Risiko für Zweitkrebserkrankungen nach Strahlentherapie bei Brustkrebs mit TP53-Mutation

In diesem Artikel
Strahlentherapie ist ein häufig eingesetztes und wirksames Verfahren zur Behandlung von Brustkrebs. Bei Menschen mit bestimmten genetischen Varianten kann jedoch das Risiko steigen, nach der Behandlung weitere Krebsarten zu entwickeln.
HINWEIS: Eine genetische Variante bezeichnet Unterschiede in der DNA-Sequenz und kann bei jedem Menschen in unterschiedlichen Formen vorliegen. Eine Mutation bezeichnet dagegen eine dauerhafte Veränderung des Erbguts. Jede Mutation ist eine Variante, aber nicht jede Variante ist eine Mutation, da manche Varianten harmlos sein können.
Insbesondere besteht für Menschen mit pathogenen TP53-Varianten das Risiko, nach einer Strahlentherapie Sarkome als Zweitkrebserkrankungen zu entwickeln. Eine am 12. September 2024 in JAMA Oncolgy veröffentlichte Studie untersucht das Risiko für Zweitkrebserkrankungen nach Strahlentherapie bei Brustkrebspatientinnen mit pathogenen TP53-Varianten und erörtert, wie diese Erkenntnisse in der Behandlungsplanung berücksichtigt werden sollten.
Die Bedeutung von TP53
Eine TP53-Mutation entsteht durch eine Veränderung von TP53, einem wichtigen Tumorsuppressorgen, das Zellwachstum und Zellteilung kontrolliert. Bei Menschen mit pathogenen Mutationen dieses Gens neigen Zellen verstärkt zur Krebsentstehung, weil TP53 seine Funktion zur Reparatur von DNA-Schäden oder zur Beseitigung der Zelle verliert. TP53-Mutationen erhöhen nicht nur das Risiko einer einzelnen Krebsart, sondern auch das Risiko für mehrere Krebserkrankungen erheblich. Deshalb ist eine lebenslange Krebsfrüherkennung besonders wichtig. Insbesondere nach Behandlungen wie einer Strahlentherapie könnte das Risiko für Zweitkrebserkrankungen bei diesen Mutationsträgern noch höher sein.
Die JAMA-Studie
Das Risiko für Zweitkrebserkrankungen nach Strahlentherapie bei Brustkrebspatientinnen mit erblichen TP53-Keimbahnvarianten war bislang nicht vollständig geklärt. Um dies zu untersuchen, beurteilten die Forschenden folgende Gruppe mit TP53-Keimbahnvarianten: 91 Brustkrebspatientinnen. Ein Teil von ihnen hatte eine Strahlentherapie erhalten, ein anderer nicht.
- Von den 91 Patientinnen hatten 40 eine Strahlentherapie erhalten und 51 nicht.
- Die bestrahlten Patientinnen hatten höhergradige Tumoren in fortgeschritteneren Stadien und mit stärkerem Befall axillärer Lymphknoten.
- Während einer medianen Nachbeobachtung von 14 Jahren beobachteten die Forschenden die Entstehung von Zweitkrebserkrankungen.
- Insbesondere wurde das Risiko einer Sarkomentstehung bei den bestrahlten Patientinnen untersucht.
Auffällige Ergebnisse: die Auswirkungen pathogener TP53-Varianten
Als wichtigstes Ergebnis der Studie wurde bei Trägerinnen pathogener TP53-Varianten nach Strahlentherapie ein Sarkomrisiko von 8,8% innerhalb von 15 Jahren berechnet. Bei den nicht bestrahlten Patientinnen entstanden keine Sarkome. Sarkome sind eine bestimmte Krebsart; betont wird, dass diese nach einer Strahlentherapie häufiger auftreten.
Risiko für eine beliebige Zweitkrebserkrankung: Bei Trägerinnen pathogener TP53-Varianten wurde das Risiko für eine beliebige Zweitkrebserkrankung innerhalb von 10 Jahren auf 22,5% nach Strahlentherapie und auf 38% ohne Strahlentherapie geschätzt. Diese allgemeinere Aussage umfasst auch andere Zweitkrebserkrankungen neben Sarkomen.
Zusammengefasst: Für eine bestimmte Krebsart wie das Sarkom zeigt sich nach Strahlentherapie ein erhöhtes Risiko (8,8%). Betrachtet man jedoch das Gesamtrisiko einschließlich anderer Zweitkrebserkrankungen neben Sarkomen, besteht sogar ohne Strahlentherapie ein höheres Risiko (38%). Dass der Unterschied bei den bestrahlten Patientinnen statistisch nicht signifikant ist, deutet auf einen begrenzten Einfluss auf das allgemeine Krebsrisiko hin. Nach Strahlentherapie besteht also ein Sarkomrisiko, während der Unterschied beim Gesamtrisiko für Zweitkrebserkrankungen weniger deutlich ist.
Auch beim Gesamtüberleben wurde zwischen Trägerinnen pathogener TP53-Varianten mit und ohne Strahlentherapie kein signifikanter Unterschied beobachtet.
Die Bedeutung der Nutzen-Risiko-Abwägung
Diese Ergebnisse zeigen, dass Nutzen und Risiken einer Strahlentherapie bei Menschen mit pathogenen TP53-Varianten sorgfältig abgewogen werden müssen. Die Autoren betonen das hohe Risiko für Zweitkrebserkrankungen, von denen die meisten nicht mit der Strahlentherapie zusammenhängen. Insbesondere bei Brustkrebs mit hohem Risiko muss der therapeutische Nutzen der Bestrahlung gegen das Risiko einer Zweitkrebserkrankung abgewogen werden.
Einschränkungen der Untersuchung
Die Studie weist einige Einschränkungen auf:
- Die begrenzte Zahl von Patientinnen kann die Übertragbarkeit der Ergebnisse einschränken.
- Die retrospektive Analyse de-identifizierter Daten kann mit Verzerrungen verbunden sein.
- Außerdem reichen die Daten nicht aus, um sämtliche langfristigen Folgen zu erfassen.
Fazit: personalisierte Behandlungsansätze
Diese Studie zeigt, dass bei der Behandlungsplanung für Brustkrebspatientinnen mit pathogenen TP53-Varianten das Risiko für Zweitkrebserkrankungen unbedingt berücksichtigt werden muss. Die Abwägung zwischen dem therapeutischen Nutzen der Bestrahlung und diesem Risiko spielt insbesondere bei diesen genetischen Varianten eine entscheidende Rolle. Personalisierte Behandlungsansätze dürften daher noch wichtiger werden, um solche Risiken möglichst gering zu halten.
Quellen
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