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Prof. Dr. Mustafa Özdoğan · Facharzt für medizinische Onkologie

Große weltweite Unterschiede bei den krebsspezifischen Sterberaten festgestellt

Große weltweite Unterschiede bei den krebsspezifischen Sterberaten festgestellt
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Eine weltweite Untersuchung der krebsbedingten Sterberaten zeigt besorgniserregende Trends. Nach einer aufschlussreichen neuen Studie von Sedeta und seinem Team in Cancer Epidemiology, Biomarkers & Prevention sanken zwar in den meisten untersuchten Ländern die Sterberaten der wichtigen Krebsarten insgesamt. Zugleich gab es jedoch alarmierende Anstiege bei Lungenkrebs unter Frauen und Leberkrebs unter Männern. Der Anstieg der Lungenkrebssterblichkeit bei Frauen lässt sich auf die weitere Verbreitung des Rauchens zurückführen; steigende Leberkrebssterberaten bei Männern können mit Alkoholkonsum und der epidemischen Ausbreitung von Adipositas zusammenhängen.

Die Ergebnisse zeigen große Unterschiede der krebsspezifischen Sterberaten zwischen den Ländern. Besonders bei Lungen- und Gebärmutterhalskrebs können sich die Raten um das bis zu 10-Fache unterscheiden. Das sollte Gesundheitsbehörden und Einzelpersonen gleichermaßen warnen: Der Kampf gegen Krebs erfordert weltweite Anstrengungen, die alle Krebsarten und Regionen einschließen müssen und sich nicht auf einzelne Arten oder Gebiete beschränken dürfen.

Damit bekannte Maßnahmen der Krebsprävention und -kontrolle breit und gerecht umgesetzt werden, müssen die Gesundheitssysteme weltweit gestärkt werden – nicht nur in ressourcenarmen, sondern auch in einkommensstarken Ländern. Denn jedes Land und jede Region hat eigene Krebsrisiken.

Einzelheiten der Studie

Die Forscher analysierten in 47 Ländern verschiedener Weltregionen die Sterberaten der acht häufigsten Krebsarten: Brust-, Lungen-, kolorektaler beziehungsweise Dickdarm-, Prostata-, Magen-, Leber-, Gebärmutterhals- und Speiseröhrenkrebs. Anhand hochwertiger Mortalitätsdaten der Weltgesundheitsorganisation und altersstandardisierter Raten konnten sie charakteristische Trends und Muster der einzelnen Krebsarten erkennen.

Ergebnisse

  • Bei Frauen stieg die Lungenkrebssterblichkeit in 24 Ländern jährlich um 0,3% bis 4,3%. Die stärksten Anstiege zeigten sich in Spanien (4,3%), Uruguay (3,7%) und Griechenland (3,2%). Von den 24 Ländern mit steigenden Raten bei Frauen lagen 22 in Europa.
  • Die Leberkrebssterblichkeit bei Frauen stieg in 15 Ländern jährlich um 0,9% bis 4,5%. Am stärksten waren die Zunahmen in England (4,5%), Norwegen (3,4%), Dänemark (3,1%) und Australien (3,1%).
  • Bei Männern stieg die Leberkrebssterblichkeit in 23 der 47 Länder stärker als bei Frauen. In diesen Ländern Europas, Nordamerikas und Australiens lagen die jährlichen Zunahmen zwischen 0,8% und 5,8%. Am stärksten waren sie in Irland (5,8%), Norwegen (5,3%) und Malta (4,8%).
  • Die Forscher vermuteten, dass der Anstieg der Leberkrebssterblichkeit weitgehend die hohe Häufigkeit von Hepatitis-C-Infektionen sowie, besonders in den USA, nichtvirale Faktoren wie Adipositas, Diabetes und metabolisches Syndrom, nichtalkoholische Fettlebererkrankung und starken Alkoholkonsum widerspiegeln könnte.
  • Die Sterberaten bei Gebärmutterhalskrebs sanken in 28 der 47 Länder jährlich um 0,4% bis 5,2%, am stärksten in Singapur (5,2%), der Schweiz (4,7%) und der Republik Korea (4,4%). In sechs Ländern aus unterschiedlichen Weltregionen stiegen sie dagegen jährlich um 0,5% bis 2,5%: Kirgisistan, Japan, Griechenland, Italien, Argentinien und Lettland.

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Kommentar

Die Forscher kamen zu dem Schluss, dass wirksame Maßnahmen wie Tabakkontrolle und Impfungen, die Förderung gesunder Lebensweisen und systematische Früherkennungsuntersuchungen helfen könnten, einen großen Teil der weltweiten Krebsfälle zu verhindern.

Diese umfassende Untersuchung der weltweiten krebsspezifischen Sterberaten zeigt, dass Krebsbekämpfung einen universellen und umfassenden Ansatz erfordert. Sie darf sich nicht auf bestimmte Krebsarten oder Regionen beschränken. Sowohl entwickelte als auch sich entwickelnde Länder sollten alle bekannten Strategien zur Krebsprävention und -behandlung dort einsetzen, wo sie zur Verringerung der Krankheitslast und Sterblichkeit gebraucht werden.

Quellen

Ephrem Sedeta, Hyuna Sung, Mathieu Laversanne, Freddie Bray, Ahmedin Jemal; Recent Mortality Patterns and Time Trends for the Major Cancers in 47 Countries Worldwide. Cancer Epidemiol Biomarkers Prev 2023; https://doi.org/10.1158/1055-9965.EPI-22-1133
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