Verursacht COVID-19 Krebs, oder könnte es vor Krebs schützen?

In diesem Artikel
Während der COVID-19-Pandemie entstanden neben den unmittelbaren Gesundheitsproblemen auch Fragen nach den langfristigen Folgen des Virus. Eine davon betrifft COVID-19 und einen möglichen Zusammenhang mit Krebs. Verschiedene Studienergebnisse deuten darauf hin, dass das Virus Krebsentstehung fördern oder in bestimmten Situationen vor Krebs schützen könnte. In diesem Artikel betrachten wir anhand neuer wissenschaftlicher Untersuchungen den Zusammenhang zwischen COVID-19 und Krebs genauer.

Welche möglichen Verbindungen bestehen zwischen COVID-19 und Krebs?
Eine Untersuchung aus dem Jahr 2023 legte nahe, dass COVID-19 mit verschiedenen Krebsarten zusammenhängen könnte.
Analysen genetischer Daten zufolge ist bei Menschen mit einer Veranlagung für einen schweren COVID-19-Verlauf das Risiko folgender Krebsarten erhöht:
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Magenkrebs: Um 24% erhöhtes Risiko
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HER2-positiver Brustkrebs: Um 9% erhöhtes Risiko
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Speiseröhrenkrebs (Ösophaguskarzinom): Geringfügig erhöhtes Risiko
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Kolorektales Karzinom: Geringfügig erhöhtes Risiko
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Kolonkarzinom: Geringfügig erhöhtes Risiko
Eine weitere Studie aus dem Jahr 2024 zeigte, dass eine COVID-19-Infektion und eine Krankenhausaufnahme das Risiko für die Entwicklung eines multiplen Myeloms erhöhen könnten. An diesem Zusammenhang waren Gene mit Bezug zur Immunfunktion wie LZTFL1, MUC4 und OAS1 beteiligt.
Eine 2022 in Brasilien veröffentlichte Fallserie beschrieb drei junge Erwachsene, bei denen 2-3 Monate nach einer COVID-19-Infektion eine hämatologische Krebserkrankung diagnostiziert wurde. Diese Fälle stützen die These, dass COVID-19 latente, also ruhende oder verborgene Krebserkrankungen aktivieren könnte.
Schweres COVID-19 kann auf eine nicht diagnostizierte Krebserkrankung hinweisen
Eine große, 2023 veröffentlichte Studie beobachtete bei intensivmedizinisch behandelten Menschen mit schwerem COVID-19 nach dem Krankenhausaufenthalt ein um 31% erhöhtes Risiko einer Krebsdiagnose. Besonders Diagnosen von Nierenkrebs, hämatologischen Erkrankungen, Kolon- und Lungenkrebs nahmen deutlich zu. Dies führte zu der Vermutung, dass schweres COVID-19 ein Zeichen für bislang unentdeckten Krebs sein könnte.
Kann COVID-19 die Metastasierung von Krebs verstärken?
Eine auf einer Sondertagung der American Association for Cancer Research im Jahr 2024 vorgestellte Untersuchung legte nahe, dass COVID-19 bei Menschen mit Krebs das Risiko von Lungenmetastasen und krebsbedingtem Tod erhöhen könnte. In Versuchen an Mäusen beschleunigte eine COVID-19-Infektion die Ausbreitung von Brustkrebszellen in der Lunge.
Wie könnte COVID-19 Krebs verursachen?
Als mögliche Mechanismen für ein erhöhtes Krebsrisiko durch COVID-19 werden genannt:
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Zytokinsturm und chronische Entzündung: Dies kann die genetische Instabilität erhöhen und dadurch die Tumorentstehung auslösen.
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Störung des Renin-Angiotensin-Aldosteron-Systems: Sie kann durch die Virusinfektion ausgelöst werden und zu Krebs führen.
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Virale Mutagenität: Durch virusbedingte genetische Veränderungen in den Zellen kann die Tumorentstehung gefördert werden.
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Aktivierung verborgener, latenter Krebszellen: Dies kann besonders bei Brustkrebs zur Freisetzung von Faktoren führen, die Lungenmetastasen fördern.
Wie Viren die Krebsentstehung auslösen

Erläuterung der Abbildung: Manche Viren wie HPV, Hepatitis B und C oder EBV können menschliche Zellen infizieren, langfristige Infektionen verursachen und mit der Zeit zur Krebsentstehung führen. Sie entgehen dem Immunsystem und verbleiben im Körper. Können sie sich vermehren und ausbreiten, können sie neue Wirte infizieren.
Nach dem Eintritt in eine menschliche Zelle kann das Virus sein genetisches Material in die Zell-DNA integrieren und sich vermehren. Dabei werden bestimmte Proteine, sogenannte virale Onkoproteine, hergestellt. Diese unterdrücken Mechanismen des Zelltods und lösen eine unkontrollierte Zellvermehrung aus.
Dadurch entstehen abnormale Zellveränderungen: Der Zelltod nimmt ab, die Zellvermehrung zu. Unkontrollierte Teilung führt zur Ansammlung von DNA-Fehlern und genetischer Instabilität. Viren, die der Immunabwehr entgehen, verursachen chronische Entzündungen. Diese und äußere Einflüsse wie begleitende krebserregende Faktoren durch Rauchen oder Alkohol erhöhen die genetische Instabilität weiter. Reaktive Sauerstoffspezies (ROS), die bei chronischer Entzündung entstehen, verstärken DNA-Schäden und beschleunigen Zellveränderungen.
Zusammen können diese Faktoren eine normale Zelle in eine Krebszelle verwandeln. Solche Prozesse können durch bekannte Onkoviren wie HPV, das mit Gebärmutterhalskrebs zusammenhängt, sowie Hepatitis B und C, die mit Leberkrebs verbunden sind, ausgelöst werden. Nun wird untersucht, ob SARS-CoV-2 bei manchen Krebsarten eine ähnliche Wirkung haben könnte.
Könnte COVID-19 vor Krebs schützen?
Interessanterweise deuten manche Untersuchungen auch auf eine mögliche Schutzwirkung von COVID-19 gegen bestimmte Krebsarten hin. Beispielsweise wurde bei Menschen mit einer Veranlagung für schweres COVID-19 ein deutlich geringeres Risiko für Kehlkopfkrebs beobachtet.
Eine weitere Studie von 2024 ergab, dass der Entzündungszustand während COVID-19 die Immunantwort gegen metastatische Tumoren verstärken und zum Rückgang mancher Krebsarten beitragen könnte.
Spontane Tumorrückbildungen nach COVID-19
Eine 2023 veröffentlichte Übersicht berichtete über 14 spontan zurückgebildete Tumoren nach einer SARS-CoV-2-Infektion sowie nach einer COVID-19-Impfung über 2 Fälle einer Regression, also Tumorverkleinerung. Dies legt nahe, dass COVID-19 durch Aktivierung des Immunsystems eine Immunantwort gegen Krebszellen auslösen könnte.
Fazit: Weitere Forschung ist notwendig
Die bisherigen Erkenntnisse zum Zusammenhang zwischen COVID-19 und Krebs sind noch nicht eindeutig. Da Onkogenese lange Zeiträume erfordert, gibt es bisher keine belastbaren Belege dafür, dass SARS-CoV-2 unmittelbar Krebs verursacht. Zugleich müssen die indirekten Auswirkungen der Pandemie auf Krebsdiagnostik und Behandlung berücksichtigt werden. Künftige umfassende Untersuchungen werden helfen, diesen Zusammenhang besser zu verstehen.
Wir werden die aktuellen wissenschaftlichen Entwicklungen zu diesem Thema weiter verfolgen.
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