Allgemeinanästhesie 1842 – Ein Mittel gegen die Qual

Die schreckliche Wirklichkeit chirurgischer Eingriffe vor der Anästhesie lässt sich kaum vergessen. In unserer modernen Welt tun wir dies vermutlich dennoch.
Die bekannte Roman- und Bühnenautorin Fanny Burney aus dem 19. Jahrhundert musste die Schmerzen einer Mastektomie, also einer Brustkrebsoperation, mit lediglich einem Glas Wein ertragen. Sie wurde von sieben Männern festgehalten, die um den Operationstisch standen. Über jenen Tag berichtete Burney:
„Als der schreckliche Stahl, das Skalpell, zum ersten Mal in die Brust eindrang und gleichzeitig Venen, Arterien, Fleisch und Nerven durchtrennte, begann ich zu schreien und schrie während des gesamten Schnitts ununterbrochen weiter. Als ich später spürte, wie das Messer über das Brustbein glitt, erkannte ich, dass nun das Schaben begonnen hatte. Der ganze Vorgang war buchstäblich Folter, und ich konnte nichts anderes tun als schreien.“
Allgemeinanästhesie ist ein Zustand der Bewusstlosigkeit, in dem Medikamente einem Patienten einen schmerzfreien chirurgischen Eingriff ermöglichen. Frühe Formen der Betäubung mit Opium reichen bis in vorgeschichtliche Zeiten zurück. Schamanen der Inka verwendeten Kokablätter, um einen bestimmten Körperbereich örtlich zu betäuben. Die Entdeckung einer für moderne Operationen geeigneten Allgemeinanästhesie wird jedoch meist drei Amerikanern zugeschrieben: dem Arzt Crawford W. Long und den Zahnärzten Horace Wells und William Morton.
- 1842 entfernte Long eine Zyste am Hals eines Patienten, während dieser Äther einatmete.
- 1844 verwendete Wells das allgemein als „Lachgas“ bekannte Distickstoffmonoxid bei zahlreichen Zahnextraktionen.
- Morton wurde 1846 durch eine öffentliche Vorführung bekannt und kam in die Zeitungen: Ein von ihm unterstützter Chirurg verwendete Äther, um einen Tumor aus dem Kiefer eines Patienten zu entfernen. 1847 kam auch Chloroform zum Einsatz, das jedoch höhere Risiken als Äther aufwies. Nach Mortons Anwendungen verbreitete sich der Einsatz von Anästhetika rasch.
1847 schrieb Johann Friedrich Dieffenbach, ein Pionier der plastischen Chirurgie:
„Der wunderbare Traum, dass uns der Schmerz genommen wird, ist Wirklichkeit geworden. Schmerz ist nicht nur das höchste Bewusstsein unseres irdischen Daseins, sondern auch die deutlichste Empfindung dafür, wie weit unser Körper von Vollkommenheit entfernt ist. Nun muss der Schmerz sich der vom Menschen entdeckten Kraft des Ätherdampfs beugen.“
Erläuterung der Artikelabbildung: Der Einsatz von Anästhetika
Im Artikel erwähnte historische Persönlichkeiten: Frances Burney (1752–1840), Johann Friedrich Dieffenbach (1795–1847), Crawford Williamson Long (1815–1878), Horace Wells (1815–1848), William Thomas Green Morton (1819–1868)
Quellen
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