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Prof. Dr. Mustafa Özdoğan · Facharzt für medizinische Onkologie
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Die Stärke der aktiven Überwachung bei frühem Prostatakrebs

Die Stärke der aktiven Überwachung bei frühem Prostatakrebs
In diesem Artikel

Welche Behandlung für Patienten mit neu diagnostiziertem frühem Prostatakrebs gewählt werden sollte, bleibt eine wichtige Frage der Onkologie. Auch Patienten suchen hierzu oft unterschiedliche Ärzte und Fachabteilungen auf.

Für Prostatakrebs, der die Prostata noch nicht überschritten hat, also im frühen Stadium, gibt es 3 Hauptoptionen: Operation, Strahlentherapie und aktive Überwachung. Frühere Studien ließen bereits vermuten, dass Ärzte und Patienten mit der Entscheidung für eine aktive Überwachung anstelle radikaler Verfahren wie Operation oder Bestrahlung nicht falschliegen. Neue, belastbare Erkenntnisse aus der großen Studie ProtecT (Prostate Testing for Cancer and Treatment) bestätigen nun, dass Patienten mit frühem Prostatakrebs auch bei aktiver Überwachung gute langfristige Ergebnisse erwarten können.

ProtecT sollte die am besten geeignete Behandlung bei frühem Prostatakrebs ermitteln. Patienten mit lokalisiertem, auf die Prostata begrenztem Krebs mit niedrigem oder mittlerem Risiko wurden zufällig einer Operation, Strahlentherapie oder aktiven Überwachung zugeteilt.

Aktive Überwachung bei Prostatakrebs wird bei niedrigem und gelegentlich mittlerem Risiko empfohlen. Dabei wird der Verlauf eng beobachtet, um bei Bedarf eine Behandlung einzuleiten. Dahinter steht die Überlegung, dass nicht jeder Patient eine aggressive Therapie braucht. Da Prostatakrebs häufig langsam wächst, lassen sich so unter Umständen Nebenwirkungen vermeiden. Die Überwachung umfasst regelmäßige PSA-Tests und gegebenenfalls eine erneute Biopsie. Ein plötzlicher PSA-Anstieg oder ein stetiger Aufwärtstrend kann auf eine Progression und die Notwendigkeit einer erneuten Biopsie hinweisen. Zeigen sich unter aktiver Überwachung Hinweise auf ein Fortschreiten, können Ärzte eine intensivere Behandlung wie Operation (Prostatektomie), Strahlentherapie oder Hormontherapie empfehlen. Die aktive Überwachung ist ein wichtiger Ansatz, um die Lebensqualität zu erhalten und unnötige Behandlungskomplikationen bei der Betreuung von Prostatakrebspatienten zu vermeiden.

Eine besonders umfassende Langzeitstudie

In dieser britischen Studie wurden zwischen 1999 und 2009 mehr als 82000 Männer mittels prostataspezifischem Antigen (PSA) untersucht.

Bei 2664 der untersuchten Männer wurde ein lokalisierter Prostatakrebs diagnostiziert. Aus dieser Gruppe wurden 1643 Männer für die zufällige Zuteilung zu radikaler Prostatektomie, Strahlentherapie oder aktiver Überwachung ausgewählt.

Lokalisierter Prostatakrebs umfasst Patienten mit niedrigem und mittlerem Risiko:

  • Niedriges Risiko: Stadium T1-T2a, Gleason-Score ≤6 und PSA ≤10
  • Mittleres Risiko: Stadium T2b und/oder Gleason-Score =7 und/oder 10< PSA ≤20

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Studienergebnisse

Bei einer durchschnittlichen Nachbeobachtung von 15 Jahren gab es zwischen den Behandlungsgruppen keine signifikanten Unterschiede bei der prostatakrebsbedingten oder der Gesamtsterblichkeit.

Vergleich der Überlebensraten verschiedener Behandlungsgruppen in ProtecT

Die aktive Überwachung ermöglichte es, Therapienebenwirkungen zu vermeiden und die Lebensqualität zu bewahren. Radikale Behandlungen wie Operation und Strahlentherapie können durch Harninkontinenz, Sexualfunktionsstörungen und Darmprobleme die Lebensqualität beeinträchtigen. Die aktive Überwachung ist deshalb ein wichtiger Ansatz, der bei der Prostatakrebsbehandlung berücksichtigt werden sollte: Sie erhält Lebensqualität und vermeidet unnötige Behandlungskomplikationen.

Radikale Behandlungen mit Prostatektomie oder Strahlentherapie halbierten gegenüber der aktiven Überwachung die Häufigkeit von Metastasen, lokalem Fortschreiten und langfristiger Androgenunterdrückung. Nach 15 Jahren führten diese Verringerungen jedoch nicht zu Unterschieden in der Sterblichkeit. Das unterstreicht den langen natürlichen Verlauf dieser Erkrankung.

Die Studie wurde am 11. März 2023 online im New England Journal of Medicine veröffentlicht. Gleichzeitig wurden die Daten auf dem Kongress der European Association of Urology (EAU) in Mailand, Italien, vorgestellt.

Fazit und Einordnung

Dass ein Fortschreiten unter aktiver Überwachung nicht zu höherer Sterblichkeit führte, ist für Ärzte und Patienten überraschend und ermutigend.

Die ProtecT-Ergebnisse sind für fundierte Entscheidungen über die Prostatakrebsbehandlung wichtig. Laut Studie ist die aktive Überwachung bei frühem Prostatakrebs sicher und beeinträchtigt die Lebensdauer nicht. Daraus ergeben sich folgende Punkte:

  1. Behandlungsoptionen abwägen: Ärzte und Patienten können bewusster zwischen Operation, Strahlentherapie und aktiver Überwachung wählen. Wenn der Prostatakrebs langsam fortschreitet und die Lebensdauer nicht wesentlich beeinflusst, ist aktive Überwachung eine sichere Möglichkeit, die Nebenwirkungen radikaler Therapien zu vermeiden.
  2. Lebensqualität bewahren: Durch aktive Überwachung lassen sich Nebenwirkungen radikaler Behandlungen wie Operation und Strahlentherapie, etwa Harninkontinenz, Sexualfunktionsstörungen und Darmprobleme, vermeiden und die Lebensqualität erhalten.
  3. Individuelle Behandlungsansätze: Die Ergebnisse helfen, die Therapie an persönliche Faktoren, Krankheitsstadium und Risiko anzupassen. So kann jeder Patient anhand seiner Lebensqualität, seines Gesundheitszustands und seiner Behandlungspräferenzen die geeignetste Methode auswählen.
  4. Bedeutung der Überwachungsprotokolle: Die Studie betont regelmäßige PSA-Tests und bei Bedarf erneute Biopsien im Rahmen der aktiven Überwachung. Zeigen sich Hinweise auf ein Fortschreiten, können Ärzte zu einer intensiveren Behandlung raten.

Die Ergebnisse von ProtecT sind somit ein wichtiger Leitfaden für Ärzte und Patienten, ihren Behandlungsansatz zu überdenken und Entscheidungen mit Blick auf Lebensdauer und Lebensqualität zu treffen.

Quellen

Freddie C. Hamdy, Jenny L. Donovan, J. Athene Lane, et al. Fifteen-Year Outcomes after Monitoring, Surgery, or Radiotherapy for Prostate Cancer. NEJM 11 March 2023
DROZDOGAN KI

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Drozdogan-Assistent

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