Hysterektomie 1813 – Die Entfernung der Gebärmutter

Der Weg zu routinemäßig erfolgreichen Hysterektomien war voller Schwierigkeiten und Schmerzen, besonders in einer Zeit ohne Anästhesie und Antibiotika. Eine Hysterektomie ist die teilweise oder vollständige operative Entfernung des Uterus. In diesem muskulösen Organ entwickelt sich der Fötus, bevor er bei der Geburt durch den Gebärmutterhals, den unteren Teil des Uterus, und die Scheide tritt. Kurz gesagt bedeutet dies die operative Entfernung der Gebärmutter.
Heute ist die Hysterektomie der häufigste gynäkologische Eingriff und kann zur Behandlung von Gebärmutterkrebs sowie schwerer Endometriose eingesetzt werden. Bei Endometriose wächst die Gebärmutterschleimhaut, das Endometrium, an einer anderen Stelle außerhalb der Gebärmutter.
Das Wort Hysterektomie setzt sich aus den beiden griechischen Wörtern „hystera“ für Gebärmutter und „ektome“ für Entfernung zusammen. Es bezeichnet die operative Entfernung der Gebärmutter.
Die Hysterektomie wird schon seit sehr frühen Epochen der Medizingeschichte durchgeführt. Es wird angenommen, dass die ersten dokumentierten Eingriffe im 2. Jahrhundert v. Chr. in Indien stattfanden. Mit medizinischen Fortschritten wie Anästhesie und Infektionskontrolle entwickelten sich im Verlauf der Geschichte auch die Methoden und Techniken weiter.
Hysterie ist eine frühere psychologische Diagnose, die historisch mit emotionalen und körperlichen Beschwerden bei Frauen verbunden wurde. Hippokrates beschrieb sie erstmals im antiken Griechenland. Damals glaubte man, die Gebärmutter wandere im Körper umher und verursache unterschiedliche gesundheitliche Probleme.
Im 19. und frühen 20. Jahrhundert wurde der Begriff Hysterie häufig zur Erklärung neurotischen und hysterischen Verhaltens bei Frauen verwendet. In dieser Zeit wurden Beschwerden, die man der Hysterie zuschrieb, unter anderem mit chirurgischen Eingriffen wie einer Hysterektomie behandelt. Für deren Wirksamkeit gibt es jedoch keinerlei Belege, und aus Sicht der modernen Medizin sind solche Eingriffe nicht akzeptabel.
Mitte des 20. Jahrhunderts wurden die Diagnose Hysterie und die Verwendung dieses Begriffs in Psychiatrie und Psychologie weitgehend aufgegeben. An seine Stelle traten spezifischere und verständlichere psychiatrische Beschreibungen und Diagnosen.
- Ein bedeutender Schritt zur modernen Hysterektomie war die Operation, die der amerikanische Arzt Ephraim McDowell im Jahr 1809 in seinem eigenen Haus bei Jane Todd Crawford durchführte. Crawford ritt 97 km, um sich operieren zu lassen. Sie hatte einen großen Ovarialtumor, also einen Tumor des weiblichen Eierstocks, der ihre Atmung erschwerte. Ohne Anästhesie wurde sie erfolgreich auf einem Küchentisch operiert; der entfernte Tumor wog 10,2 Kilogramm.
- 1813 gehörte der deutsche Chirurg Konrad Langenbeck zu den Ersten, die eine sorgfältig geplante Hysterektomie durch die Scheide durchführten. Seine Kollegen glaubten jedoch nicht, dass die Gebärmutter tatsächlich entfernt worden war. Als die Patientin 26 Jahre später starb, bestätigte die Obduktion den Eingriff.
- 1853 führte der amerikanische Chirurg Walter Burnham die erste abdominale Hysterektomie durch, die eine Patientin überlebte. Er begann einen Eingriff, bei dem er wegen einer Eierstockzyste einen Eierstock zu entfernen glaubte. Als er den Schnitt setzte und die Patientin erbrach, trat der „Tumor“ aus der Öffnung hervor. Burnham erkannte, dass es kein Eierstocktumor war, sondern eine durch Myome vergrößerte Gebärmutter mit gutartigen Geschwülsten. Ihm blieb keine andere Wahl, als sie zu entfernen.
Zu den heutigen Verfahren der Hysterektomie gehören:
- Entfernung durch einen Bauchschnitt: Bei dieser Methode wird die Gebärmutter durch einen Schnitt in der Bauchregion entfernt.
- Entfernung durch die Scheide mit oder ohne laparoskopische Unterstützung: Die Gebärmutter wird vaginal entfernt; dabei kann eine Bauchspiegelung unterstützend eingesetzt werden.
- Totale laparoskopische Hysterektomie: Die Gebärmutter wird über kleine Öffnungen in der Bauchwand entfernt. Die laparoskopische Chirurgie ermöglicht häufig eine schnellere Erholung und ein geringeres Komplikationsrisiko und wird deshalb heute oft bevorzugt.
Die Entwicklung der Hysterektomie hilft uns, die Fortschritte der modernen Medizin und die Rolle von Frauen in der Gesundheitsversorgung besser zu verstehen. Bei jedem Schritt gingen Chirurgen und Patientinnen Risiken ein und loteten die Grenzen des verfügbaren Wissens und der Technik aus, um bessere Ergebnisse und mehr Lebensqualität zu erreichen. Neue Technologien und wissenschaftliche Entdeckungen werden solche Eingriffe künftig noch sicherer und wirksamer machen und dadurch die Gesundheit von Frauen weiter beeinflussen können.
Erläuterung der Artikelabbildung: Die Gebärmutter ist ein muskulöses Organ, in dem sich der Fötus entwickelt. Im orange markierten Bereich der Abbildung sind Gebärmutter, Eierstock, Eileiter und Scheide zu sehen.
Im Artikel erwähnte historische Persönlichkeiten: Ephraim McDowell (1771–1830), Konrad Johann Martin Langenbeck (1776–1851), Walter Burnham (1808–1883)
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Quellen
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