Senken risikoreduzierende Operationen bei Trägerinnen von BRCA-Mutationen das Sterberisiko?

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Bei Trägerinnen von BRCA1 und BRCA2 -Mutationen war der Einfluss risikoreduzierender Operationen (prophylaktische Mastektomie und Salpingo-Oophorektomie) auf das Überleben lange umstritten. Eine große internationale Studie, die auf dem SABCS 2024 vorgestellt und schließlich im Mai 2025 in The Lancet Oncology veröffentlicht wurde, beantwortet diese Frage mit eindrucksvollen und belastbaren wissenschaftlichen Daten.
BRCA-Mutationen und Krebsrisiko
BRCA1 und BRCA2 sind Tumorsuppressorgene, die für die DNA-Reparatur verantwortlich sind. Erbliche Mutationen in diesen Genen erhöhen bei Frauen das Risiko verschiedener Tumorarten, insbesondere von Brust- und Ovarialkrebs (Eierstockkrebs), erheblich. BRCA-Mutationen machen 5-10% aller Brustkrebsfälle aus.
Was sind risikoreduzierende Operationen (prophylaktische Eingriffe)?
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Risikoreduzierende Mastektomie (RRM): Operative Entfernung der Brüste, um der Entstehung von Brustkrebs vorzubeugen.
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Risikoreduzierende Salpingo-Oophorektomie (RRSO): Operative Entfernung der Eierstöcke und der Eileiter.
Die BRCA-BCY-Collaboration-Studie und ihre wichtigsten Ergebnisse
Die Studie BRCA Breast Cancer in the Young (BCY) Collaboration ist eine an 109 Zentren weltweit durchgeführte retrospektive Kohortenstudie.
Zwischen 2000-2020 wurden Frauen mit einer BRCA1- oder BRCA2-Mutation, bei denen vor dem Alter von 40 Jahren invasiver Brustkrebs im Stadium I-III diagnostiziert worden war, untersucht. Insgesamt wurden 5290 Frauen in diese Analyse aufgenommen.

1. Risikoreduzierende Mastektomie (RRM)
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Anzahl der operierten Patientinnen: 2910 (55%)
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Sterberisiko: Abnahme um 35% (aHR: 0,65; 95% CI: 0,53–0,78)
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Mittleres Überleben über 20 Jahre: 17,89 Jahre (RRM) versus 16,65 Jahre (ohne RRM)
2. Risikoreduzierende Salpingo-Oophorektomie (RRSO)
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Anzahl der operierten Patientinnen: 2782 (52,6%)
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Sterberisiko: Abnahme um 42% (aHR: 0,58; 95% CI: 0,48–0,71)
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Mittleres Überleben über 20 Jahre: 17,73 Jahre (RRSO) versus 16,67 Jahre (ohne RRSO)
Diese Ergebnisse zeigen, dass beide chirurgischen Eingriffe einen wesentlichen und unabhängigen Beitrag zum Überleben leisten.
Ergebnisse der Subgruppen
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BRCA1-Trägerinnen und triple-negativer Brustkrebs: Die RRSO zeigte in dieser Gruppe einen deutlicheren Nutzen.
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BRCA2-Trägerinnen und Patientinnen mit luminalen Subtypen: Ein Nutzen war erkennbar, fiel jedoch geringer aus.
Klinische und psychosoziale Schlussfolgerungen
Möglichkeiten einer umfassenderen Beratung
Die Daten dieser Studie unterstützen die Kommunikation zwischen Ärzten und Patientinnen bei Entscheidungen über risikoreduzierende Operationen wesentlich.
Psychologische Auswirkungen
Entscheidungen über RRM und RRSO können insbesondere für junge Frauen erhebliche psychosoziale Folgen haben. Das Empfinden körperlicher Unversehrtheit, Sexualität, Fruchtbarkeit und der Bedarf an sozialer Unterstützung sollten in diesem Prozess sorgfältig berücksichtigt werden.
Fazit und Einordnung
Bei Frauen mit BRCA1/2-Mutationen, die bereits in jungen Jahren an Brustkrebs erkrankt sind, verbessern risikoreduzierende Operationen das Gesamtüberleben signifikant und statistisch überzeugend. Diese Studie kann auch als Meilenstein gelten, da sie die weltweit größte datenbasierte Analyse zu diesem Thema darstellt.
Für ein patientenorientiertes und individuell angepasstes Risikomanagement sollten diese Ergebnisse unbedingt berücksichtigt werden. Genetische Beratung, Operationsplanung, onkologische Nachsorge und psychosoziale Unterstützung sollten multidisziplinär geplant werden.
Quellen
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