Chemotherapie nützt auch älteren Menschen mit Bauchspeicheldrüsenkrebs

In diesem Artikel
Bauchspeicheldrüsenkrebs wird meist nach dem 65. Lebensjahr diagnostiziert; das mediane Diagnosealter liegt bei 70 Jahren. Bei der Diagnose ist die Erkrankung häufig bereits fortgeschritten, hat sich also über die Bauchspeicheldrüse hinaus ausgebreitet. In diesem Stadium sind die Behandlungsmöglichkeiten begrenzt und eine Operation ist meist nicht möglich. Dies beeinträchtigt den Behandlungsverlauf und die Überlebensraten.
Derzeitige Standardbehandlung
Die Behandlung hängt vom Krankheitsstadium und vom allgemeinen Gesundheitszustand ab. In frühen Stadien ist die Operation die wirksamste Methode. Bei einer Diagnose im fortgeschrittenen Stadium ist sie jedoch meist nicht möglich, sodass die Chemotherapie die Grundlage der Behandlung bildet. In seltenen Fällen können Patienten mit Bauchspeicheldrüsenkrebs anhand der Ergebnisse genomischer und genetischer Tests von zielgerichteten Therapien oder einer Immuntherapie profitieren. Zu den häufigsten Chemotherapieschemata zählen FOLFIRINOX (eine Kombination aus 5-FU, Leucovorin, Irinotecan und Oxaliplatin) sowie die Kombination aus Gemcitabin und nab-Paclitaxel.
Die auf der ASCO 2024 vorgestellte GIANT-Studie
Die auf der ASCO 2024 vorgestellte randomisierte Phase-2-Studie GIANT liefert wichtige Erkenntnisse für ältere Patienten mit bislang unbehandeltem metastasiertem Bauchspeicheldrüsenkrebs.
-
Auswahl der Patienten:
- In die Studie wurden Patienten ab 70 Jahren aufgenommen.
- Die Patienten wurden anhand einer geriatrischen Beurteilung als „fit“ (ohne geriatrische Auffälligkeiten), „vulnerabel“ (leichte bis mäßige Auffälligkeiten) oder „gebrechlich“ (schwere Auffälligkeiten) eingestuft.
-
Behandlungsgruppen:
- „Fitte“ Patienten: Sie erhielten außerhalb der Studie die Standardbehandlung.
- „Gebrechliche“ Patienten: Sie erhielten außerhalb der Studie unterstützende Behandlung.
- „Vulnerable“ Patienten:
- 176 Patienten wurden nach dem Zufallsprinzip zwei Behandlungsgruppen zugeteilt:
- Dosisreduziertes 5-Fluorouracil (5-FU), Leucovorin und liposomales Irinotecan (88 Patienten).
- Modifiziertes Gemcitabin und nab-Paclitaxel (88 Patienten).
- 79 Patienten begannen die 5-FU-Kombination, 75 die Behandlung mit Gemcitabin und nab-Paclitaxel.
- 176 Patienten wurden nach dem Zufallsprinzip zwei Behandlungsgruppen zugeteilt:
-
Beurteilung und Nachbeobachtung:
- Die Patienten wurden alle 8 Wochen bis zum Fortschreiten der Erkrankung oder bis zur Unverträglichkeit untersucht.
- Das mediane Alter während der Studie betrug 77 Jahre.
- 61,9% der Teilnehmer waren mindestens 75 Jahre alt.
- Etwa die Hälfte waren Frauen, 81,5% waren weiß.
- Die meisten (87,5%) hatten einen Performance-Status von 0 oder 1.
Ergebnisse:
- Gesamtüberleben: Das mediane Gesamtüberleben betrug im Gemcitabin/nab-Paclitaxel-Arm 4,7 Monate und in der Gruppe mit der 5-FU-Kombination 4,4 Monate.
- Fortführung der Behandlung: Bei Patienten, die mindestens zwei Behandlungszyklen erhielten, stieg das mediane Überleben auf 8,0 Monate.
- Performance-Status: Patienten mit einem Performance-Status von 2 hatten ein deutlich schlechteres Überleben als jene mit einem Performance-Status von 0 (1,4 gegenüber 6,9 Monaten).
- Nebenwirkungen: Mehr als die Hälfte der Patienten erlebte Nebenwirkungen des Grades 3 oder höher. Die Nebenwirkungsprofile unterschieden sich zwischen den Behandlungsschemata: Unter Gemcitabin plus nab-Paclitaxel trat häufiger eine periphere Neuropathie auf, unter der 5-FU-Kombination häufiger Durchfall.
Wichtige Schlussfolgerungen
Die Studie zeigte, dass ältere, vulnerable Patienten die Behandlung nur eingeschränkt vertrugen und viele sie nicht beginnen oder abschließen konnten. Für Patienten, die die Behandlung vertragen, bieten beide Chemotherapieschemata jedoch geeignete Möglichkeiten. Zudem wurde betont, dass eine geriatrische Beurteilung wichtiger ist als die alleinige Betrachtung des Performance-Status. So lassen sich Patienten, die eine Behandlung vertragen können, möglicherweise besser erkennen und geeignete Behandlungsstrategien entwickeln.
Quellen
DOI:10.1200/JCO.2024.42.16_suppl.4003
War dieser Artikel hilfreich?
Ihre Rückmeldung hilft uns, unsere Inhalte zu verbessern.




Leserkommentare
Kommentar verfassen
Ihr Name und Ihr Kommentar werden erst nach Freigabe durch die Administration veröffentlicht. Ihre E-Mail-Adresse wird Besuchern niemals angezeigt.
Schreiben Sie den ersten Kommentar.