Früh auftretender Darmkrebs und Ernährung: Welche Lebensmittel erhöhen das Risiko?

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Kolorektaler Krebs ist heute besonders in jüngeren Altersgruppen zu einem rasch zunehmenden Gesundheitsproblem geworden. Dadurch entstehen Forschungsfelder, die über die herkömmlichen Risikofaktoren hinausgehen. Eine am 17. Juli 2024 von Jayakrishnan und seinem Team in npj Precision Oncology veröffentlichte Studie deutet darauf hin, dass ernährungsbedingte Moleküle, die mit rotem und verarbeitetem Fleisch zusammenhängen, bei früh auftretendem kolorektalem Krebs für das Risiko zentrale Auslöser sein könnten.
Hintergrund der Studie
Trotz der Erfolge bei Überwachung und Früherkennung von Darmkrebs können bei jungen Patienten andere Ansätze nötig sein. Die für Menschen über 50 Jahre verwendeten Screeningmodelle lassen sich nicht praktikabel auf junge Erwachsene übertragen: Ihnen routinemäßig eine Koloskopie zu empfehlen, ist weder umsetzbar noch unbedingt erforderlich. Praktikabler wäre ein einfacher Biomarkertest zur Ermittlung des individuellen Darmkrebsrisikos. So könnten Personen mit dem höchsten Risiko identifiziert und für sie geeignete Früherkennungsverfahren eingesetzt werden. Diesen Ansatz zu untersuchen war die wesentliche Motivation der Studie.
In einer früheren Studie hatten die Forscher Unterschiede bei den Metaboliten zwischen früh und im üblichen Alter auftretendem Darmkrebs festgestellt. Andere Untersuchungen zeigten bei jüngeren und älteren Darmkrebspatienten zudem Unterschiede im Darmmikrobiom. Diese Befunde eröffnen viele mögliche Forschungsrichtungen zum früh auftretenden Darmkrebs. Wenn weitere Faktoren hinzukommen, wird es jedoch schwieriger zu verstehen, wie diese das Krebsrisiko beeinflussen.
Methoden und Ergebnisse
In dieser Studie analysierten die Forscher umfangreiche, bei Patienten in Behandlung wegen früh oder im üblichen Alter aufgetretenen Darmkrebses erhobene Metabolit- und Mikrobiomdatensätze. Um Daten aus bestehenden Studien zusammenzuführen und die wichtigsten künftig zu untersuchenden Faktoren zu bestimmen, entwickelten die Forscher einen Algorithmus der künstlichen Intelligenz. Die Analyse zeigte, dass ernährungsbezogene Metaboliten einen wesentlichen Teil der Unterschiede zwischen Patienten mit frühem und spätem Erkrankungsbeginn erklärten.
Ernährung statt Mikrobiom
Dr. Naseer Sangwan von der Cleveland Clinic, einer der Studienleiter, verweist auf das zunehmende Interesse an der wichtigen Rolle des Darmmikrobioms unter den Faktoren, die zum Darmkrebsrisiko beitragen. Er betont jedoch, dass die Daten dieser Studie die Ernährung eindeutig als wesentlichen Auslöser erkennen lassen. Die wichtigsten mit dem Risiko für früh auftretenden Darmkrebs verbundenen Metaboliten seien bereits bekannt. Künftige Forschung könne sich deshalb gezielter auf sie konzentrieren und eine präzisere Richtung einschlagen, erklärt Dr. Sangwan.
Die Forscher vermuten, dass die Messung von Metaboliten im Blut einfacher zur Identifizierung gefährdeter Patienten sein könnte als die Sequenzierung bakterieller DNA im Stuhl zur Untersuchung verschiedener Mikroben des Darmmikrobioms. „Das eigene Mikrobiom zu verändern kann tatsächlich sehr komplex und schwierig sein. Auch wenn es nicht immer leicht ist, ist eine Ernährungsumstellung zur Darmkrebsvorbeugung viel einfacher“, fügt der Forscher hinzu.
Bei jungen Patienten mit früh auftretendem Darmkrebs wurden gegenüber älteren Patienten höhere Metabolitenspiegel im Zusammenhang mit der Bildung und dem Stoffwechsel der Aminosäure Arginin sowie dem Harnstoffzyklus festgestellt. Diese Unterschiede könnten mit dem langfristigen Verzehr von rotem und verarbeitetem Fleisch zusammenhängen.
Kommentar
Die Forscher betonen, dass eine ausführliche Besprechung der Ernährung mit dem Arzt eine der wirksamsten Strategien zur Darmkrebsvorbeugung für Menschen unter 60 Jahren ist.
Derzeit werden nationale Datensätze aus den USA analysiert, um die Gültigkeit der Ergebnisse bei Patienten zu prüfen. Die Forscher erwarten bei jungen Darmkrebspatienten erhöhte Arginin- und Harnstoffzyklus-Metaboliten im Zusammenhang mit übermäßigem Verzehr von rotem und verarbeitetem Fleisch. Sie wollen untersuchen, ob bestimmte Ernährungsweisen oder bestehende Medikamente, die die Argininproduktion und den Harnstoffzyklus regulieren, zur Vorbeugung oder Behandlung von früh auftretendem Darmkrebs wirksam sein könnten.
Weitere Forschung ist nötig, um besser zu verstehen, wie Ernährungsfaktoren Darmkrebs auslösen. Dennoch könnten diese Befunde wichtige Veränderungen in der Patientenversorgung anstoßen. Erstautor Dr. Suneel Kamath erklärt: „Obwohl wir schon vor dieser Studie wussten, dass die Ernährung für das Darmkrebsrisiko wichtig ist, habe ich sie beim ersten Gespräch mit meinen Patienten nicht immer angesprochen. Es gibt ohnehin viele Themen, was für Patienten ziemlich überwältigend sein kann“. Er ergänzt: „Inzwischen spreche ich das Thema stets mit meinen Patienten und ihren gesunden Begleitpersonen aus dem Freundes- oder Familienkreis an und versuche, ihnen die nötigen Hilfsmittel für bewusste Entscheidungen über ihren Lebensstil zu geben“.
Quellen
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