Was sind Nebennierenmetastasen und bei welchen Krebsarten treten sie häufig auf?

In diesem Artikel
Eine Nebennierenmetastase bezeichnet Krebs, der sich von einer anderen Körperregion in die Nebennieren ausgebreitet hat. In den meisten Fällen können Nebennierentumoren gutartig sein. Krebs aus anderen Körperregionen wie Lunge oder Nieren kann sich jedoch auch in Nebennierentumoren ausbreiten.
Die Nebennieren, medizinisch auch Adrenaldrüsen genannt, sind häufige Absiedlungsorte verschiedener Krebsarten.
Die Nebennieren sind zwei kleine Drüsen, die jeweils oberhalb einer Niere liegen. Sie bilden Hormone wie Adrenalin und Noradrenalin, die wichtige Körperfunktionen wie Herzfrequenz und Blutdruck mitsteuern.

Was ist eine Nebennierenmetastase?
Eine Nebennierenmetastase bezeichnet eine Krebserkrankung, die in einer anderen Körperregion entstanden ist und sich in die Nebennieren ausgebreitet hat. Die Nebennieren gehören zu den häufigsten Orten, an die Krebs streut.
Nebennierenmetastasen können einseitig sein, also nur eine Nebenniere betreffen, oder beidseitig in beiden Nebennieren auftreten.
Welche Symptome können auftreten?
Nebennierenmetastasen verursachen meist keine Beschwerden. Zu den möglichen allgemeinen Symptomen zählen jedoch Schmerzen im Tumorbereich, beispielsweise Rücken- oder Bauchschmerzen.
Sind beide Nebennieren von Metastasen betroffen und mehr als 90% des Drüsengewebes befallen, kann eine Nebenniereninsuffizienz auftreten. Zu deren Symptomen gehören:
- Deutlicher Gewichtsverlust
- Übelkeit
- Müdigkeit und Schwäche
- Bauchschmerzen
- Lethargie, also ein tiefer und anhaltender Schlafzustand
- Fieber
- Bewusstseinstrübung und Verwirrtheit
- Störungen des Elektrolythaushalts
Daneben können allgemeine Symptome einer metastasierten Krebserkrankung im Stadium 4 auftreten:
- Starke Müdigkeit oder Schwäche, die alltägliche Tätigkeiten erschwert
- Schmerzen
- Kurzatmigkeit oder Atembeschwerden
- Unbeabsichtigter Gewichtsverlust
Ursachen und Risikofaktoren
Krebs aus einer anderen Körperregion kann in die Nebennieren streuen und so Nebennierenmetastasen verursachen.
Zu den Krebsarten, die am häufigsten in die Nebennieren streuen können, gehören:
- Lungenkrebs
- Brustkrebs
- Krebserkrankungen des Magen-Darm-Trakts
- Bauchspeicheldrüsenkrebs
- Nierenkrebs
Bei bestimmten Krebsarten kann das Risiko für Nebennierenmetastasen erhöht sein. Eine Studie aus dem Jahr 2020 mit 579 Menschen mit Nebennierenmetastasen zeigte, dass Lungenkrebs sowie Tumoren des Genital- und Harntrakts und des Magen-Darm-Trakts am häufigsten in die Nebennieren streuten.
Diagnose und Behandlung
Nebennierenmetastasen lassen sich mit grundlegenden Untersuchungen zur Krebsdiagnostik erkennen. Etwa 30% bis 70% werden zufällig entdeckt, also bei einer aus anderen Gründen durchgeführten Bildgebung des Bauchraums.
Nebennierenmetastasen können mit folgenden Untersuchungen erkannt werden:
- Bildgebende Untersuchungen wie MRT, CT oder PET-CT, die dabei helfen, zwischen einem gutartigen und einem bösartigen Tumor zu unterscheiden
- Feinnadelbiopsie der Nebennieren, bei der eine Probe zur Untersuchung auf Krebszellen im Labor entnommen wird
- Blutuntersuchungen zur Bestimmung von Cortisol und adrenokortikotropem Hormon (ACTH), die Aufschluss über die Nebennierenfunktion geben können
Die Behandlung der zugrunde liegenden Krebserkrankung ist der wirksamste Weg, Nebennierenmetastasen zu behandeln. Dazu können Chemotherapie, Strahlentherapie oder Immuntherapie gehören.
Wenn sich die Nebennierenmetastase operativ entfernen lässt, kann eine Adrenalektomie durchgeführt werden. Bei einem Nebennierentumor unter 6 Zentimetern wird meist die laparoskopische Operation bevorzugt. Sie ist minimalinvasiv und kann weniger Probleme verursachen als eine offene Operation. Dabei werden kleine Schnitte am Bauch oder Rücken gesetzt. Mit Instrumenten, die über ein Laparoskop, einen dünnen Schlauch, eingeführt werden, wird die Nebenniere entfernt.
Bei größeren Tumoren kann eine offene Operation erforderlich sein, um das Krebsgewebe in einem Stück zu entfernen. Dadurch werden ein Zerfallen des Tumors und die Ausbreitung von Krebs verhindert.
