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Prof. Dr. Mustafa Özdoğan · Facharzt für medizinische Onkologie
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Ein wichtiger Schritt in der personalisierten molekularen Onkologie – die Roma-Studie

Ein wichtiger Schritt in der personalisierten molekularen Onkologie – die Roma-Studie
In diesem Artikel

Wir leben im Zeitalter genetischer Tests bei Krebs

Viele Krebserkrankte und ihre Angehörigen hören heute im Laufe der Behandlung von genetischen Tests. Diese werden je nach Zweck an Blutproben oder Tumorgewebe durchgeführt. Die unterschiedlichen Gründe für die Untersuchungen können bei Betroffenen Verwirrung auslösen. Die über pathologische Untersuchungen hinausgehenden Tests ermöglichen individuelle Ansätze in der Krebsbehandlung. Doch was leisten sie, und warum sind sie so wichtig? Wann werden sie angefordert, und wie beeinflussen sie die Behandlung?

Neue Entwicklungen in der Krebsbehandlung zielen darauf ab, personalisierte Therapien an der Biologie der Krebserkrankung auszurichten. Insbesondere in den vergangenen Jahren wurde vielfach untersucht, wie wirksam solche Ansätze die Lebensqualität verbessern können. Die Roma-Studie gilt als wichtiger Meilenstein auf diesem Gebiet. Die auf der Jahrestagung 2024 der Europäischen Gesellschaft für klinische Onkologie (ESMO) vorgestellten Ergebnisse wecken große Hoffnungen für künftige Behandlungsstrategien.


Was leisten genetische Tests bei Krebs, und warum sind sie so wichtig?

Genetische Tests helfen, die Biologie von Krebs besser zu verstehen, und spielen eine wichtige Rolle bei der Auswahl individueller Behandlungen. Sie erkennen genetische Veränderungen eines Tumors und zeigen, welche Therapien wirksamer sein könnten. Genetische Tests auf erbliche Veränderungen bestimmen die Krebsveranlagung einer Person, während eine genomische Profilierung gezielte Therapien ermöglichen kann. Außerdem helfen Biomarker wie die Tumormutationslast (TMB) und die Mikrosatelliteninstabilität (MSI), die Empfindlichkeit gegenüber einer Immuntherapie einzuschätzen. Dadurch lassen sich geeignete Behandlungsstrategien auswählen und Nebenwirkungen verringern.

Wann werden die Tests angefordert?

Genetische Tests werden meist bei Menschen mit familiärer Krebsbelastung, einer Krebsdiagnose in jungem Alter, seltenen Krebsarten oder fortgeschrittener Erkrankung angefordert, also in einem sehr breiten Spektrum. Beispielsweise werden Menschen, bei denen mehrere Verwandte ersten Grades dieselbe Krebsart haben, auf eine erbliche genetische Veranlagung untersucht. Werden bestimmte Mutationen nachgewiesen, prüft man zudem darauf ausgerichtete Behandlungsoptionen.

Wie beeinflussen sie die Behandlung?

Genetische Tests werden in der Krebsbehandlung eingesetzt, um die wirksamsten Therapien zu bestimmen. Erbliche Mutationen beeinflussen die Früherkennung und Strategien zur Risikosenkung, während das genomische Tumorprofil die Auswahl zielgerichteter Therapien ermöglicht. Tests zur Empfindlichkeit gegenüber Immuntherapien helfen, deren Wirksamkeit vorherzusagen; cfDNA- und ctDNA-Analysen überwachen Rückfälle nach der Behandlung und optimieren damit den Behandlungsverlauf. Indem diese Tests die Krebsbehandlung individualisieren, ermöglichen sie wirksamere Ergebnisse.


Was ist die Roma-Studie, und warum ist sie wichtig?

Die an 40 Zentren in Italien durchgeführte und auf der ESMO 2024 vorgestellte Roma-Studie zeigte, wie molekulare Tumorboards (MTB) zusammen mit umfassender genomischer Profilierung bei der Auswahl personalisierter Krebstherapien helfen können.

  • Molekulares Tumorboard: Eine andere Bezeichnung wäre Expertengremium. Dabei kommen Fachleute verschiedener Disziplinen zusammen, um einen Fall zu beurteilen und die geeignetste personalisierte Behandlung auszuwählen. Insbesondere molekulare Testergebnisse und klinische Daten leiten die Therapieentscheidungen.
  • Umfassende genomische Profilierung: Sie entspricht im Grunde einem umfassenden genetischen Test. Es handelt sich um eine detaillierte genetische Analyse, mit der Veränderungen im Tumor erkannt werden. Die Ergebnisse helfen zu bestimmen, welche Behandlungsoptionen am wirksamsten sein könnten.

Das anhand genetischer Tests entscheidende Expertengremium beschäftigte sich mit wichtigen Fragen: Welche Betroffenen sollten ein Profiling erhalten? Wie sind die Ergebnisse zu interpretieren, und wie lässt sich für jeden Fall die geeignetste Behandlung bestimmen? Studienleiter Dr. Andrea Botticelli sieht in diesem Ansatz einen wichtigen Schritt zur Verbesserung der Behandlungsergebnisse.

