Bluttransfusion 1829 – Der Kampf gegen Blutverlust

Der Chirurg Raymond Hurt: „Auch wenn die Bluttransfusion ihr volles Potenzial erst mit der Entdeckung der Blutgruppen und eines zufriedenstellenden Antikoagulans (Blutverdünnungsmittels) entfalten konnte, ist ihre Geschichte eine faszinierende Erzählung voller Höhen und Tiefen.“
Als Bluttransfusion (Blutübertragung) bezeichnet man die Übertragung von Blut oder Blutbestandteilen von einem Menschen auf einen anderen, gewöhnlich zur Bekämpfung von Blutverlust bei Verletzungen oder Operationen. Bluttransfusionen sind auch bei der Behandlung verschiedener Erkrankungen wie Hämophilie und Sichelzellanämie erforderlich. Manche Patienten benötigen sogar lebenslang Bluttransfusionen.
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In den 1600er-Jahren wurden in Europa zahlreiche Bluttransfusionen „von Tier zu Tier“ und „vom Tier zum Menschen“ versucht. Als Urheber der ersten erfolgreichen Bluttransfusion von einem Menschen auf einen anderen gilt jedoch der britische Geburtshelfer James Blundell. Blundell begann sowohl, die Kunst der Transfusion auf eine wissenschaftliche Grundlage zu stellen, als auch, neues Interesse an einem im Allgemeinen als sehr unsicher angesehenen Verfahren zu wecken.
Blundell setzte 1818 mehrere Spender ein, um einen Mann zu behandeln, der an Magenkrebs im Sterben lag; der Mann starb jedoch zwei Tage später. 1829 übertrug er einer Frau, die nach einer Geburt stark blutete, das Blut ihres Mannes. Die Frau überlebte, und dies gilt als erster dokumentierter Fall einer erfolgreichen Transfusion.
Blundell erkannte bald, dass eine hohe Zahl von Transfusionen bei einem Menschen zu Nierenschäden und zum Tod führte.
- Die Transfusionen begannen sicherer zu werden, als der österreichische Arzt Karl Landsteiner 1900 drei Blutgruppen (A, B und O) entdeckte und feststellte, dass Transfusionen zwischen Menschen derselben Blutgruppe gewöhnlich sicher waren.
- Kurz darauf wurde eine vierte Blutgruppe namens AB entdeckt.
- Mit der Entwicklung der elektrischen Kühltechnik öffneten in den 1930er-Jahren die ersten „Blutbanken“.
- Rh wurde 1939 als Blutfaktor entdeckt; danach wurden gefährliche, durch Transfusionen bedingte Blutreaktionen selten.
Es gab auch Zeiten, in denen Vorurteile Transfusionen einschränkten. So wurden in den 1950er-Jahren in Louisiana Ärzte als Straftäter angesehen und vor Gericht gestellt, wenn sie einem weißen Menschen ohne Erlaubnis Blut eines schwarzen Menschen – „schwarzes Blut“ – verabreichten.
Die bei Bluttransfusionen verwendeten Techniken und Technologien entwickeln sich im Laufe der Zeit weiter. Heute ist es üblich, Blutbestandteile zu trennen und nur die benötigten Komponenten zu übertragen. Braucht ein Patient beispielsweise ausschließlich rote Blutkörperchen, Blutplättchen oder Plasma, können diese Bestandteile einzeln gegeben werden. Dadurch wird Blut wirksamer genutzt, und in manchen Fällen sinken die mit einer Transfusion verbundenen Risiken für Patienten. Darüber hinaus werden modernere Screening- und Testverfahren eingesetzt, um das Infektionsrisiko bei Bluttransfusionen zu senken. Schließlich wird auch an der Entwicklung künstlicher Blutprodukte geforscht, die als Alternative zu Bluttransfusionen dienen könnten. Solche Produkte könnten bei begrenzten Blutvorräten oder beim Fehlen geeigneter Spender eine wichtige Möglichkeit bieten.
Beschreibung des Artikelbildes: Kolorierte Darstellung: The Transfusion of Blood—An Operation at the Hôpital de la Pitié (1874), Harper’s Weekly.
Im Artikel erwähnte historische Persönlichkeiten: James Blundell (1791–1878), Karl Landsteiner (1868–1943)
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