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Prof. Dr. Mustafa Özdoğan · Facharzt für medizinische Onkologie
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Welche Nierennebenwirkungen verursachen Krebsimmuntherapien und wie werden sie behandelt?

Welche Nierennebenwirkungen verursachen Krebsimmuntherapien und wie werden sie behandelt?
In diesem Artikel

Immuntherapien sind eine Behandlungsgruppe, die in den letzten Jahren revolutionäre Fortschritte in der Krebsbehandlung ermöglicht hat. Am häufigsten werden Immuncheckpoint-Inhibitoren eingesetzt. Im weiteren Verlauf dieses Artikels bezeichnen wir diese Medikamente kurz als „Immuntherapie“.

Diese Medikamente erhielten ihre erste Zulassung durch die US-amerikanische Arzneimittelbehörde FDA im Jahr 2011. Sie greifen Immuncheckpoints an, damit das Immunsystem Krebszellen bekämpfen kann. Immuncheckpoints sind molekulare Mechanismen, die eine übermäßige Immunreaktion verhindern. Werden sie durch Immuntherapien gehemmt, kann das Immunsystem jedoch überaktiv werden und körpereigenes Gewebe angreifen. Verschiedene Autoimmunreaktionen können dadurch zu immuntherapiespezifischen Nebenwirkungen führen.

Obwohl Immuntherapien im Vergleich zu Chemotherapien und anderen zielgerichteten Medikamenten dafür bekannt sind, weniger Nebenwirkungen zu verursachen, können sie manchmal schwere Nebenwirkungen hervorrufen. Dazu gehören auch Nierennebenwirkungen.

Bedeutung der Nierennebenwirkungen

Mit Immuntherapie verbundene Nierennebenwirkungen sind selten, können aber schwerwiegende klinische Folgen haben. Nierenschäden können die Lebensqualität verringern und die Behandlung erschweren. Deshalb sind eine engmaschige Kontrolle der Nierenfunktion und das frühzeitige Erkennen möglicher Nebenwirkungen bei Patienten unter Immuntherapie besonders wichtig. Dieser Überblick behandelt die Mechanismen, klinischen Befunde, Diagnostik und Behandlungsstrategien solcher Nierennebenwirkungen.

Wie häufig sind Nierennebenwirkungen unter Immuntherapie?

Nierennebenwirkungen durch Immuncheckpoint-Inhibitoren sind im Allgemeinen selten; schwere Fälle können jedoch vorkommen. Eine Metaanalyse mit 10 Tausend Patienten berichtete:

  • Die Häufigkeit von Nierentoxizität jeglichen Grades betrug 1,2%.
  • Niedriggradige Nierentoxizität der Grade 1-2 trat bei etwa 0,7% auf,
  • hochgradige Nierentoxizität der Grade 3-4 bei etwa 0,6%.

Andere Untersuchungen berichten jedoch bei kombinierter Immuntherapie, vorbestehender Nierenerkrankung oder Begleiterkrankungen eine Häufigkeit von Nierennebenwirkungen bis zu 7%.

Diese Daten unterstreichen, dass Nierennebenwirkungen unter Immuntherapie selten sind, aber sorgfältig überwacht werden müssen.

Immuncheckpoint-Inhibitoren und Nierennebenwirkungen

1. Wirkmechanismus der Immuncheckpoint-Inhibitoren

  • PD-1/PD-L1-Signalweg
    • Protein 1 des programmierten Zelltods (PD-1) und Ligand 1 (PD-L1) sind wichtige Checkpoints zur Regulation der Immunantwort. Die PD-1/PD-L1-Wechselwirkung hemmt die T-Zell-Aktivität und verhindert so Autoimmunreaktionen. Krebszellen können diesen Signalweg jedoch nutzen, um dem Immunsystem zu entgehen. PD-1-Inhibitoren wie Pembrolizumab und Nivolumab sowie PD-L1-Inhibitoren wie Atezolizumab und Durvalumab verhindern diese Wechselwirkung und ermöglichen T-Zellen den Angriff auf Krebszellen.
  • CTLA-4-Signalweg
    • Das zytotoxische T-Lymphozyten-Antigen-4 (CTLA-4) ist ein weiterer Checkpoint, der die T-Zell-Aktivierung hemmt. CTLA-4-Inhibitoren wie Ipilimumab blockieren diesen Signalweg, steigern dadurch die T-Zell-Aktivierung und verstärken die Antitumorantwort.

2. Mechanismen der Nierennebenwirkungen

  • Autoimmunreaktionen
    • Immuncheckpoint-Inhibitoren können Autoimmunreaktionen auslösen. Dabei greift das Immunsystem Nierengewebe an und verursacht Entzündungen.
  • Entzündungsmechanismen
    • Entzündungsreaktionen in den Nieren können zu interstitieller Nephritis und Glomerulonephritis führen. Diese Mechanismen entstehen durch den Angriff von Immunzellen auf das Nierengewebe.
  • Ablagerung von Immunkomplexen
    • Die Ablagerung von Immunkomplexen in den Nierenglomeruli kann eine Ursache der Glomerulonephritis sein. Diese aus Antikörpern und Antigenen gebildeten Komplexe lösen Entzündungen aus.

3. Klinische Symptome und Diagnostik

Erhöhte Serumkreatinin- und BUN-Werte können auf eine Nierenschädigung hinweisen. Wichtige Urinbefunde sind außerdem Proteinurie und Hämaturie.

Welche Erkrankungen können entstehen?

