Tumorboards verlängern das Überleben von Krebspatienten

In diesem Artikel
Die Vielfalt und Komplexität von Krebs machen Zusammenarbeit notwendig
Entscheidungen in der Krebsbehandlung sind angesichts der wachsenden Zahl an Behandlungsmöglichkeiten und des besseren Verständnisses der genetischen Vielfalt von Krebserkrankungen immer komplexer geworden. Genetische Untersuchungen haben eine Einteilung in zahlreiche zuvor nicht identifizierbare Untergruppen ermöglicht. Auch klinische Studien sollten beim Zugang zu neuen und wirksameren Medikamenten stets berücksichtigt werden. Diese und weitere Faktoren vergrößern die Vielfalt und Komplexität der Behandlungsansätze. Multidisziplinäre Teams mit hoch spezialisierten Fachleuten gewinnen bei diesem anspruchsvollen Prozess an Bedeutung. Die Ergebnisse einer Metaanalyse zum Einfluss von Tumorboards auf das Überleben von Krebspatienten unterstreichen dabei die Rolle dieser fachübergreifenden Zusammenarbeit.
Tumorboards können das Überleben verlängern
Im Journal of the National Cancer Institute erschien am 20. Januar 2023 eine Metaanalyse, der zufolge Krebspatienten länger überleben, wenn ihre Behandlung durch ein Tumorboard gesteuert wird.
Die Metaanalyse umfasst 59 Studien mit insgesamt 134.287 Krebspatienten. Bei 48.467 von ihnen wurde die Behandlung durch ein Tumorboard gesteuert, bei 85.820 war dies nicht der Fall.
An den Tumorboards nahmen teil:
- Internistische Onkologen (58 Studien),
- Strahlentherapeuten (56 Studien),
- Radiologen (55 Studien),
- Chirurgen (55 Studien),
- Pflegefachkräfte (19 Studien),
- Palliativmediziner (15 Studien),
- Ernährungsfachkräfte (14 Studien) und
- Sozialarbeiter (14 Studien).
In allen Studien trat das Tumorboard bei der Diagnose zusammen. In 12 Studien wurden die Besprechungen auch während der Behandlung fortgesetzt.
Bei den Patienten waren folgende Erkrankungen diagnostiziert worden: kolorektaler Krebs (15 Studien), Lungenkrebs (13 Studien), Kopf-Hals-Krebs (6 Studien), Brustkrebs (5 Studien), Speiseröhrenkrebs (5 Studien), Leberkrebs (5 Studien), Bauchspeicheldrüsenkrebs (4 Studien), Magenkrebs (2 Studien), hämatologische Krebserkrankungen (2 Studien), Weichteilsarkome (2 Studien) und andere Krebsarten (5 Studien).
Der durchschnittliche Anteil der Patienten mit systemischer Therapie betrug in der Tumorboard-Gruppe 54% und in der Kontrollgruppe 53%. Eine Strahlentherapie erhielten durchschnittlich 27% beziehungsweise 24%, eine Operation 41% beziehungsweise 33%.
Ergebnisse zum Überleben
Patienten, deren Behandlung durch ein Tumorboard gesteuert wurde, hatten ein längeres Gesamtüberleben als die Kontrollgruppe. Das mediane Gesamtüberleben betrug 30,2 Monate beziehungsweise 19 Monate (Hazard Ratio [HR] 0,67; 95%-KI 0,62-0,71).
Nach zwei Jahren lag der durchschnittliche Anteil der noch lebenden Patienten in der Tumorboard-Gruppe bei 56% und in der Kontrollgruppe bei 46%. Nach fünf Jahren betrugen diese Anteile 56% beziehungsweise 45%.
Die Steuerung durch ein Tumorboard war bei den meisten Krebsarten mit einem verbesserten Gesamtüberleben verbunden, darunter:
- Hämatologische Krebserkrankungen: Verringerung des Sterberisikos um 53% (HR 0,47; 95%-KI 0,30-0,73)
- Hepatozelluläres Karzinom (Leberkrebs): Verringerung des Sterberisikos um 48% (HR 0,52; 95%-KI 0,42-0,66)
- Speiseröhrenkrebs: Verringerung des Sterberisikos um 40% (HR 0,60; 95%-KI 0,45-0,80)
- Lungenkrebs: Verringerung des Sterberisikos um 34% (HR 0,66; 95%-KI 0,59-0,75)
- Brustkrebs: Verringerung des Sterberisikos um 32% (HR 0,68; 95%-KI 0,48-0,94)
- Kopf-Hals-Krebs: Verringerung des Sterberisikos um 28% (HR 0,72; 95%-KI 0,57-0,90)
- Bauchspeicheldrüsenkrebs: Verringerung des Sterberisikos um 24% (HR 0,76; 95%-KI 0,65-0,91)
- Kolorektaler Krebs: Verringerung des Sterberisikos um 22% (HR 0,78; 95%-KI 0,70-0,88)
- Andere Krebsarten: Verringerung des Sterberisikos um 51% (HR 0,49; 95%-KI 0,39-0,64).
Bei Patienten mit Magenkrebs (HR 0,55; 95%-KI 0,26-1,18) oder Weichteilsarkomen (HR 0,33; 95%-KI 0,08-1,35) wurde hingegen kein signifikanter Zusammenhang zwischen der Steuerung durch ein Tumorboard und einem verbesserten Gesamtüberleben festgestellt.
Die folgende Mindmap fasst zusammen, wie Tumorboards das Überleben von Krebspatienten verlängern:

Wie verbessert ein Tumorboard das Überleben?
Der Beitrag von Tumorboards zum verbesserten Gesamtüberleben von Krebspatienten beruht auf einem vielschichtigen, integrierten Ansatz. Dieser verbindet folgende Faktoren:
- Vielfältigere und umfassendere Sichtweisen
- Verringerung menschlicher Fehler
- Koordinierter Behandlungsplan
- Gemeinsame Entscheidungsfindung
- Interdisziplinäre Kommunikation
- Patientenzentrierter Ansatz
- Einbeziehung aktueller Erkenntnisse und Forschungsergebnisse
- Psychosoziale Unterstützung
Quellen
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