Überraschender Zusammenhang der Urin- und Prostatamikrobiota mit Prostatakrebs

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Prostatakrebs ist nach Hautkrebs die häufigste Krebsart bei Männern in entwickelten Ländern. Weltweit sterben jährlich mehr als 250 Tausend Männer daran.
Prostatakrebs zeigt einen heterogenen, wechselhaften klinischen Verlauf. Der nach der Biopsie bestimmte Gleason-Score und weitere Informationen dienen dazu abzuschätzen, ob die Erkrankung aggressiv ist.
Den Krebsverlauf mit Biomarkern vorhersagen
Zur Erkennung aggressiven Prostatakrebses wächst das Interesse an der Bestimmung urinärer Biomarker. Von der Prostata produzierte Moleküle gelangen in den Urin. Das Eindringen von Urin in die Prostata ist bekannt und unterstützt die Annahme eines Prostata-Urin-Kreislaufs.
Bereits identifizierte Urinbiomarker umfassen PCA3, Genexpressionsprofile verschiedener Genkombinationen und die Bewertung der Genmethylierung. Keiner dieser Tests wird jedoch klinisch breit eingesetzt. Es bleibt schwierig, schon bei der ersten Patientenbeurteilung die Prostatakrebs-Risikogruppen und die Krankheitsprogression durch eine geeignete Kombination aus Biomarkern und klinischen Daten zuverlässig vorherzusagen.
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Mikrobiota und Krebsentstehung
Erbliche Faktoren und ethnische Herkunft spielen eine bekannte Rolle bei der Prostatakrebsentstehung; chronische Entzündung wurde ebenfalls als ursächlicher Faktor vorgeschlagen.
Eine chronische Infektion mit Helikobakter pilori ist die wichtigste Ursache der Magenkrebsentstehung. Das fördert die Untersuchung mikrobieller Beteiligung an anderen Krebsarten.
Bakterien sind im Urogenitaltrakt und Prostatagewebe nachweisbar. Aus der Prostata isolierte Bakterien können in Tiermodellen Entzündungen auslösen.
Die Mikroben des Prostatagewebes unterscheiden sich zwischen Patienten mit verschiedenen Gleason-Scores. Auch bestehen Zusammenhänge zwischen Prostatakrebs und unterschiedlichen mikrobiellen Profilen von Urin und Gastrointestinaltrakt.
Eine Übersicht von 2019 untersuchte den Zusammenhang zwischen dem Mikrobiom und Prostataerkrankungen, berichtete aber weiterhin große Herausforderungen:
- Verunreinigung der Proben
- Gewinnung geeigneten Kontrollgewebes
- Klassifikation häufig neu hinzukommender Bakterien
Daraufhin untersuchten Forscher in einem Beitrag in European Urology Oncology unter Verbesserung der genannten Punkte den Zusammenhang zwischen Bakterienvorkommen und Prostatakrebs-Risikogruppen.
Verwendet wurden Urinproben vor einer Biopsie von Patienten der Norfolk and Norwich University Hospitals in England, die wegen Prostatakrebs oder Hämaturie, also Blut im Urin, biopsiert werden sollten, sowie Sekret aus nach Prostatektomie entnommenen Prostatae.
- Zunächst zeigte sich ein signifikanter linearer Zusammenhang zwischen hohen Prostatakrebs-Risikogruppen und bestimmten Bakterien. Der Nachweis erfolgte durch fluoreszenzmikroskopische Analyse bakterieller DNA.
- Zweitens wurde eine Untergruppe mit höherer metastatischer Krankheitslast identifiziert. Daraus entstand das ABBS (Anaerobes Bakterien-Biomarker-Set) aus fünf anaeroben Bakterienarten (siehe Abbildung 1).
- Drittens lieferte die Urinprobenanalyse weitere Hinweise auf die Bedeutung des ABBS. Bakterienbefunde in Prostatektomie-Tumorproben bestätigten diese Bedeutung auch im Gewebe.
Zusammen liefern diese Studien starke Hinweise auf die Rolle bestimmter ABBS im Prostata-Urin-Refluxkreislauf bei der Vorhersage aggressiven Prostatakrebses.

Fazit
Die bisherigen Studien kommen übereinstimmend zum Schluss, dass Mikrobiome in Tumorgewebe oder Blut als Biomarker zur Diagnose und Verlaufsprognose mehrerer Krebsarten dienen können.
Die in dieser Studie identifizierten ABBS-Bakterien wurden auch bei anderen Krebsarten nachgewiesen. Dies könnte helfen, bei der Beurteilung aggressiven Prostatakrebses über die verwendete Methode hinauszugehen.
Weitere Studien müssen klären, ob ABBS-spezifische Bakterien Krebs verursachen, welche pathogenen Vorgänge gegebenenfalls vorliegen und welche potenziellen Behandlungen anaerobe Erreger beseitigen könnten.
Die neue Arbeit verdeutlicht damit die Bedeutung von Bakterien in Urin und Prostata als mögliche prognostische Marker. Zusammen mit früheren Studien bildet sie einen Ausgangspunkt für künftige Untersuchungen ihrer Rolle in Pathogenese und Entwicklung von Prostatakrebs.
Quellen
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