  • Akute interstitielle Nephritis (AIN)
    • Die akute interstitielle Nephritis ist durch eine Entzündung des Niereninterstitiums gekennzeichnet. Sie wird häufig durch den Nachweis weißer Blutkörperchen im Urin diagnostiziert. Als Nebenwirkung der Immuntherapie tritt diese Erkrankung am häufigsten auf. Mögliche Zeichen sind eine Verschlechterung der Nierenfunktion, Eiweiß und Leukozyten im Urin, eine erhöhte Eosinophilenzahl im Blut und Fieber.
  • Akute Tubulusnekrose (ATN)
    • Eine akute Tubulusnekrose entsteht durch eine Schädigung der Nierentubuli und äußert sich klinisch als akutes Nierenversagen.
  • Glomerulonephritis
    • Die Glomerulonephritis ist durch Entzündung und Schädigung der Glomeruli gekennzeichnet. Klinisch zeigen sich Proteinurie, Hämaturie und eine gestörte Nierenfunktion.

Bildgebung und Biopsie

Die Nierenbiopsie ist ein wichtiges Verfahren zur Sicherung der Diagnose. Sie kann eine interstitielle Entzündung, Tubulusschäden oder eine glomeruläre Erkrankung zeigen.

Wie sollten Nierennebenwirkungen behandelt werden?

Das Vorgehen bei der Behandlung von Nierennebenwirkungen wird nachfolgend Schritt für Schritt beschrieben, als Algorithmus zum Umgang mit Nierentoxizität:

Schritt Maßnahme
1. Erste Beurteilung Erheben Sie eine ausführliche Anamnese, führen Sie eine körperliche Untersuchung durch und veranlassen Sie Ausgangslaboruntersuchungen wie Serumkreatinin, BUN, Urinanalyse und Nierenfunktionstests.
2. Einteilung des Schweregrads Stufen Sie die Nierentoxizität nach CTCAE ein:

Grad 1: Serumkreatininanstieg auf > ULN (oberer Normgrenzwert) bis 1,5x ULN

Grad 2: Serumkreatininanstieg auf > 1,5-3,0x ULN

Grad 3: Serumkreatininanstieg auf > 3,0x ULN oder Anstieg > 4,0 mg/dL

Grad 4: Lebensbedrohliche Folgen; Dialyse erforderlich
3. Leichte Toxizität (Grad 1) Führen Sie die Immuntherapie fort und überwachen Sie den Patienten engmaschig. Erhöhen Sie die Häufigkeit der Nierenfunktionstests. Informieren Sie den Patienten über Anzeichen und Symptome, auf die er achten sollte.
4. Mittelschwere Toxizität (Grad 2) Unterbrechen Sie die Immuntherapie und beginnen Sie eine Kortikosteroidbehandlung, beispielsweise mit Prednison 0,5-1 mg/kg/Tag. Überwachen Sie die Nierenfunktion engmaschig. Tritt nach 1 Woche keine Besserung ein, erhöhen Sie die Steroiddosis und erwägen Sie zusätzliche Immunsuppressiva wie Mycophenolatmofetil.
5. Schwere Toxizität (Grad 3-4) Beenden Sie die Immuntherapie dauerhaft. Beginnen Sie eine hoch dosierte Kortikosteroidbehandlung, beispielsweise mit Methylprednisolon 1-2 mg/kg/Tag. Erwägen Sie bei unklarer Diagnose eine Nierenbiopsie. Ergänzen Sie bei therapieresistenter Toxizität weitere Immunsuppressiva wie Mycophenolatmofetil, Azathioprin oder Tacrolimus.
6. Erwägung einer Wiederaufnahme Bei leichter bis mittelschwerer Toxizität kann eine Wiederaufnahme der Immuntherapie erwogen werden, wenn sich die Nierenfunktion normalisiert und der Patient stabilisiert hat. Bei Wiederbeginn kann die gleichzeitige Gabe von niedrig dosiertem Prednison empfohlen werden.

Risikofaktoren erkennen und überwachen

  • Begünstigende Faktoren
    • Vorbestehende Nierenerkrankungen, höheres Alter und gleichzeitig angewendete nephrotoxische Medikamente können das Risiko von Nierennebenwirkungen während einer Immuntherapie erhöhen.
  • Überwachung der Patienten
    • Die Nierenfunktion von Patienten unter Immuntherapie sollte regelmäßig kontrolliert werden. Serumkreatinin und Urinuntersuchungen sollten während der Behandlung in regelmäßigen Abständen erfolgen.

Fazit

Der Erfolg der Immuntherapie in der Krebsbehandlung steht außer Frage. Dennoch müssen mögliche Nierennebenwirkungen berücksichtigt werden. Durch Immuncheckpoint-Inhibitoren verursachte Nierennebenwirkungen sind zwar gewöhnlich selten, schwere Fälle dürfen jedoch nicht übersehen werden. Regelmäßige Kontrollen der Nierenfunktion und ein frühzeitiges Eingreifen bei Nebenwirkungen sind entscheidend, damit die Behandlung erfolgreich fortgeführt werden kann. Eine wirksame Zusammenarbeit zwischen Onkologen und Nephrologen spielt deshalb bei der Diagnose und Behandlung dieser Nebenwirkungen eine zentrale Rolle.

Quellen

1. Righini, M.; Mollica, V.; Rizzo, A.; La Manna, G.; Massari, F. Renal Toxicities in Cancer Patients Receiving Immune-Checkpoint Inhibitors: A Meta-Analysis. J. Clin. Med. 2022, 11, 4373. https://doi.org/10.3390/jcm11154373

2. Ping Zhou, Ying Gao, Zhijuan Kong, Junlin Wang, Shuxuan Si, Wei Han, Jie Li, Zhimei Lv, and Rong Wang, "Immune checkpoint inhibitors and acute kidney injury," Frontiers in Immunology, vol. 15, 23 February 2024, doi: 10.3389/fimmu.2024.1353339.
DROZDOGAN KI

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Drozdogan-Assistent

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