Weitere mögliche Behandlungen sind Strahlung, Hitze oder Kryoablation, also eine Vereisung, um den Tumor zu zerstören.
Allgemeine Aussichten bei Nebennierenmetastasen
Einer Studie aus dem Jahr 2022 zufolge ist die operative Entfernung einer Nebennierenmetastase eine sichere Behandlungsmöglichkeit und kann ein langfristiges Überleben ermöglichen. Eine wegen großer Tumoren oder Metastasen außerhalb der Nebennieren erforderliche offene Operation kann ungünstigere Ergebnisse haben.
Für günstige Aussichten nach einer Adrenalektomie ist unter anderem wichtig, dass sich der Krebs nicht über die Nebennieren hinaus in benachbarte Strukturen ausgebreitet hat. Ein weiterer Faktor ist eine beschwerdefreie Zeit von mehr als sechs Monaten nach der ersten Diagnose der primären Krebserkrankung.
Die allgemeinen Aussichten hängen von der primären Krebsart und dem Ansprechen auf die Behandlung ab.
Laut einer Studie aus dem Jahr 2020 erhöhen folgende Faktoren das Sterberisiko:
- Höheres Alter
- Nebennierenmetastasen, die von Lungenkrebs ausgehen
- Befall beider Nebennieren im Gegensatz zum Befall nur einer Nebenniere
- Keine operative Entfernung der befallenen Nebenniere
Wann sollte ein Arzt aufgesucht werden?
Nebennierenmetastasen können ohne Beschwerden bleiben. Menschen mit Krebs oder einer früheren Krebserkrankung sollten jedoch bei Rücken- oder Bauchschmerzen einen Facharzt aufsuchen. Dabei ist zu beachten, dass diese Symptome auch andere Ursachen haben können. Bei Anzeichen einer Nebenniereninsuffizienz ist es ebenfalls wichtig, unverzüglich ärztliche Hilfe zu suchen:
- Müdigkeit
- Übelkeit
- Gewichtsverlust
- Fieber
- Bewusstseinstrübung und Verwirrtheit
Auch allgemeine Beschwerden, die auf eine Ausbreitung der primären Krebserkrankung hindeuten könnten, sollten ärztlich abgeklärt werden. Dazu zählen:
- Ausgeprägte Müdigkeit oder Erschöpfung
- Unerklärter Gewichtsverlust
- Schmerzen
- Atembeschwerden oder Kurzatmigkeit
Häufig gestellte Fragen
1. Wie hoch ist die Überlebensrate bei metastasiertem Nebennierenkrebs?
Die 2022 veröffentlichten Ergebnisse einer Studie mit 435 Menschen, denen im Zeitraum 2000-2018 Nebennierenmetastasen operativ entfernt worden waren, zeigten, dass etwa ein Drittel nach der Operation 5 Jahre überlebte.
Tumorgröße, primäre Krebsart und Ausbreitung in andere Körperregionen sowie Faktoren wie Alter und allgemeiner Gesundheitszustand können die Überlebensraten ebenfalls beeinflussen.
2. Können Nebennierenmetastasen behandelt werden?
Laut der Studie aus dem Jahr 2022 lassen sich Nebennierenmetastasen behandeln, wenn der gesamte Nebennierentumor mit freien Rändern entfernt werden kann. Dies bedeutet, dass auch die Krebszellen im umliegenden Gewebe entfernt werden. Ein weiterer Faktor ist, ob der Primärtumor operativ entfernt oder erfolgreich behandelt wurde.
3. Wie lange leben Menschen mit Nebennierenkrebs?
Zur Beurteilung betrachten Fachleute die relative 5-Jahres-Überlebensrate der jeweiligen Krebsart. Sie beschreibt den Anteil der Menschen, die 5 Jahre nach der Diagnose noch leben. Nach Angaben der American Cancer Society gelten für Menschen mit der Diagnose Nebennierenkrebs folgende relative 5-Jahres-Überlebensraten:
- Lokal begrenzt (Der Krebs hat sich vom Ursprungsort nicht in umliegendes Gewebe ausgebreitet.) 73%
- Regional (Der Krebs hat sich vom Ursprungsort in nahe gelegene Lymphknoten oder benachbarte Organe ausgebreitet.) 53%
- Fernmetastasiert (Der Krebs hat sich vom Ursprungsort in entfernte Organe oder Gewebe ausgebreitet.) 38%
- Alle Stadien (Alle Krebsstadien gemeinsam betrachtet.) 50%
Zusammenfassung zu Nebennierenmetastasen
Eine Nebennierenmetastase bedeutet, dass Krebs aus einer anderen Körperregion in die Nebennieren gestreut hat. Krebserkrankungen mit Ursprung in Lunge, Brust, Magen-Darm-Trakt oder Nieren können sich in die Nebennieren und weitere Körperregionen ausbreiten. Die Behandlung kann Strahlentherapie, Chemotherapie, die operative Entfernung des Primärtumors oder direkt der Nebennierenmetastase sowie andere Krebstherapien umfassen.
Die erfolgreiche Behandlung des Primärtumors und die vollständige Entfernung des Nebennierentumors können potenziell zur Heilung der Nebennierenmetastase führen.
Quellen
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