Präzision bei der Auswahl einer individuellen Behandlung

Die Roma-Studie ist eine an fast 1800 Menschen mit unterschiedlichen soliden Tumoren, die aus Geweben oder Organen hervorgehen, durchgeführte randomisierte Phase-2-Multi-Basket-Studie. Bei Personen mit behandelbaren molekularen Veränderungen verglich sie eine durch molekulare Tumorboards ausgewählte zielgerichtete Therapie (TT = targeted treatment) mit der Standardversorgung. Zur Fallbewertung kam die NGS-Technologie zum Einsatz: Fortschrittliche genetische Tests ermöglichten die molekulare Profilierung von solidem Gewebe und Blutproben.

Nach der Beratung durch die molekularen Tumorboards wurden insgesamt 400 Personen randomisiert aufgeteilt: 200 kamen in die Gruppe mit zielgerichteter Therapie und 200 in die Gruppe mit Standardversorgung.

Was bedeuten die Ergebnisse?

  • Der primäre Endpunkt der Studie war die objektive Ansprechrate auf die Behandlung. Sie wurde in der Gruppe mit zielgerichteter Therapie mit 17% und in der Gruppe mit Standardversorgung mit 9,5% angegeben.
  • Diese Ergebnisse zeigen, dass der personalisierte Behandlungsansatz wirksamer ist als die Standardbehandlung.
  • Auch das progressionsfreie Überleben (PFS) war unter zielgerichteter Therapie mit median 3,7 Monaten länger als unter Standardbehandlung mit 2,8 Monaten.
  • Insbesondere betrug die progressionsfreie Überlebensrate nach 12 Monaten 22,3% gegenüber nur 7,5%.

Diese Daten zeigen, dass Menschen mit zielgerichteter Therapie hinsichtlich der Verlangsamung des Fortschreitens ihrer Krebserkrankung im Vorteil sind.

Beim Gesamtüberleben fand sich allerdings kein signifikanter Unterschied zwischen den Gruppen. Zudem traten bei 35% der Personen unter zielgerichteter Therapie schwere Nebenwirkungen auf, insbesondere Durchfall und systemische Infektionen. In der Standardtherapiegruppe wurden bei 40% schwere Nebenwirkungen beobachtet (Neutropenie und Fatigue). Die unterschiedlichen Nebenwirkungen werden auf die unterschiedliche Beschaffenheit der eingesetzten Medikamente zurückgeführt.

Personalisierte molekulare Onkologie und genetische Tests

Die Rolle der Tumorboards in der molekularen Onkologie

Eine wichtige Neuerung der Roma-Studie war die Beurteilung jeder einzelnen Person in einem molekularen Tumorboard (MTB). Botticelli erklärt, dass das MTB neben einer oder mehreren behandelbaren molekularen Veränderungen auch die klinischen Merkmale, die Tumorhistologie und mögliche Resistenzmechanismen berücksichtigt. Dieser integrierte Ansatz könnte einige Einschränkungen früherer Modelle überwinden und die Auswahl wirksamerer personalisierter Therapien ermöglichen.

Die Zukunft der personalisierten Onkologie: nicht allein auf Mutationen schauen

Die Ergebnisse der Roma-Studie unterstreichen, dass neue Modelle für die personalisierte Onkologie entwickelt werden müssen. Insbesondere können Behandlungsstrategien, die sich an therapieempfindlichen Mutationen orientieren, den Zugang beschleunigen und die Chance auf wirksame Therapien erhöhen. Wie Dr. Federica Di Nicolantonio von der Universität Turin betont, genügt es jedoch nicht, sich nur auf mutationsbasierte Therapien zu konzentrieren; auch die Tumorhistologie und andere klinische Faktoren dürfen nicht vernachlässigt werden.

Fazit: wirksamere Krebsbehandlung durch personalisierte Therapien

Die Roma-Studie hat die Bedeutung personalisierter Ansätze in der Krebsbehandlung erneut belegt. Die Auswahl einer geeigneten Therapie anhand des molekularen Profils kann den Behandlungserfolg selbst bei fortgeschrittenem Krebs steigern. Die Entwicklung zielgerichteter Optionen ist ein wichtiger Schritt für die personalisierte Onkologie und könnte künftig entscheidend zur Verbesserung der Lebensqualität beitragen.

Diese Studie bietet einen wichtigen Wegweiser für das Verständnis der künftigen Rolle der molekularen Onkologie und personalisierter Behandlungsoptionen. Ihre Ergebnisse geben Anlass zur Hoffnung, dass personalisierte Ansätze in der klinischen Praxis breitere Anwendung finden.

Quellen

A Step Forward in Personalized Molecular Oncology - Medscape - 26. September 2024.
DROZDOGAN KI

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DROZDOGAN KI

Drozdogan-Assistent

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