen bestrahlt. Bei klassischer Strahlentherapie denkt man zuerst an dieses Verfahren.
  • Protonentherapie: Es werden hochenergetische Protonenstrahlen eingesetzt. Protonen geben ihre Energie ab, wenn sie das Zielgewebe erreichen, wodurch das Risiko einer Schädigung gesunder Gewebe sinkt.

Bei welchen Krebsarten bietet die Protonentherapie Vorteile?

Die Protonentherapie wird bei Krebsarten bevorzugt, bei denen ein hohes Risiko einer Strahlenschädigung gesunden Gewebes besteht. Dazu gehören insbesondere Hirntumoren einschließlich Tumoren an der Schädelbasis, Rückenmarkstumoren sowie Kopf-Hals-Tumoren.

Bei manchen Krebsarten, etwa bestimmten Hautkrebsformen und Lymphomen, wurde kein wesentlicher Unterschied zwischen Protonen- und Photonentherapie beobachtet.

Die in diesem Artikel behandelte Metaanalyse zeigt, dass die Protonentherapie bei Speiseröhrenkrebs wirksamer und sicherer als die Photonentherapie ist. Dies könnte neue Perspektiven eröffnen und die Behandlungsmöglichkeiten erweitern.

Die wichtigsten Ergebnisse der Studie

Die Forscher sichteten 45 Studien zur Protonen- und/oder Photonentherapie bei Speiseröhrenkrebs.

  • Insgesamt ist die Photonentherapie gegenüber der Protonentherapie mit einem schlechteren Gesamtüberleben verbunden (Hazard Ratio [HR], 1,31; 95% CI, 1,07-1,61; I^2= 11%).
    • Eine Hazard Ratio von 1,31 bedeutet, dass Patienten mit Photonentherapie ein um 31% höheres Sterberisiko haben als Patienten mit Protonentherapie. 
    • I^2= 11% beschreibt die Heterogenität (Unterschiedlichkeit) zwischen den Studien. Ein niedriger I^2-Wert (0-25% gelten im Allgemeinen als niedrig) zeigt, dass die untersuchten Studien recht gut übereinstimmen. In diesem Fall bestehen also keine großen Unterschiede zwischen den Studien hinsichtlich der schlechteren Ergebnisse der Photonentherapie.
  • Progressionsfreies Überleben (PFS) unterscheidet sich zwischen den Behandlungsgruppen nicht wesentlich (HR, 1,29; 95% CI, 0,87-1,92; I^2= 40%).

Untergruppenanalysen

  • Bei radikal behandelten Patienten zeigte sich nach Photonentherapie ein schlechteres Gesamtüberleben und PFS als nach Protonentherapie.

Der Begriff „radikale Behandlung“ bezeichnet einen aggressiven Therapieansatz mit dem Ziel, den Krebs vollständig zu beseitigen. Bei Speiseröhrenkrebs umfasst dies gewöhnlich die operative Entfernung des tumorbefallenen Speiseröhrenabschnitts und der umgebenden Lymphknoten.

  • Neoadjuvante (vor der Operation durchgeführte) Behandlungen zeigten hinsichtlich des Gesamtüberlebens keinen wesentlichen Unterschied zwischen den Photonen- und Protonengruppen.

Nebenwirkungen

Bei Patienten mit Protonentherapie war das Risiko bestimmter Nebenwirkungen deutlich geringer, darunter:

  • Eine Strahlenpneumonitis (Lungenentzündung) vom Grad 2 oder höher
  • Ein Perikarderguss (Flüssigkeit zwischen den Lungenhäuten) vom Grad 2 oder höher
  • Eine Lymphopenie (Verminderung weißer Blutkörperchen) vom Grad 4 oder höher

Fazit

Die Forscher kamen zu dem Schluss, dass die Protonentherapie Nebenwirkungen verringert und den Krankheitsverlauf verbessert. Sie betonten jedoch, dass diese Ergebnisse „in randomisierten klinischen Studien weiter bestätigt werden“ müssten.

Metaanalysen und Beobachtungsstudien können Einblicke in wichtige Befunde und Tendenzen geben. Ihre Ergebnisse sollten jedoch in der Regel durch randomisierte klinische Studien (RCTs) bestätigt werden. RCTs gelten als „Goldstandard“ zur Bewertung der Wirksamkeit und Sicherheit von Behandlungen, weil die Randomisierung (zufällige Patientenauswahl) Verzerrungen minimiert und die Zuverlässigkeit der Ergebnisse erhöht.

Quellen

Zhou P, Du Y, Zhang Y, et al. Efficacy and safety in proton therapy and photon therapy for patients with esophageal cancer: A meta-analysis. JAMA Netw Open. Published online August 15, 2023. doi:10.1001/jamanetworkopen.2023.28136
DROZDOGAN KI

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Drozdogan-Assistent

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